Weltpolitik in der BratpfanneSteht Deutschland bald ohne Fischstäbchen da?

Fischstäbchen
Egal ob mit Ketchup, Mayo oder auch ohne Sauce: Fischstäbchen begleiten uns seit klein auf.
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von Daniel Spliethoff, Sarina Sprengelmeyer und Maxim Kupermann

Jetzt wird sogar der Fisch zum Politikum.
Fischstäbchen sind für viele von uns panierte Kindheitserinnerung, würden sie fehlen, es würde sofort auffallen. Doch hinter dem Tiefkühlklassiker steckt knallharte Geopolitik: Ein großer Teil des dafür benötigten Fischs kommt aus Russland. Und damit wird die Frage brisant, ob Europa im Zweifel eher auf Seelachs oder auf neue Sanktionen setzt.

Wie abhängig Deutschland von russischem Fisch ist

Deutschland, allen voran der Standort Bremerhaven, versorgt weite Teile Europas mit Fischstäbchen, Schlemmerfilets und ähnlichen Produkten. Laut Branchenangaben hängen rund 8.000 Arbeitsplätze an dieser Wertschöpfungskette, von der Verarbeitung über Logistik bis hin zum Handel. Etwa die Hälfte unseres Bedarfs an Alaska-Seelachs, rund 93.500 Tonnen, stammt derzeit aus Russland. Der jährliche Gegenwert dieses Rohstoffstroms liegt bei etwa 228 Millionen Euro.

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Der Fischereiforscher Christopher Zimmermann vom Thünen-Institut warnt im Gespräch mit RTL klar davor, diese Abhängigkeit zu unterschätzen: „Für Deutschland ist diese Quelle nicht substituierbar – das heißt: man kann auch nicht auf andere Fischarten wechseln, [...] man würde tatsächlich große Teile der Fischstäbchenproduktion einfach einstellen müssen.”

Was die EU mit neuen Sanktionen plante

Eigentlich war der Plan klar: Mit dem nächsten Sanktionspaket wollte die EU auch russischen Alaska-Seelachs treffen, also genau den Fisch, der in deutschen Fischstäbchen, Schlemmerfilets und Co. steckt. Auf dem Papier klingt das nach Druck auf Moskau – in der Realität würde es aber vor allem die europäische und deutsche Fischindustrie treffen. Denn der Markt für günstigen Alaska-Seelachs ist weltweit ohnehin eng, Alternativen sind begrenzt. Fachleute gehen davon aus, dass Russland seine Ware schlicht auf andere Absatzmärkte umlenken würde, etwa nach Asien.

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„Wahrscheinlich würde diese Ware unwiderbringlich nach Fernost gehen und es ist nicht unvorstellbar, dass wir in Zukunft Fischstäbchen [...] aus China beziehen würden und diese Produktionskapazitäten kann man dann nicht einfach zurück nach Deutschland verlegen”, erklärt Christopher Zimmermann. Bedeutet im Klartext: Verkauft Russland den für uns gedachten Fisch an wen anders, brechen der deutschen Industrie zentrale Rohstoffmengen weg und damit ein Teil der Produktion und der rund 8.000 Arbeitsplätze.

Quelle: Eigene RTL-Recherchen