ADHS, die Krankheit hinter dem GedankenchaosDauerstress im Kopf! Warum Hanna nie abschalten kann

Nie ist mal endlich Ruhe im Kopf.
Ständig macht Hanna Brunotte drei Sachen gleichzeitig, bringt aber keine so richtig zu Ende. Was für Außenstehende chaotisch wirkt, ist für die Hannoveranerin Alltag. Lange weiß sie nicht, warum ihr selbst einfache Dinge so schwerfallen.
ADHS im Erwachsenenalter
Lange galt ADHS - Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung - als reine Kinderdiagnose. Doch dieses Bild hat sich gewandelt. Etwa jeder 20. Mensch ist betroffen, viele davon Erwachsene. Eine von ihnen ist Hanna Brunotte. Viele Jahre ahnt sie nichts von ihrer Erkrankung, bis sie plötzlich zusammenbricht. Körperliche Symptome wie Schwindel und Schlafstörungen führten dazu, dass sie Anfang 20 nicht mehr konnte. „Es ging halt gar nichts. Also wie so ein kompletter Systemkollaps“, erzählt die 27-Jährige im Gespräch mit RTL.
Die Diagnose damals: Depression. Eine häufige Folgeerkrankung von ADHS. Durch das Gefühl getrieben zu sein, arbeiten Betroffene oft bis zur völligen Erschöpfung. Die Diagnose ADHS bekommt Brunotte erst vor drei Jahren. „Das fühlt sich an, als wäre man gerade vom Lkw überfahren, aber müsste, damit es einem besser geht, einen Marathon laufen”, beschreibt die junge Frau das Gefühl.
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Gedanken wie Dauerradio im Kopf
Die 27-Jährige erklärt, dass in ihrem Kopf ständig mehrere „Tonspuren“ gleichzeitig laufen. In ihrer Wohnung arbeitet sie deshalb mit detaillierten Listen – für die Morgen- und Abendroutine, mit Punkten wie Socken anziehen. Fehlt die klare Struktur, verliert Hanna schnell den Fokus. „Wenn ich dann in meiner Küche bin, merke ich: Ach, ich wollte ja eigentlich gerade das Zeugs wegräumen. Dann räume ich das Zeugs kurz weiter weg, fällt mir ein, dass ich etwas trinken wollte. Dann will ich mir ein Glas holen, merke aber, dass ich ja immer noch das Geschirr nicht weggeräumt habe und den Müll auch noch nicht rausgebracht habe.”
Die Ursache ist neurobiologisch: Der Botenstoff Dopamin wird im Gehirn schneller abgebaut. Bereiche, die für Planung und Organisation zuständig sind, werden dadurch nicht optimal stimuliert. Bei Erwachsenen zeigt sich das anders als bei Kindern, weiß Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie Viola Berg: „So ein Gefühl von getrieben sein und immer was machen müssen und nicht zur Ruhe zu kommen”, führt Berg weiter aus. Ein Gefühl, dass auch Hanna Brunotte nur zu gut kennt.
Kampf um Diagnose
„Einerseits bin ich total gelähmt, überhaupt was zu tun und komme an manchen Tagen halt gar nicht aus dem Bett überhaupt raus. [...] Gleichzeitig habe ich aber innerlich so eine Unruhe, die ich eigentlich loswerden könnte, wenn ich dann etwas tun würde”, beschreibt die 27-Jährige. „Der Motor geht nicht an, aber eigentlich will er unbedingt.”
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Durch soziale Medien wird sie damals selbst auf ADHS aufmerksam und sucht einen Psychiater auf. Eine gesicherte Diagnose ist entscheidend, denn die Medikamente für ADHS unterscheiden sich deutlich von denen gegen Depressionen. Für Hanna Brunotte ist die Diagnose nach jahrelangem Kampf eine Erlösung. Heute nimmt sie passende Medikamente und hat gelernt, mit ihrem ADHS im Alltag umzugehen.
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche



