Prozess um Nord-Stream-SprengungGroßer Andrang! Doch nach zwei Stunden ist schon wieder Schluss

Serhii K. und Anwälte
Der Angeklagte Serhii K. (Zweiter von links) zwischen seinen Anwälten.
Markus Scholz/dpa-Pool/dpa

Lange Schlange vor dem Gerichtssaal, Protest vor dem Gebäude.
Unter Protesten und großem Medieninteresse beginnt am Mittwoch (14. Oktober) in Hamburg der Prozess gegen Serhii K. Der Ukrainer soll eine zentrale Rolle bei der Nord-Stream-Sprengung in der Ostsee 2022 gespielt haben. Vor dem Gericht zeigen Demonstranten mit ukrainischen Fahnen und Spruchbändern ihre Solidarität mit dem Angeklagten. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

Prozess unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen

Vor dem Gerichtssaal warten zahlreiche Pressevertreter. Der Prozess findet unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen statt. Die Bundesanwaltschaft wirft K. vor, an einem Kriegsverbrechen beteiligt zu sein. Dabei geht es um einen Angriff auf zivile Objekte. Außerdem soll er eine Sprengstoffexplosion herbeigeführt haben. Nach Darstellung der Ermittler soll der damalige ukrainische Offizier die Anschläge auf die Pipelines kommandiert haben.

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Demonstranten kritisieren den Vorwurf eines Kriegsverbrechens

Vor dem Gericht zeigen Demonstranten ukrainische Fahnen und Spruchbänder. In Redebeiträgen und Pressegesprächen erklären sie ihre Unterstützung für den Angeklagten.
Ein Teilnehmer beschreibt die Gruppe als Initiative geflohener Ukrainer mit deutschen Unterstützern. Er hält die Anklage wegen eines Kriegsverbrechens für einen Skandal. Ob K. an den Anschlägen beteiligt war, müsse jedoch das Gericht klären. Die Initiative zeigt Solidarität mit ihm und der Ukraine. Sie fordert weitere Waffenlieferungen und schärfere Sanktionen gegen Russland.

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Ein weiterer Demonstrant aus Hamburg erklärt, er wolle dem Angeklagten menschliche Anteilnahme zeigen. Er kritisiert auch den Bau der Nord-Stream-Pipelines und fordert eine Aufarbeitung der politischen Entscheidungen dahinter. Den Vorwurf eines Kriegsverbrechens hält er für unverhältnismäßig. Das sind die Positionen der Demonstranten, über die strafrechtliche Bewertung entscheidet das Gericht.

Demonstration vor Gericht
Solidarität mit dem Angeklagten: Demonstranten versammeln sich vor dem Gericht.
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Verteidigung fordert Einstellung des Verfahrens

Serhii K. betritt den Gerichtssaal mit einem Lächeln, hält kurz inne und salutiert ins Publikum. Er nennt seinen Namen, seinen Geburtsort und sein Geburtsdatum. Zu den Vorwürfen äußert er sich nicht.
Seine Anwälte legen zum Auftakt ihre Sicht auf den Prozess dar und fordern die Einstellung des Verfahrens. Ihre Begründung: K. dürfe sich ohne eine Ausnahmegenehmigung nicht äußern. Unter diesen Umständen könnten sie ihn vor Gericht nicht verteidigen.

Der Strafverteidiger Jes Meyer-Lohkamp beschreibt den Prozessbeginn nach der langen Isolation als große Erleichterung für seinen Mandanten. Serhii K.s Anwalt Nicola Canestrini kritisiert erneut die Haftbedingungen. K. verbringe seit elf Monaten täglich 23 Stunden allein in seiner Zelle. Der Anwalt stellt infrage, ob diese Bedingungen mit der Menschenwürde vereinbar sind. Nach nur zwei Stunden ist der erste Verhandlungstag schon wieder vorbei.
An weiteren Verhandlungstagen sollen zahlreiche Zeugen gehört werden. Das Gericht muss prüfen, ob die einzelnen Indizien ein belastbares Gesamtbild ergeben. Im Verfahren soll es auch um mögliche Auftraggeber und Hintermänner der Anschläge gehen.

Verwendete Quellen: dpa, eigene RTL-Recherche