Sind der Bundeskanzler und seine Minister Schuld an 5.100 Toten?Dieser Rentner verklagt Friedrich Merz

Die Zahl der Hitzetoten steigt: Jetzt reicht es diesem Rentner!
Mark Roach hat genug und verklagt Teile der Bundesregierung. Seiner Meinung nach sind Friedrich Merz und drei seiner Minister Schuld an tausenden Hitzetoten in diesem Jahr. Doch wie viel Erfolg hat seine Anzeige? Muss sich der Kanzler bald wegen unterlassener Hilfeleistung verantworten?
Anzeige gegen die Bundesregierung
David gegen Goliath oder in diesem Fall: Mark Roach gegen die Bundesregierung. Am 21. Juli stellt der 71-Jährige Strafanzeige in seinem örtlichen Polizeirevier in Hamburg-Neuallermöhe gegen „den Bundeskanzler Friedrich Merz, seinen Vizekanzler Klingbeil, die zuständige Ministerin für Energie Reiche und gegen den zuständigen Umweltminister Schneider“, wie Roach im RTL-Interview erzählt.
Immer mehr Hitzetote in Deutschland
Gerechtfertigt sieht der Rentner seine Anzeige wegen einer Schätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) zur Anzahl der Hitzetoten bis Ende Juni. In einem Bericht vom 9. Juli heißt es: „Dass diese Hitzeperiode bisher zu etwa 5.100 hitzebedingten Sterbefällen in Deutschland führte.“ Für Roach ist klar: Die Bundesregierung hat Mitschuld: „Was da passiert ist, ist unterlassene Hilfeleistung aus meiner Sicht (...), wenn nicht sogar Tötung. Das würde aber Absicht unterstellen.“
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Die Zahlen steigen weiter
Mittlerweile geht das RKI sogar von insgesamt zehntausend Hitzetoten im bisherigen Jahr 2026 aus. Die Zahlen ergeben sich aus der Übersterblichkeitsrate, die bedeutet, dass in einem bestimmten Zeitraum mehr Menschen sterben, als normalerweise zu erwarten wären. Für Roach ist das ein Alarmsignal: „Mir geht es darum, dass die Öffentlichkeit und vor allen Dingen auch die Politik begreifen: Es ist dringendes Handeln erforderlich.“
Im Video: Wenn Hitze tödlich endet
Welche Chancen hat Mark Roach?
Anzeigen von Privatpersonen gegen Amtsträger sind – vor allem in Wahlkampfzeiten oder bei politisch bedeutsamen Ereignissen – keine Seltenheit. Roachs Strafanzeige wurde durch die Hamburger Staatsanwaltschaft noch nicht erfasst und dementsprechend auch noch nicht bearbeitet. Dass sich daraus ein Verfahren oder gar eine Verurteilung entwickelt, ordnet Strafrechtler Benjamin Gunst im RTL-Interview deutlich ein: „Ich halte es für völlig ausgeschlossen. (...) Es sind auch am Ende Hitze und Wetter, bei denen man auch sagen muss: Das ist ein Stück weit allgemeines Lebensrisiko.“
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Geringe Erfolgsaussichten
Dazu kommt: Mark Roach ist nicht unpolitisch. Er tritt mit 19 Jahren in die SPD ein und ist mittlerweile seit zwanzig Jahren Mitglied bei den Linken, kandidiert zuletzt im Wahlkreis Bergedorf sogar für die Bundestagswahlen. Der Rentner stellt die Anzeige zwar als Privatperson, oft stecke hinter solchen Aktionen aber mehr, meint Strafrechtler Gunst: „Das sind immer verschiedene politische Kräfte, die gerne das Mittel des Strafrechts nutzen, um Aufmerksamkeit zu erzielen. Mir persönlich ist nicht ein Fall bekannt, in dem das in dieser politischen Richtung jemals Erfolg hatte.“ Anders als bei David gegen Goliath wird es in diesem Fall also wohl keinen Überraschungssieg für David oder in diesem Fall für Mark Roach geben.
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherchen



