Offener Frust in der UnionCDU-Politiker rechnen mit Friedrich Merz ab – „Lage ernster als zur Zeit der Spendenaffäre“

Kanzler Merz in Irland
Fliegt ihm mehr als die Krawatte um die Ohren? Bundeskanzler Friedrich Merz bekommt ordentlich Gegenwind.
Michael Kappeler/dpa

In der CDU brodelt es gewaltig.
Nach dem Kabinettsumbau wächst der Unmut über Friedrich Merz. Parteifreunde sprechen laut FAZ von einem „schäbigen“ und „unwürdigen“ Umgang – und diskutieren offenbar bereits über eine Zukunft ohne den Kanzler.

CDU-Politiker kritisieren Friedrich Merz ungewöhnlich scharf

Verkehrsminister Patrick Schnieder muss seinen Posten räumen
Merz wollte ihn nicht mehr: Verkehrsminister Schnieder muss gehen (Archivbild)
Michael Ukas/dpa

Solche Worte hört man in der CDU nur selten über den eigenen Parteichef. Christdemokraten bezeichnen das Vorgehen von Friedrich Merz bei der Abberufung von Verkehrsminister Patrick Schnieder als „schäbig“ und „unwürdig“. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Ein führender Landespolitiker aus Rheinland-Pfalz erklärt demnach, der Umgang stehe „im Widerspruch zu allen bürgerlichen Werten der CDU“. Parteiintern ist ausdrücklich von fehlender Loyalität und mangelndem Respekt die Rede. Die Stimmung sei „unterirdisch“ und „desaströs“.

Der Frust trifft dabei offenbar nicht nur einzelne Politiker, die ihren Posten verloren haben oder bei der Neuaufstellung übergangen wurden. Laut FAZ zieht sich der Unmut durch verschiedene Regionen und Parteiflügel. Die Kritik an Merz reicht demnach deutlich tiefer.

Dennis Radtke warnt vor ernster Lage der CDU: Parteiaustritte

Friedrich Merz (l), CDU-Vorsitzender und damaliger Kanzlerkandidat seiner Partei, sitzt im Januar 2025 neben Dennis Radtke, damals Landesvorsitzender der CDA Nordrhein-Westfalen, bei der Betriebsrätekonferenz der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) Deutschland auf der Bühne. (zu dpa: «CDU-Sozialflügel: Aufhören, Menschen Angst zu machen») +++ dpa-Bildfunk +++
Friedrich Merz sitzt im Januar 2025 neben Dennis Radtke.
picture alliance/dpa / Fabian Strauch

Auch Dennis Radtke, der Vorsitzende des CDU-Arbeitnehmerflügels, machte seinem Ärger offenbar in einer Vorstandssitzung Luft. Nach Angaben von Teilnehmern berichtete er von Parteiaustritten in seinem Bezirksverband im Ruhrgebiet.

Im Gespräch mit der FAZ bestätigte Radtke die Schilderungen. In der vergangenen Woche sei er intensiv mit CDU-Kandidaten für die nordrhein-westfälische Landtagswahl 2027 unterwegs gewesen. Dabei gehe es ausschließlich um Wahlkreise, in denen sich CDU, SPD und AfD voraussichtlich ein enges Rennen liefern werden.

Die Stimmung an der Parteibasis sei bereits vor dem Umbau der Regierung schlecht gewesen. Radtke warnt deshalb ungewöhnlich deutlich: „Die Lage der CDU ist ernster als zur Zeit der Spendenaffäre.“

Die Partei zehre vielerorts nur noch von einer immer älter werdenden Stammwählerschaft. Nun müsse es darum gehen, die CDU in ihrer ganzen Breite zu aktivieren und aus der „Schockstarre“ angesichts schlechter Umfragen und der negativen Stimmung im Land zu führen.

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CDU-Abgeordnete sprechen über Zukunft ohne Merz

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Löst Hendrik Wüst (l, CDU), Ministerpräsident Nordrhein-Westfalen, steht Bundeskanzler Friedrich Merz im Jahr 2027 ab?
picture alliance/dpa / Rolf Vennenbernd

Manche Abgeordnete diskutieren laut FAZ schon über eine Zukunft ohne Friedrich Merz. Als möglicher Zeitpunkt für einen Wechsel wird der kommende Sommer genannt – also nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen.

Dann könnte NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst nach Berlin wechseln. Andere Christdemokraten halten es dem Bericht zufolge sogar für möglich, dass Merz angesichts schwacher Ergebnisse bei den bevorstehenden Landtagswahlen schon früher fällt.

In der Partei wird dabei an den schnellen Sturz der früheren CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer erinnert. Eine eindeutige Prognose wagt derzeit offenbar niemand. Parteiintern heißt es lediglich: Man könne inzwischen gar nichts mehr ausschließen.

Verwendete Quelle: FAZ/ rsa