Polizei muss sich nach Tod von Bella (3) erklären„Man hätte den Pool am besten abgepumpt“ – neue Details zur Suche nach Bella

Viele Fragen und noch immer keine endgültigen Antworten.
Zwei Wochen nach dem Tod der dreijährigen Bella aus Preetz (Schleswig-Holstein) muss sich die Polizeidirektion Kiel im Innen- und Rechtsausschuss des Landtags erklären. Im Mittelpunkt steht vor allem die Suche auf dem Grundstück der Familie und die Frage: Hätte Bella früher im Pool gefunden werden können? Die Polizei räumt ein, heute manches anders machen zu wollen.
Polizei kontrolliert den Pool – findet Bella aber nicht
Der Einsatz beginnt am 5. August gegen 12.45 Uhr: Bella wird vermisst. Wegen einer Sprachbarriere erklärt die ältere Tochter der Familie die Situation. Die Dreijährige ist autistisch sowie seh- und höreingeschränkt, kann sich aber selbstständig fortbewegen und ist gut zu Fuß. Die Polizei geht zunächst davon aus, dass sich die Dreijährige durch die Haustür in Richtung Innenstadt bewegt haben könnte. Angehörige berichten von einer möglichen Sichtung.
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Gegen 14.15 Uhr durchsuchen Einsatzkräfte erstmals das Wohnhaus und den Garten. Dort ist auch ein rund vier Meter großer, stark veralgter Pool. Das Wasser steht etwa 80 Zentimeter hoch, der Boden ist wegen der Verschmutzung nicht zu erkennen. Die Polizei schaut sich den Pool zu diesem Zeitpunkt allerdings nur an und wirft einen Blick hinein. Später erklärt die Polizeidirektion, man habe damals nach einem lebenden, mobilen Kind gesucht.

In der Nacht kehren die Einsatzkräfte zurück. Gegen 23.55 Uhr wird der Pool mit einem Kescher abgesucht, anschließend steigt ein Feuerwehrmann mit Schutzkleidung hinein und durchsucht das Becken zunächst kreisförmig, dann im Zickzack. Mehrere leuchten die Wasseroberfläche mit Taschenlampen aus, auch eine Wärmebildkamera kommt zum Einsatz. Trotzdem finden sie nichts. Erst am nächsten Morgen, gegen 9.22 Uhr, entdecken Einsatzkräfte Bella leblos im Pool.
Polizei: „Man hätte den Pool am besten abgepumpt“
Im Innen- und Rechtsausschuss schildert die Polizei den Einsatz. Man habe mit Hochdruck und zahlreichen technischen Hilfsmitteln gesucht. „Im Nachhinein betrachtet ist man natürlich immer schlauer in Anführungsstrichen und würde sich im Nachhinein betrachtet wünschen, man hätte den Pool am besten abgepumpt”, gibt Sarah Lampe von der Polizeidirektion Kiel im RTL-Interview zu. „Von daher würde ich in diesem Zusammenhang nicht von einem Fehler sprechen, sondern von einer ‘lesson learned’, die man im nächsten Einsatzfall – ich hoffe, dass er nie wieder kommt – anders machen würde.“

Auch die Kommunikation nach Bellas Fund bewertet die Polizei heute kritisch. Mehrfach mussten Angaben korrigiert werden, unter anderem dazu, wie oft und wie intensiv der Pool zuvor tatsächlich durchsucht worden war. „Im Nachhinein betrachtet würden wir diese Pressemitteilung und auch die Kommunikation in den darauffolgenden Tagen anders gestalten und uns deutlich konkreter und verbindlicher abstimmen, um dann nicht immer wieder Korrekturmeldungen herausgeben zu müssen, die dann wiederum zu Widersprüchen führen und die Fragen aufwerfen.“
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FDP fordert Konsequenzen aus dem Einsatz
Beantragt hat die Befassung im Ausschuss die FDP. Für den früheren Innenminister Bernd Buchholz geht es dabei nicht darum, einzelne Polizisten an den Pranger zu stellen. „Das ist ein tragischer Fall, der da passiert ist. Aber die Berichterstattung über diesen Polizeieinsatz wirft schon Fragen auf. Ich glaube, die Polizei hat selbst eingeräumt, dass da Fehler dabei passiert sind. Wenn die im Einsatzgeschehen passiert sind und in der Kommunikation danach, dann finde ich, muss man Gelegenheit geben, dazu auch noch mal zu sagen: Was lernt ihr jetzt daraus?“, sagt Buchholz im Gespräch mit RTL.

Gleichzeitig warnt er davor, den Eindruck zu erwecken, die Fehler der Polizei hätten Bellas Tod verursacht. „Das kleine Mädchen, wenn es ertrunken ist dort, dann wäre es auch ertrunken, wenn die Fehler beim Polizeieinsatz nicht passiert werden. Das muss man immer schön einsortieren.“ Entscheidend sei viel mehr, Konsequenzen für zukünftige Einsätze zu ziehen.

Eine entscheidende Frage bleibt offen
Trotz der ausführlichen Aufarbeitung bleiben zentrale Fragen unbeantwortet. Vor allem der genaue Todeszeitpunkt Bellas steht weiterhin nicht fest. Die frühere Angabe, das Mädchen sei bereits weit vor Mitternacht gestorben, beruht laut Polizei auf einem Missverständnis. Auch ob Bella sich bereits im Pool befand, als dieser in der Nacht intensiv durchsucht wurde, kann die Polizei derzeit nicht beantworten. „Wir müssen jetzt auf die abschließenden Obduktionsergebnisse und auf die weiteren Ermittlungsmaßnahmen warten, um dann irgendwann hoffentlich eine Erkenntnis zu haben, was genau passiert ist”, meint Sarah Lampe.
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche



