Sind die alle walsinnig? Proteste und Morddrohungen! Emotionen um gestrandeten Wal in Wismar kochen über
„Wir können nicht mehr schlafen, wir können nicht mehr essen.“
Eine Demonstrantin erklärt im Interview mit stern TV, warum der gestrandete Buckelwal in Wismar sie so sehr bewegt, dass sie es zuhause einfach nicht mehr aushält. „Die Grausamkeit, die hier abläuft. Das geht überhaupt nicht“, sagt die Frau. Sie ist wie viele andere der Aktivisten der Meinung, dass das Tier nicht einfach seinem Schicksal überlassen werden darf.
Aktivisten wollen den Buckelwal um jeden Preis retten
In der Ostsee vor Wismar beginnt heute eine private Rettungsaktion für das gestrandete Tier, das eigentlich schon aufgegeben wurde. Erst hieß es, dass der Wal in Würde im flachen Wasser sterben solle, weil ohnehin keine Hoffnung bestehe.
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Doch das passt vielen Menschen, die extra an die Ostsee gefahren sind, um dem Wal nahe zu sein, gar nicht. „Wir haben ihn beobachtet, wissen Sie, wie kraftvoll sich der noch verhält?“, fragt eine andere Frau empört die stern TV-Reporter. Das Tier atme noch kraftvoll, es einfach sterben zu lassen, hält sie für einen Skandal.

Umweltminister erhält sogar Mordrohungen wegen des Wals
„Dass ein Herr Backhaus – ich nenne den Namen – das Recht und die Macht hat, über dieses Tier zu entscheiden, ob es leben darf oder ob es in den Atlantik wieder darf“, findet eine Demonstrantin unerträglich. Seit Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) erklärte, dass der Wal nicht gerettet werden könne, wird er übel beleidigt, erhält Strafanzeigen und sogar Morddrohungen von radikalen Walfans.
Für viele der Aktivisten heißt der gestrandete Wal Hope. An den Polizeiabsperrungen rund um den Wal ertönten in den vergangenen Tagen immer wieder Sprechchöre: „Wir sind das Volk, Freiheit für Hope!“ Immer wieder durchbrechen Menschen die Barrikaden und liefern sich wilde Jagdszenen mit den Einsatzkräften.
Private Initiative will das Tier jetzt bergen
Und es machen sich Verschwörungserzählungen und Misstrauen breit. „Ich persönlich glaube, dass der Wal verkauft ist“, sagt eine der Aktivistinnen im Interview. Solange er lebe, sei er ein wildes Tier und gehöre niemandem. „Sobald der Wal tot ist, gehört der Wal dem Herrn Backhaus“, ist sie überzeugt. Eine weitere Frau meldet Zweifel an der Theorie an, dass es dem Wal in der Ostsee so schlecht gehe, wie Experten sagen. „Ich weiß von Menschen, die im physiotherapeutischen Bereich arbeiten, es ist wie eine Fango-Schlammpackung. Der drückt sich auch nicht so schnell die Organe kaputt. Er liegt da sanft eingebettet“, sagt sie.
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Eine private Initiative will jetzt doch noch einen Versuch starten, den Wal zurück in tiefere Gewässer im Atlantik zu bringen. Finanziert wird das Unterfangen unter anderem Mediamarkt-Gründer Walter Gunz. Laut Umweltministerium liegt die Verantwortung jetzt bei den Organisatoren der Rettungsaktion.
Experten und Greenpeace sind gegen die Rettung
Experten raten allerdings weiter davon ab, den Wal zu bewegen. Auch Walforscher berichten von Drohungen und Anfeindungen. Das Deutsche Meeresmuseum, das bislang eng in die Bewertung der Lage des Wals eingebunden war, hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass es „nicht in die Vorbereitungen der aktuell geplanten Lebendbergung des Buckelwals vor Poel einbezogen wurde“. Auch das gesamte Konzept liege dem Museum nicht vor.

Auch Greenpeace unterstützt die neue Rettungsaktion nicht. „Nach allen uns vorliegenden Informationen ist dieser Wal krank und stark geschwächt“, teilte die Umweltschutzorganisation auf RTL-Anfrage mit. „Laut wissenschaftlichen Gutachten des Deutschen Meeresmuseums und des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung sind die Erfolgsaussichten des Tieres bei einer Lebendbergung sehr gering und gehen mit einem hohen Verletzungsrisiko einher. Von einer Lebendbergung sollte abgesehen werden. Diese Position teilen wir.“ (mit dpa)
Verwendete Quellen: stern TV, dpa






























































