Phantomfoto heizt Spekulationen an Hat Epstein-Komplizin Ghislaine Maxwell etwas mit Maddies Verschwinden zu tun?

Ghislaine Maxwell war 2022 in New York zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. (Archivbild)
Ghislaine Maxwell wurde 2022 in New York zu 20 Jahren Haft verurteilt. (Archivbild)
Chris Ison/PA Wire/dpa

Die Ähnlichkeit ist auf den ersten Blick verblüffend!
Ghislaine Maxwell (64) wurde 2022 wegen Menschenhandels mit Minderjährigen schuldig gesprochen. Jahrelang soll sie Mädchen und junge Frauen in die Gewalt des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein gelockt haben. In sozialen Medien kursieren seit Jahren Gerüchte, dass sie in ein weiteres schweres Verbrechen verstrickt sein könnte: die Entführung von Madeleine McCann.

Zeuge will Maddie mit Ghislaine Maxwell gesehen haben

Das damals drei Jahre alte britische Mädchen verschwand aus einer Ferienwohnung in Portugal. Bis heute wurde Maddie nie gefunden. Der Name des vermissten Kindes taucht aber in den Akten zum Fall Epstein auf.

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Kate und Gerry McCann zeigen in Berlin bei einer Pressekonferenz ein Foto ihrer Tochter Madeleine (Archivfoto).
Soeren Stache; dpa

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Ein Zeuge erzählt darin den Ermittlern, dass er 2009 eine Frau und ein Kind eine Straße entlanglaufen sah. In dem Moment sei ihm das nicht verdächtig vorgekommen. Später sei ihm aber aufgefallen, dass die Frau der Epstein-Vertrauten Ghislaine Maxwell geähnelt habe, darum entschloss er sich Jahre später zu der Aussage. Maddie wäre zu dem Zeitpunkt sechs Jahre alt gewesen. Auch das soll auf die Beschreibung des Zeugen passen, wie mehrere Medien berichten.

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Phantombild im Fall Maddie ähnelt Ghislaine Maxwell

Die Polizei erklärte danach aber, dass es keine bestätigte Verbindung zwischen Maddies Verschwinden und Maxwell gebe. Die angebliche Sichtung des Zeugen sei bis heute nicht bestätigt, wie die Zeitung The Sunday Guardian berichtet. Es gebe keine Beweise, dass die Frau und das Mädchen tatsächlich Maxwell und Maddie waren.

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Ghislaine Maxwell und ein Phantombild im Fall Maddie McCann
Um ein Phantombild im Fall Maddie McCann gibt es spekulationen: Ist die Frau darauf Ghislaine Maxwell?
Getty, Metropolitan Police

Trotzdem kochen im Netz immer wieder Spekulationen hoch, dass die Epstein-Komplizin in eine Entführung des britischen Mädchens verwickelt sein könnte. Ein Phantombild, das Privatermittler veröffentlichten, die von Maddies Eltern engagiert wurden, scheint ein Beweis für die Theorie zu sein.

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Zeugen beobachten Frau in Barcelona, die sich verdächtig verhält

Das computergenerierte Bild zeigt eine Frau mit kurzen dunklen Haaren und schmaler Nase – genau wie Maxwell. Zwei Briten sollen die bis heute unidentifizierte Frau am 7. Mai 2007 – nur vier Tage nach Maddies Verschwinden – in Barcelona gesehen haben. Sie schien den Zeugen zufolge aufgeregt und wartete offenbar vor einer Bar auf jemanden. Als einer der Männer sie damals ansprach, habe sie gefragt: „Haben Sie das Kind?“

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Die Frau soll den Zeugen zufolge etwa 1,58 Meter groß, schlank und zwischen 30 und 35 Jahren alt gewesen sein. Sie habe einen australischen oder neuseeländischen Akzent gehabt und wie Victoria Beckham ausgesehen. „Sie ist eine Person von besonderem Interesse für die Ermittlungen“, heißt es auf der Website findmadeleine.com. „Wenn Sie wissen oder vermuten, wer sie sein könnte – bitte kontaktieren Sie die Ermittlerhotline.“

Maxwell passt nicht auf die Beschreibung der Zeugen

Auch hier geht die Polizei offenbar nicht davon aus, dass die Frau auf dem Phantombild Ghislaine Maxwell ist. Sie soll im Frühjahr 2007 noch gar keine Kurzhaarfrisur gehabt haben. Fotos von damals zeigen sie mit fast schulterlangem Haar.

Jonathan Tisch Celebrates \Chocolates On The Pillow Aren't Enough\
Ghislaine Maxwell (rechts), hier auf einem Foto mit Pamela Gross, trägt ihr Haar im März 2007 bei einer Veranstaltung in New York noch fast schulterlang.
AFP

Und es gibt weitere Unstimmigkeiten. 2007 war Maxwell schon 45 Jahre alt, also rund zehn Jahre älter als die Frau, die die Zeugen in Barcelona gesehen hatten. Und Maxwell kommt weder aus Australien, noch aus Neuseeland. Sie wuchs in Oxford auf und spricht laut BBC ein „geschliffenes britisches Englisch“. Laut Sunday Guardian soll sie Anfang Mai 2007 auch gar nicht in Europa gewesen sein, sondern sich sehr wahrscheinlich in New York aufgehalten haben.

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Die verdächtige Frau auf dem Phantombild ist also vermutlich jemand anderes. Auch ob die Frau überhaupt mit dem Fall in Verbindung steht, ist bis heute unklar. Deutsche Ermittler gehen davon aus, dass der deutsche Christian B., der damals in Portugal lebte, Maddie entführt und getötet hat. Genügend Beweise, um ihn dafür vor Gericht zu stellen, gibt es bisher aber nicht.

Verwendete Quellen: Sunday Guardian, BBC, CBS, dpa