„Bedauerliche Einzelfälle”So reagiert DPD nach „Team Wallraff“-Enthüllungen – aber nicht öffentlich!

Ausbeutung, Arbeitsdruck, kaputte Pakete.
Was das Team Wallraff bei seinen Undercover-Recherchen im Zusammenhang mit DPD aufdeckte, wirft teilweise kein gutes Licht auf den Paketdienst. Jetzt hat die Geschäftsführung des Unternehmens reagiert – allerdings bislang nicht in einem Statement für die Öffentlichkeit, sondern einer internen Mitteilung an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die RTL vorliegt.

Das verspricht der DPD-CEO den Angestellten

„Wir nehmen die im Beitrag gezeigten Vorwürfe sehr ernst“, heißt es in dem Schreiben. „Auch wenn die Berichterstattung oft Einzelsituationen überspitzt darstellt, werden wir jeden der Vorwürfe konkret prüfen, potenzielle Missstände schnellstmöglich abstellen und entsprechende organisatorische Konsequenzen ziehen“, kündigt DPD-CEO Karsten Schwarz an.

Die Undercover-Reporter hatten zum Beispiel bei mehreren Einsätzen in verschiedenen Paket-Depots beobachtet, wie Mitarbeiter über laufende Transportbänder kletterten und so schwere Verletzungen riskierten. Auch das Angebot von Schwarzarbeit wurde von mehreren Vorgesetzten in DPD-Subunternehmen ausgesprochen.

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DPD weist Vorwürfe zu mangelnder Arbeitssicherheit zurück

Bezüglich der Recherchen zur Arbeitssicherheit weise man „die von RTL erhobenen Vorwürfe entschieden zurück.“ Die internen Dokumente von 2024, die eine Informantin dem Team Wallraff zuspielte, seien laut DPD von 2023. Sie enthalten unter anderem eine Karte mit 89 DPD-Standorten. Die meisten der Regionen sind darauf rot eingefärbt – und laut der Informantin somit als „katastrophal” und „potenziell gefährlich“ bewertet worden. Einige Bereiche auf der Karte sind lila. Nach ihren Angaben bedeute diese Bewertung: Diese Anlagen seien „definitiv abzureißen“.

In der aktuellen Stellungnahme heißt es gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern: „Die darin enthaltenen Vorwürfe sind uns seit Langem bekannt und wir haben sie dementsprechend akribisch in den vergangenen Jahren aufgearbeitet.“ Bei einem großen Teil der Beobachtungen habe es sich „um teils verzerrende und sachlich in vielen Fällen unberechtigte Anmerkungen gehandelt.“

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Riskante Klettermanöver über Transportbänder angeblich „Einzelfälle“

Man investiere jedes Jahr zweistellige Millionenbeträge in die Wartung, Modernisierung und Arbeitssicherheit von Anlagen. „Sollte es zu Feststellungen von Mängeln kommen, werden alle identifizierten Risiken priorisiert und systematisch behoben. Das kann selbstverständlich bis zur Nachrüstung oder Teil- bzw. Vollsperrung einer Anlage gehen, damit die Sicherheit von Mitarbeitenden jederzeit gewährleistet ist“, so die Aussage von Schwarz.

Wo Team Wallraff undercover in mehreren Fällen riskante Klettermanöver der Depot-Arbeiter dokumentierte, heißt es in der Mitteilung: „Bedauerlicherweise kommt es in Einzelfällen vor, dass Mitarbeitende sich entgegen strikten Anweisungen und gesetzlicher Vorgaben selbst in Gefahr bringen und schlimmstenfalls auch verletzen.“ Gefährdendes Verhalten sei im Einzelfall kaum vorherzusehen. Deshalb würden nach Arbeitsunfällen die Wirkung der Sicherheitshinweise überprüft und gegebenenfalls Anlagen mit zusätzlichen Absperrungen nachgerüstet.

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Auch zweifelhafte Arbeitsbedingungen bei Subunternehmen „bedauerliche Einzelfälle“

Ein Hauptkritikpunkt der Reportage: Was die Undercover-Reporter von Kollegen bei DPD-Subunternehmen erfuhren, wirkte auf sie eher wie Ausbeutung als faire Arbeitsbedingungen. „Bedauerliche Einzelfälle“, so die Behauptung von DPD. „Wir sind uns unserer Rolle als verantwortungsvoller Auftraggeber bewusst. Das beinhaltet, dass wir alle Partner in unserer Lieferkette strikt auf unsere ethischen und sozialen Standards verpflichten und das wird auch bereits durch externe Stellen und uns überprüft“, heißt es weiter in dem Schreiben.

Jede und jeder könne Missstände über ein internes System anonym melden. „Wir gehen jedem Hinweis mit aller Härte nach, um etwaige Missstände schnell zu identifizieren und zu beheben“, verspricht das Unternehmen.

In einem eigenen Versandtest verschickte das Team Wallraff 50 Pakete mit Zerbrechlichem wie Weingläsern – sorgfältig unter Anleitung eines Verpackungsexperten verpackt – quer durch Deutschland. In 44 Prozent der Fälle entstanden Scherben. Wie DPD in der Mitteilung schreibt, sei diese Quote „in keiner Weise repräsentativ und in den genannten Fällen weniger unserer Arbeit als unzureichender Verpackung zuzurechnen.“ Die eigenen Beschädigungsquoten lägen unter 0,1 Prozent und damit im Branchenschnitt.

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