22 Jahre nach dem Verschwinden des kleinen JonathanUrteil gegen „Maskenmann”: Mordete er auch in Frankreich?

Ab dem 18. Mai steht der deutsche Martin Ney in Nantes erneut vor Gericht.
Martin N., bekannt als „Maskenmann“, verbüßt in Deutschland eine lebenslange Haftstrafe wegen drei Kindermorden und zahlreicher Missbrauchstaten.
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Hat er auch Jonathan Coulom getötet?
Darüber entscheidet am Donnerstag (4. Juni) ein Gericht in Frankreich. Martin N. sitzt bereits lebenslang im Gefängnis. In Deutschland wurde der als „Maskenmann” bekannte Kindermörder für drei Morde an Jungen verurteilt. Nun wird entschieden, ob der Bremer noch ein viertes Kind auf dem Gewissen hat.

Jonathan verschwindet nachts aus dem Ferienlager

Im April 2004 schläft der zehnjährige Jonathan mit anderen Kindern in einem Schullandheim im französischen Saint-Brevin-les-Pins an der Atlantikküste. Doch am nächsten Morgen ist der Junge verschwunden. Wochen später wird seine Leiche rund 30 Kilometer entfernt in einem Teich entdeckt – unbekleidet, gefesselt und mit einem schweren Betonblock beschwert.

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Das grausame Tatmuster weckt schnell Erinnerungen an eine Reihe von Verbrechen in Deutschland. Dort hatte ein Täter jahrelang Jungen aus Ferienlagern und Schullandheimen verschleppt und getötet.

Der zehnjährige Jonathan Coulom verschwindet 2004 nachts aus einem Ferienlager in Frankreich. Wochen später wird seine Leiche entdeckt.
Der zehnjährige Jonathan Coulom verschwindet 2004 nachts aus einem Ferienlager in Frankreich. Wochen später wird seine Leiche entdeckt.
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Der Mann hinter der Sturmhaube

Martin N. führte jahrelang ein Doppelleben. Tagsüber arbeitete der Bremer als Pädagoge und Betreuer bei Ferienfreizeiten. Nachts wurde er zum „Maskenmann”, einem Sexualstraftäter, der sich maskiert an die Betten seiner Opfer schlich. Zwischen 1992 und 2001 missbrauchte er zahlreiche Kinder, drei tötete er.

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Der 13-jährige Stefan J. verschwindet 1992 aus einem Internat in Scheeßel, der acht Jahre alte Dennis R. wird 1995 aus einem Zeltlager in Schleswig-Holstein entführt, der neunjährige Dennis K. verschwindet 2001 aus einem Schullandheim in Wulsbüttel. Alle drei Jungen werden später tot aufgefunden. 2012 verurteilt das Landgericht Stade Martin N. wegen Mordes und mehr als 40 Missbrauchstaten zu lebenslanger Haft mit besonderer Schwere der Schuld.

Der „Maskenmann” drang heimlich in Kinderzimmer ein und missbrauchte Jungen in Privathäusern, Zeltlagern und Schullandheimen.
Dieses Phantombild des maskierten Täters beschäftigt Ermittler jahrelang. Später stellt sich heraus: Hinter der Sturmhaube steckt Martin N.
DPA PA
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Ein Mithäftling belastet ihn schwer

Schon seit 2008 prüfen französische Ermittler, ob der „Maskenmann” auch für den Tod von Jonathan Coulom verantwortlich sein könnte. Direkte Beweise wie DNA-Spuren gibt es nicht, dafür mehrere Hinweise. Ein Zeuge will damals ein Auto mit deutschem Kennzeichen nahe des Fundorts gesehen haben. Besonders belastend ist aber die Aussage eines ehemaligen Mithäftlings. Er sagt im Verfahren per Videoschalte aus, Martin N. habe ihm den Mord an einem Kind in Frankreich gestanden. Für den Prozess am Schwurgericht von Loire-Atlantique wurde der 55-Jährige extra aus der JVA Celle nach Nantes überstellt. Der Angeklagte weist das im aktuellen Prozess entschieden zurück. „Ich habe das nicht getan”, sagt Martin N. vor dem Schwurgericht in Nantes.

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Während des Prozesses sagen deutsche und französische Ermittler, Gutachter sowie Zeugen aus. Der „Maskenmann” selbst beantwortet über die Verhandlungstage hinweg die Fragen des Gerichts und gibt dabei Einblicke in seine verstörende Gedankenwelt. Mehr als 20 Jahre nach Jonathans Verschwinden hoffen seine Angehörigen auf Antworten – nun sollen sie sie bekommen.

Verwendete Quellen: dpa, eigene RTL-Recherche