Tödliches Drama in EnglandSieben Tote nach Geisterfahrt – steckt ein TikTok-Trend dahinter?

Die Szene des tödlichen Zusammenstoßes in Großbritannien: Einsatzfahrzeuge stehen an der Unglücksstelle
Die Szene des tödlichen Zusammenstoßes in Großbritannien
PA, Owen Humphreys/PA via AP

Alles nur für Klicks auf TikTok?
Sieben Menschen – darunter zwei junge Polizisten – sterben bei einem schweren Unfall auf der A66 in England. Kurz danach tauchen Berichte über gefährliche Social-Media-Videos auf, in denen Autofahrer absichtlich zu Geisterfahrern werden.

Sieben Menschen sterben bei Unfall auf der A66

Ein Auto fährt am frühen Samstagmorgen offenbar in falscher Richtung auf die wichtige Fernstraße A66 nahe Middlesbrough. Nach bisherigen Erkenntnissen kracht der Wagen dort mit einem Polizeiauto zusammen. Sieben Menschen kommen bei dem Unfall ums Leben, darunter zwei Jugendliche und zwei Polizisten.

Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, war das Auto zuvor von anderen Beamten verfolgt worden. Wie genau es zu der Geisterfahrt kam und warum der Wagen entgegen der Fahrtrichtung auf die A66 auffuhr, ist Gegenstand der Ermittlungen.

Gefährlicher TikTok-Trend nach Unfall im Fokus

Nur wenige Stunden nach der tödlichen Geisterfahrt sorgen Berichte über Videos in sozialen Netzwerken für Aufsehen. In Clips, die vor allem auf TikTok verbreitet werden sollen, sind Menschen laut britischen Medien bei extrem riskanten Fahrmanövern zu sehen. Teilweise sollen Fahrer sogar absichtlich entgegen der Fahrtrichtung unterwegs sein, um spektakuläre Aufnahmen und möglichst viele Klicks zu bekommen.

Nach Angaben der BBC kursierten zudem Videos, an denen einer der Menschen beteiligt gewesen sein soll, die bei dem Unfall nahe Middlesbrough ums Leben kamen. Diese Aufnahmen seien inzwischen gelöscht worden.

Ob der Social-Media-Trend tatsächlich etwas mit dem tödlichen Unfall auf der A66 zu tun hat, ist allerdings bislang nicht bestätigt. Die Polizei hat einen solchen Zusammenhang bisher nicht offiziell hergestellt.

Anzeige:
Empfehlungen unserer Partner

Auch Matt Storey, der zuständige Police and Crime Commissioner, mahnt deshalb zur Vorsicht. Über die Hintergründe des Unglücks solle derzeit nicht spekuliert werden. Gleichzeitig findet er deutliche Worte für Menschen, die solche gefährlichen Aktionen nachmachen: Sich an derartigen Trends zu beteiligen, sei „absolut idiotisch“, sagte er der BBC.

Die britische Regierung nimmt nun auch die Plattformen selbst in die Pflicht. Luke Pollard, Staatsminister im Verteidigungsbereich, kritisiert Inhalte, die solches Fahrverhalten verherrlichen. Social-Media-Unternehmen müssten entsprechende Videos schnell entfernen, fordert er.

Medienaufsicht schießt Social-Media-Betreiber an

Auch die britische Medienaufsicht Ofcom verweist auf die Verantwortung von TikTok und anderen Plattformen. Nach dem britischen Online Safety Act müssten Anbieter insbesondere Kinder möglichst gut vor gefährlichen Inhalten schützen.

Während die Debatte über solche Videos wächst, bleibt die entscheidende Frage damit zunächst offen: Warum geriet der Wagen auf der A66 tatsächlich auf die falsche Fahrbahn? Die Ermittlungen zum Unfall und zu den Umständen vor dem Zusammenstoß laufen weiter.

Verwendete Quelle: dpa