„Wir haben sie bis zum letzten Moment nicht verlassen“Maria (†22) bei Rave erschossen – Kilian (18) kämpfte um ihr Leben

Während um ihn herum Schüsse fallen, versucht Kilian Wanner, das Leben einer jungen Frau zu retten.
Der 18-Jährige feiert in der Nacht zu Sonntag mit Freunden auf einem Techno-Rave im schweizerischen Aarau, als plötzlich geschossen wird. Die 22-jährige Maria S. wird getroffen und bricht zusammen. Kilian läuft nicht weg. Gemeinsam mit anderen bleibt er bei der Schwerverletzten und versucht, sie zu reanimieren. Am Ende hält er ihre Hand und fleht sie an, nicht aufzugeben. Doch Maria stirbt. Mit RTL spricht Kilian über die dramatischen Minuten und wie sie ihn seitdem verfolgen.
Maria bricht zusammen – Kilian versucht, sie zu retten
Für Kilian war es nicht der erste Besuch auf dem Aarauer Rave. Viermal sei er bereits dort gewesen. Er mochte die Atmosphäre und die Menschen, die gemeinsam feiern, tanzen und lachen. „Die Menschen, die hier sind, sind eigentlich friedliche Menschen“, erzählt er RTL. Für ihn sei es ein Ort gewesen, an dem man laut sein und einfach so sein könne, wie man ist.
An diesem Abend kommt Kilian mit seiner besten Freundin und seinem besten Freund zu der Veranstaltung. Seine Freundin geht gegen Mitternacht nach Hause. Kilian und sein Freund bleiben. „Zum Glück ist meine beste Kollegin auch schon früher gegangen“, sagt er rückblickend. Mit seinem Freund habe er noch bis zum Ende gefeiert.
Video: Schüsse bei Techno-Festival in der Schweiz
Erst denkt Kilian an Böller – dann sieht er den Rauch
Gegen 2 Uhr sollte die Veranstaltung eigentlich enden. Noch etwa 50 bis 100 Menschen seien auf dem Gelände gewesen, erzählt Kilian. Einige feiern weiter und feuern die DJs an. Nur wenige Minuten später fallen die ersten Schüsse.
Zunächst hält der 18-Jährige die Geräusche für Böller. Doch dann hört er mehrere Schüsse und sieht nach eigener Aussage Rauch aufsteigen. Unter den Feiernden breitet sich Verwirrung aus. „Die Menschen hier waren sprachlos, sie waren verwirrt und gleichzeitig auch beängstigt“, erinnert sich Kilian.
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Dann wird Maria getroffen
Mitten in diesem Chaos wird Maria S. getroffen und geht zu Boden. Für Kilian gibt es in diesem Moment nur einen Gedanken: Er will helfen. „Als Maria getroffen wurde, war für mich klar, dass ich ihr helfen muss“, erzählt er RTL.
Kilian und mehrere andere Menschen kümmerten sich um Maria. Nach seiner Schilderung blutete die 22-Jährige stark und war nicht mehr ansprechbar. Doch trotz der unübersichtlichen und gefährlichen Situation blieben die Helfer bei ihr.
„Wir waren vier bis fünf, die sich um Maria gekümmert haben, und wir sind geblieben“, erzählt Kilian. „Wir haben sie bis zum letzten Moment nicht verlassen, denn es fühlte sich falsch an, von diesem Punkt aus zu gehen und sie dort liegen zu lassen.“
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Kilian nimmt Marias Hand
Besonders ein Moment aus dieser Nacht hat sich bei dem 18-Jährigen eingebrannt. Kilian trägt an diesem Abend eine Kappe, die er seit Jahren besitzt und als seine „Glückskappe“ bezeichnet. Kurz bevor die Polizei die Gruppe erreicht, nimmt er Marias Hand. „Ich habe der Maria ihre Hand genommen, auf meinen Kopf gelegt und bin ganz nah zu ihr hin“, erinnert er sich.
Er habe ihr gesagt, „dass sie stark bleiben soll, dass sie nicht aufgeben soll und dass wir sie noch brauchen“. Bis zuletzt habe er gehofft, dass Maria es schafft. Doch die 22-Jährige stirbt an ihren Verletzungen.

„Es gibt schlaflose Nächte“
Die Erlebnisse lassen Kilian auch nach der Tat nicht los. Wieder am Ort des Geschehens zu stehen, fällt ihm schwer. „Es gibt schlaflose Nächte, es gibt auch Momente, wo mich dies auch wieder einholt“, erzählt er RTL. Angst begleite ihn weiterhin. Gleichzeitig spricht der 18-Jährige von Gefühlen der Hilflosigkeit, Machtlosigkeit und sogar Schuld.
Kraft geben ihm vor allem seine Familie und die Tatsache, dass seine Freunde überlebt haben. Auch der Gedanke, in jener Nacht zumindest versucht zu haben, den Verletzten zu helfen, hilft ihm beim Umgang mit dem Erlebten.
Maria wollte sich in der Schweiz ein neues Leben aufbauen
Für Maria sollte die Schweiz eigentlich einen Neuanfang bedeuten. Die 22-Jährige stammte aus Atri in den italienischen Abruzzen und wollte sich dort ein eigenes Leben aufbauen. Sie arbeitete unter anderem in der Gastronomie und suchte nach einem festen Job.
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Freunde beschrieben sie nach ihrem Tod als junge Frau, die trotz schwieriger Erfahrungen nach vorn blickte. Sie träumte von einem eigenen Zuhause und einer Familie. In der Nacht zum 30. August endet dieser Traum auf dem Rave in Aarau.
Für Kilian bleibt die Erinnerung an die letzten Minuten mit Maria – und an den Versuch, einer jungen Frau zu helfen, die er zuvor nicht kannte. „Wir haben sie bis zum letzten Moment nicht verlassen.“
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche


