Dreifacher Kindstod in MassachusettsFreispruch gefordert! Krasse Kehrtwende im Fall Lindsay Clancy

War sie es oder war sie es nicht?
Der krasse Fall um Lindsay Clancy nimmt eine überraschende Wendung: Bislang bestritt die Verteidigung nicht, dass die 36-Jährige ihre drei eigenen Kinder getötet hat. Im Gegenteil, ihr Anwalt erklärte noch vor wenigen Monaten, sie übernehme dafür Verantwortung. Doch nun stellt er plötzlich alles Bisherige infrage.
„Wo ist der Beweis, dass sie das getan hat?“
„Wo ist der Beweis, dass sie das getan hat?“ Mit diesen Worten sorgt Kevin Reddington am 29. September im Plymouth Superior Court im US-Bundesstaat Massachusetts für Aufsehen. Der Verteidiger von Lindsay Clancy schlägt damit nach dem geplatzten ersten Prozess einen völlig neuen Kurs ein.
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Vor dem Richter beantragt er sogar einen Freispruch. Seine Argumentation: Die von der Staatsanwaltschaft vorgelegten Beweise reichten nicht aus, um seiner Mandantin die Tötung ihrer drei Kinder nachzuweisen.
Fall Lindsay Clancy: Verteidiger stellt plötzlich die Tat infrage
„Dieser gesamte Fall basiert auf Spekulation“, erklärt Reddington laut Associated Press weiter. Gegenüber dem Gericht fragt er zudem, wo Lindsay Clancy die Tat überhaupt eingeräumt habe. „Wo sagt sie, dass sie das getan hat?“, so der Anwalt. Nach seiner Darstellung gebe es keinen Beweis dafür, dass seine Mandantin ein Geständnis abgelegt habe.

Reddington geht noch weiter. Er attackiert die Ermittlungen und spricht von „mangelhafter DNA“ sowie einer „schrecklichen, lächerlichen Ermittlung“. Unter anderem verweist er auf nach seiner Ansicht offene Fragen zu Spuren im Haus, Clancys Verletzungen und die zeitlichen Abläufe am Tatabend. Die Verteidigung fordert Richter Sullivan deshalb auf, Clancy freizusprechen, bevor es überhaupt zu einem zweiten Prozess kommt.
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Vor wenigen Monaten klang Reddington noch völlig anders
Genau das macht den Auftritt so bemerkenswert. Denn bislang konzentrierte sich Clancys Verteidigung nicht auf die Frage, ob sie ihre Kinder getötet hatte, sondern darauf, ob sie dafür strafrechtlich verantwortlich gemacht werden konnte.
Noch am 18. Juni sagte Reddington über seine Mandantin: „Sie übernimmt Verantwortung.“ Außerdem betonte er, Clancy laufe vor nichts davon. CBS Boston berichtete damals, nach Darstellung des Verteidigers habe niemand bestritten, was in jener Nacht geschehen sei. Gestritten werde vielmehr über das Warum.
Auch zum Auftakt des Prozesses Ende Juli stellte Reddington die Tötungen nicht als zentrale Streitfrage dar. Vor den Geschworenen sagte er über seine Mandantin unter anderem, sie wisse, „dass sie diese Kinder getötet hat“. Seine Argumentation zielte damals auf ihren psychischen Zustand und eine mögliche Wochenbettpsychose. Nun die Kehrtwende!
Staatsanwältin nennt neue Argumentation „lachhaft“
Die Staatsanwaltschaft reagiert entsprechend deutlich. Staatsanwältin Shanan Buckingham verweist darauf, dass die Verteidigung während des Prozesses selbst immer wieder von Clancys Beteiligung ausgegangen sei. Dass nun erstmals behauptet werde, es gebe gar keinen ausreichenden Beweis für die Tat, sei ein „lachhaftes Argument“.
Buckingham verweist unter anderem auf DNA-Spuren an den Fitnessbändern, mit denen die Kinder nach Darstellung der Anklage erwürgt wurden. Zudem habe Clancy nach dem Aufwachen im Krankenhaus gegenüber einem Seelsorger über Stimmen gesprochen, die ihr gesagt hätten, sie müsse die Kinder töten. Die Staatsanwaltschaft sieht deshalb ausreichend Beweise dafür, dass Clancy für den Tod ihrer Kinder verantwortlich ist.
Diese Kinder-Cold-Cases bewegen uns bis heute
Erster Lindsay-Clancy-Prozess platzte nach wochenlangem Verfahren
Lindsay Clancy steht wegen des Todes ihrer Kinder Cora (5), Dawson (3) und Callan (acht Monate) vor Gericht. Die Kinder starben am 24. Januar 2023 im Haus der Familie in Duxbury. Anschließend sprang ihre Mutter aus einem Fenster und verletzte sich schwer. Seitdem ist sie querschnittsgelähmt.
Im ersten Prozess hatte die Verteidigung argumentiert, Clancy sei wegen einer schweren psychischen Erkrankung zum Tatzeitpunkt nicht schuldfähig gewesen. Nach einem mehrwöchigen Verfahren konnten sich die zwölf Geschworenen jedoch nicht einstimmig auf ein Urteil einigen. Am 4. September erklärte Richter Sullivan den Prozess deshalb für gescheitert. Nach späteren Angaben mehrerer Geschworener stimmten elf für einen Freispruch wegen fehlender strafrechtlicher Verantwortlichkeit, ein Geschworener widersprach.
Wie es im Fall Lindsay Clancy weitergeht, ist damit erneut offen. Auch ob und wann ein neuer Prozess stattfinden könnte.
Verwendete Quellen: Associated Press, CBS, AFP



