Jahrhundert-Prozess geplatzt! Was passiert jetzt mit Lindsay Clancy?

Wochenlang blickten die USA auf diesen Prozess, dann endet er ohne Urteil.
Lindsay Clancy ist weder schuldig noch freigesprochen. Jetzt stellt sich die entscheidende Frage, ob die 36-Jährige wegen des Todes ihrer drei Kinder noch einmal vor Gericht muss.
Elf Geschworene sollen für Freispruch gewesen sein
38 Stunden beraten die Geschworenen. Doch am Ende finden sie keine gemeinsame Antwort auf die Frage, die diesen Prozess beherrscht hat. Ist Lindsay Clancy für den Tod ihrer drei Kinder strafrechtlich verantwortlich oder war sie wegen ihres psychischen Zustands nicht schuldfähig? Richter William Sullivan erklärt den Prozess schließlich für gescheitert. Ein Urteil gibt es nicht.
Damit bleibt einer der aufsehenerregendsten Kriminalfälle der USA weiter offen.
Nach Darstellung von Clancys Verteidiger Kevin Reddington war die Jury offenbar denkbar knapp vor einer Entscheidung. Elf der zwölf Geschworenen hätten Lindsay Clancy freisprechen wollen. Nur ein Juror habe sich dagegen gestellt, berichtet „The Sun“. Weil in diesem Verfahren Einstimmigkeit nötig war, reichte das für kein Urteil.
Reddington machte seinem Ärger anschließend vor dem Gerichtsgebäude Luft. Er könne nicht nachvollziehen, was dieser eine Mann gedacht habe. Besonders deutlich wurde der Anwalt mit den Worten: „I hope that guy can sleep well at night.“ Auf Deutsch: „Ich hoffe, dieser Mann kann nachts gut schlafen.“
Wichtig ist allerdings: Die angebliche Verteilung von elf zu eins stammt von Reddington. Ein offizielles Urteil der Jury gibt es gerade nicht.
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Was passiert jetzt mit Lindsay Clancy?
Juristisch steht Lindsay Clancy nach dem geplatzten Prozess zunächst dort, wo sie vorher stand. Sie wurde weder verurteilt noch freigesprochen. Deshalb kann die Staatsanwaltschaft grundsätzlich einen neuen Prozess mit einer neuen Jury anstreben. Die ursprünglichen Anklagepunkte bleiben bestehen. Am 29. September soll das Gericht erneut zusammenkommen und über das weitere Vorgehen sprechen. Bis dahin bleibt Clancy laut „The Sun“ im Tewksbury State Hospital, einer psychiatrischen Einrichtung in Massachusetts.
Verteidiger Reddington hatte noch versucht, das Scheitern des Prozesses in letzter Minute zu verhindern. Er beantragte einen Aufschub und wandte sich anschließend an das höchste Gericht des Bundesstaates Massachusetts. Doch auch dieser Versuch scheiterte.
Staatsanwaltschaft und Verteidigung erzählen zwei völlig verschiedene Geschichten
Der Kern des Lindsay-Clancy-Prozesses bleibt damit ungelöst. Am 24. Januar 2023 tötete die damalige Krankenschwester ihre Kinder Cora (5), Dawson (3) und Callan (8 Monate) im Haus der Familie im US-Bundesstaat Massachusetts. Anschließend verletzte sie sich selbst und sprang aus einem Fenster. Seitdem ist sie von der Hüfte abwärts gelähmt.
Über die Tat selbst besteht kaum Streit. Entscheidend ist vielmehr Clancys Zustand zu diesem Zeitpunkt. Die Verteidigung argumentiert, die dreifache Mutter habe unter einer nicht erkannten postpartalen Psychose gelitten und sei deshalb nicht strafrechtlich verantwortlich gewesen. Reddington spricht außerdem von Fehlern bei ihrer medizinischen Behandlung.
Die Staatsanwaltschaft sieht das völlig anders. Sie hält die Tat für bewusst geplant und verweist unter anderem darauf, dass Clancy ihren damaligen Mann Patrick vor den Tötungen für Besorgungen aus dem Haus geschickt hatte. Aus Sicht der Anklage wusste sie, was sie tat und dass es falsch war.
Auch Patrick Clancy fürchtet einen zweiten Prozess
Ein möglicher neuer Prozess würde die Familie erneut mit dem Tod der drei Kinder konfrontieren. Patrick Clancy, inzwischen von Lindsay geschieden, habe große Angst davor, die Ereignisse noch einmal vor Gericht durchleben zu müssen, erklärte sein Anwalt laut „The Sun“. Der Verlust seiner Kinder werde ihn für immer begleiten.
Ob es tatsächlich zu einem zweiten Lindsay-Clancy-Prozess kommt, dürfte sich frühestens nach dem nächsten Gerichtstermin am 29. September zeigen. Bis dahin bleibt ein Verfahren ohne Sieger, ohne Urteil und vor allem ohne endgültige Antwort auf die Frage, die Amerika seit Jahren beschäftigt.
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche, TheSun

