Sie tötete ihre drei kleinen KinderElf gegen einen Geschworenen! Krimi um Urteil im Jahrhundert-Prozess gegen Lindsay Clancy

Elf gegen einen!
Drei Kinder sind tot, ihre Mutter Lindsay Clancy bestreitet die Tat nicht. Doch ob sie dafür strafrechtlich verantwortlich ist, darüber kann sich die Jury nicht einigen. Elf Geschworene sollen gegen einen stehen – und der spektakuläre Prozess droht, ohne Urteil zu enden.
Lindsay Clancy vor Gericht: Prozess hängt an einem Geschworenen
Nach sechs Tagen Beratung gibt es im Lindsay-Clancy-Prozess noch immer kein Urteil. Nach Angaben ihres Verteidigers Kevin Reddington haben sich elf Geschworene offenbar auf eine Entscheidung verständigt, während ein Juror nicht mitzieht. Wie die elf abstimmen wollen, sagte Reddington ausdrücklich nicht. Am heutigen Freitag, 4. September, soll die Jury ihre Beratungen in Plymouth im US-Bundesstaat Massachusetts fortsetzen. Das berichtet das Magazin People.
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Der Streit eskalierte einen Tag zuvor, am Donnerstag, im Gerichtssaal. Der Vorsitzende der Jury hatte Richter William Sullivan mitgeteilt, ein Mitglied weigere sich, den rechtlichen Vorgaben zum sogenannten begründeten Zweifel zu folgen. Clancys Verteidiger wollte den betreffenden Geschworenen deshalb austauschen lassen. Der Richter lehnte das ab und erinnerte die Jury stattdessen erneut an ihre Pflichten.
Damit wächst die Gefahr, dass der Prozess vorerst ohne Entscheidung endet. In den USA muss die Jury in diesem Fall einstimmig urteilen. Bleibt sie dauerhaft gespalten, kann der Richter die Beratungen für gescheitert erklären. Dann wäre ein neuer Prozess möglich.
Der Fall Lindsay Clancy: Drei Kinder sterben im eigenen Zuhause
Hinter dem juristischen Tauziehen steht eine Tat, die die USA seit mehr als drei Jahren erschüttert: Am 24. Januar 2023 attackierte Lindsay Clancy ihre drei Kinder im gemeinsamen Haus in Duxbury, Massachusetts. Cora war fünf Jahre alt, Dawson drei, Callan gerade einmal acht Monate. Clancy strangulierte die Kinder mit Fitnessbändern, alle starben später. Clancy sprang aus einem Fenster im Obergeschoss. Sie überlebte schwer verletzt und ist seitdem von der Hüfte abwärts gelähmt.
Dass die heute 36-Jährige ihre Kinder getötet hat, bestreitet die frühere Krankenschwester nicht. Die entscheidende Frage im Prozess lautet deshalb anders. War Lindsay Clancy in diesem Moment überhaupt in der Lage, das Unrecht ihrer Tat zu erkennen?

Ist Lindsay Clancy eine Mörderin oder schwer psychisch krank?
Die Verteidigung sagt, Clancy habe an einer postpartalen Psychose, also einer sogenannten Wochenbettpsychose nach der Geburt, gelitten und den Bezug zur Realität verloren. Ein Experte der Verteidigung berichtete im Prozess, Clancy habe angegeben, eine männliche Stimme habe ihr befohlen, ihre Kinder und anschließend sich selbst zu töten. Angehörige beschrieben außerdem, wie sich ihr psychischer Zustand in den Monaten vor der Tat immer weiter verschlechtert habe.
Die Staatsanwaltschaft zeichnet ein anderes Bild. Ihre Experten kamen zu dem Schluss, Clancy sei zwar psychisch krank gewesen, habe aber gewusst, dass ihre Handlungen falsch waren. Die Ankläger sehen in der Tat deshalb eine bewusste und geplante Entscheidung. Als Indiz führen sie unter anderem an, dass Clancy ihren Mann kurz vor den Tötungen aus dem Haus geschickt habe.
Genau dieser Gegensatz macht den Fall juristisch so schwierig. Die Geschworenen müssen nicht entscheiden, ob Lindsay Clancy ihre Kinder getötet hat. Sie müssen beurteilen, ob sie dafür nach dem Gesetz von Massachusetts strafrechtlich verantwortlich war.
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Jetzt entscheidet sich, ob es überhaupt ein Urteil gibt
Mehr als vier Wochen lang hörte die Jury über 80 Zeugen und sah Hunderte Beweisstücke. Seit dem 27. August beraten die Geschworenen über Clancys Schicksal. Mehrfach teilten sie dem Gericht bereits mit, dass sie keine einstimmige Entscheidung erreichen können.
Bei einer Verurteilung wegen Mordes ersten Grades droht Clancy lebenslange Haft ohne Aussicht auf Bewährung. Wird sie wegen fehlender strafrechtlicher Verantwortlichkeit freigesprochen, bedeutet das nicht automatisch Freiheit. Abhängig von ihrem psychischen Zustand könnte sie weiter in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht bleiben.
Doch bevor es überhaupt so weit kommt, müssen sich zwölf Menschen in einem Gerichtssaal in Massachusetts einig werden. Momentan sieht es danach nicht aus.
Verwendete Quellen: People, AP, CBS Boston






























