Prozess im Fall Fabian (†8)„Dies ist ein besonderes Ereignis” – Gina H. schaltet am Tattag für anderthalb Stunden ihr Handy aus

02.06.2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte (vorn l-r) und Thomas Löcker, Anwalt, sind im Saal des Landgerichts vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. Der Angeklagten wird vorgeworfen, am 10.10.2025 heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen den zur Tatzeit achtjährigen Fabian aus Güstrow getötet zu haben. Foto: Bernd Wüstneck/dpa - ACHTUNG: Person(en) wurde(n) aus rechtlichen Gründen gepixelt +++ dpa-Bildfunk +++
Nach der Trennung von Fabians Vater soll Gina H. den Achtjährigen getötet haben.
Bernd Wüstneck/dpa

Sonst verschickt sie konstant Nachrichten – dann ist ihr Handy plötzlich aus!
Der Saal des Landgerichts Rostock ist auch am zehnten Prozesstag bis auf den letzten Platz gefüllt. Im Mittelpunkt stehen Nachrichten, die Gina H. am Tattag und danach verschickt hat. Besonders auffällig ist dabei eine Lücke: Denn für anderthalb Stunden ist das Telefon der 30-Jährigen am Tag von Fabians Verschwinden ausgeschaltet.

Tausende Nachrichten in einer Woche

In der Zeit zwischen Fabians Verschwinden und seinem Fund habe die Polizei auf dem Handy der Angeklagten 33.000 Ereignisse protokolliert. Dazu zählen über tausende Sprachnachrichten und Nachrichten, hunderte Anrufe und Mails.

Doch vor dem Landgericht Rostock geht es auch um den Inhalt: „Die Kommunikation zwischen Gina H. und Matthias R. ist geprägt von Eifersucht und Kontrollzwang der H. sowie Streitigkeiten und gegenseitigen Vorwürfen”, erläutert ein Beamter die Auswertung von Chatverläufen.  Mehrfach habe Fabians Vater der Angeklagten mit der Trennung gedroht, ihr allerdings auch zweimal einen Heiratsantrag gemacht.

Lese-Tipp: Angeklagte Gina H. verschickte bizarre Sprachnachrichten nach Fabians Verschwinden

Handy vorher nie länger als drei Minuten aus

Für den mutmaßlichen Tattag haben die Ermittler die Daten von Gina H.s und Fabians Handy ausgewertet. Gegen 10.43 Uhr soll die 30-Jährige demnach ein Foto von ihrem Auto gemacht haben – nur 120 Meter von Fabians Wohnhaus entfernt. Wenige Minuten danach erfolgt die letzte nachweisbare Nutzung von Fabians Handy.

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Rund eine halbe Stunde später entsperrt Gina H. ihr Handy um 11.11 Uhr und schickt kurz darauf einem Bekannten ein Foto von einem Waldweg. Dann schaltet sie ihr vollgeladenes Handy aus. „Dies ist ein besonderes Ereignis, weil das sonst überhaupt nicht stattfindet“, kommentiert der Polizist. Gina H. hat ihr Smartphone in all der Zeit nur dreimal ausgeschaltet: Nach der Einrichtung ihres Handys, am 10.10. im mutmaßlichen Tatzeitraum und am 13.10. abends bei der Suche am Tümpel in Klein Upahl.

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Im Video: Im Prozess sprechen die Indizien gegen Gina H.

Gina H. soll in Sprachnachrichten gestresst wirken

Für fast anderthalb Stunden bleibt H.s Handy ausgeschaltet. Erst um 12.45 Uhr habe die Angeklagte es wieder eingeschaltet und den Bekannten angerufen, dem sie zuvor das Bild von dem Waldweg geschickt hat. In einer anschließenden Sprachnachricht wirke Gina H. laut Aussage des Polizisten „gestresst“. Später an dem Tag habe Gina H. jedoch noch anzügliche Sprachnachrichten an denselben Bekannten verschickt.

Im Gerichtssaal verfolgt Gina H. die Auswertungen intensiv und liest die Ausführungen mit. Ihr direkt gegenüber sitzt die Mutter von Fabian, die am zehnten Prozesstag wieder im Gericht vor Ort ist. Dorina L. muss mehrfach schlucken und atmet tief durch.

„Bengel” machte Gina H. Ärger?

Zuvor hatte vor dem Landgericht ein Bekannter von Gina H. ausgesagt. Eric W. habe die 30-Jährige noch aus der Schule gekannt. Der Kontakt zu ihr habe inzwischen aber vor allem per Handy stattgefunden. Fabian habe der Kfz-Mechatroniker deshalb nur aus Erzählungen der Angeklagten gekannt. Das Verhältnis zwischen dem Achtjährigen und Gina H. sei – neben ein, zwei Streitigkeiten – gut gewesen, behauptet Eric W. zunächst in der Befragung.

Sprachnachrichten der beiden vom mutmaßlichen Tattag sprechen jedoch eine etwas andere Sprache: „Alles voll mit dem Bengel. Hoffentlich finden sie ihn schnell wieder.” Kurz darauf ergänzt Eric W. noch: „Ist nicht mehr deine Sorge, ne. Da haben sich Mutter und Vater drum zu kümmern. Du weißt, wie viel Ärger er dir eingebracht hat.”

Chat lässt kein gutes Haar an Fabians Mutter

Auf Nachfrage des Richters führt Eric W. aus, dass er von Streitigkeiten zwischen der Angeklagten und dem Vater von Fabian gewusst habe. Der Grund dafür sei Fabian gewesen. Der Achtjährige sei laut H. kein einfaches Kind gewesen, habe in der Beziehung Probleme gemacht.

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Ein Konflikt, der sich in der Auswertung der Handydaten auch in weiteren Chats verfolgen lässt. Nicht zuletzt in der Kommunikation mit Fabians Vater. „Die Streitigkeiten sind ein ewiger Kreislauf und ziehen sich durch den gesamten ausgewerteten Zeitraum ab”, erklärt ein Beamter die Ergebnisse. Wiederkehrende Themen seien Finanzen, die Mutter von Fabian, andere Frauen, fehlende Zweisamkeit und viel Arbeit gewesen. Bereits an einem vorherigen Prozesstag wurden bizarre Nachrichten zwischen Gina H. und Fabians Vater als Beweismittel vorgestellt.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche, Stern