Handyvideo wirft Fragen aufPedro (30) liegt nach Polizeieinsatz mit schweren Hirnschäden im Wachkoma

von Martina Lewinski

Sein Leben wird nie wieder so sein wie zuvor.
Nach einem Polizeieinsatz in Köln liegt Pedro (30) mit schweren Hirnschäden im Wachkoma. Ein Handyvideo, das er kurz vor seinem Zusammenbruch selbst aufnahm, wirft nun Fragen zum Einsatz der Beamten auf.

Handyvideo zeigt die letzten Minuten vor dem Zusammenbruch

Die Aufnahmen hat Pedro selbst gemacht. Darauf ist zu hören, wie er die Einsatzkräfte mehrfach fragt, warum sie seine Wohnung betreten wollen. „Aber warum muss ich aufmachen? Das ist meine Frage. Können Sie mir bitte antworten, bevor Sie Gewalt anwenden?“, sagt er in dem Video.

Kurz darauf verschaffen sich die Einsatzkräfte Zutritt zu seiner Wohnung. Während des Einsatzes ist immer wieder zu hören, wie Pedro ruft: „Hilfe! Hilfe! Gewalt!“ Für seinen Partner Julian ist die Aufnahme kaum zu ertragen. „Er hat im Grunde genommen um sein Leben geschrien“, sagt er.

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Freunde riefen aus Sorge den Notruf

Pedro lebt seit acht Jahren in Deutschland und arbeitet als Erzieher. Freunde beschreiben ihn als hilfsbereiten Menschen. Nach dem Tod einer nahestehenden Person gerät der 30-Jährige am 8. April in eine psychische Ausnahmesituation.

Aus Sorge um ihn verständigen Freunde den Notruf. Als eine Notärztin und ein Polizist vor seiner Wohnung in Köln eintreffen, ahnt Pedro davon offenbar nichts.

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Anwalt erhebt schwere Vorwürfe

Nach dem Einsatz beantragte Pedros Anwalt Akteneinsicht und sichtete die Bodycam-Aufnahmen der beteiligten Polizeibeamten. Nach seiner Darstellung werfen die Aufnahmen Fragen zum Vorgehen der Einsatzkräfte auf.

„Man sieht auf den Bodycam-Aufzeichnungen, dass zwei männliche Polizisten mit ihrem gesamten Körpergewicht auf dem oberen Rücken knien“, sagt der Anwalt. Zudem sei Pedro nach dessen Darstellung während der Fixierung in Bauchlage über die Nase ein Medikament verabreicht worden.

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Nach Angaben des Anwalts liegen ihm allerdings nur einzelne Ausschnitte der Bodycam-Aufnahmen vor. Er erhebt außerdem Vorwürfe gegen die Beamten wegen ihres Umgangs mit seinem Mandanten. So sollen sie Pedro während der Fixierung unter anderem als „Spacko“ bezeichnet und darüber gesprochen haben, ihm die Haare abzuschneiden, damit eine Spuckhaube besser passe.

Pedro muss reanimiert werden

Die Polizei wirft Pedro vor, einer Beamtin in die Hand gebissen und mehrfach gespuckt zu haben. Als er schließlich aus der Wohnung gebracht wird, beobachtet sein Partner Julian nach eigenen Angaben, dass sich seine Hautfarbe verändert. „Dann ist aufgefallen, dass der Körper rückseitig die Farbe verliert, weil er bauchseitig fixiert war. Dann musste alles ganz schnell gehen. Die Sanitäter riefen: ,Wir brauchen die Schlüssel für die Handschellen. Wir müssen reanimieren.‘“

In der Klinik stellen Ärzte schwere und irreparable Hirnschäden fest. Heute liegt der 30-Jährige im Wachkoma.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Die Staatsanwaltschaft Köln hat inzwischen ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. „Nach Durchsicht dieses Videos haben wir Anlass gesehen, nunmehr ein Ermittlungsverfahren wegen des Anfangsverdachts der Körperverletzung im Amt einzuleiten“, erklärt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Köln.

Geprüft wird nun unter anderem, ob die Fixierung in Bauchlage verhältnismäßig war und welche Medikamente die Notärztin verabreicht hat. Für Pedros Familie und Freunde bleibt die Hoffnung auf eine lückenlose Aufklärung. Sie fordern Antworten auf die Frage, wie ein Polizeieinsatz in Köln für den 30-Jährigen in einer lebenslangen Tragödie enden konnte.

Verwendete Quelle: eigene RTL-Recherche