"Sehr beklemmend, sehr kalt und dunkel""Die letzten Menschen von Köln": Der düstere "Tatort"-Bunker ist echt

Viele Szenen des "Tatort: Die letzten Menschen von Köln" wurden in einem echten Bunker gedreht.
Viele Szenen des "Tatort: Die letzten Menschen von Köln" wurden in einem echten Bunker gedreht.
WDR/BAVARIA FICTION/Thomas Kost

Im Kölner "Tatort: Die letzten Menschen von Köln" spielt ein großer Teil der Handlung tief unter der Erde. Der beklemmende Bunker ist dabei keineswegs eine Filmkulisse: Die Anlage existiert tatsächlich - mitten unter Köln.

Wer sich beim "Tatort: Die letzten Menschen von Köln" am Sonntagabend fragt, ob die bedrückenden Szenen im unterirdischen Schutzraum in einem Filmstudio entstanden sind, bekommt eine überraschende Antwort: nein. Für den 96. Fall von Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, 66) und Freddy Schenk (Dietmar Bär, 65) wurde tatsächlich in einem ehemaligen Zivilschutzbunker im Kölner Stadtteil Kalk gedreht. Der weitgehend im Originalzustand erhaltene Ort stammt noch aus dem Kalten Krieg.

Im Film zieht sich eine Gruppe um den Überlebenstrainer Moritz Zechmann (Florian Stetter, 49) für einen Prepper-Workshop in den abgeschotteten Bunker zurück. Auch Elara Schmidtke (Katharina Schüttler, 46), die Schwester eines ermordeten Berufsschullehrers, befindet sich dort. Was als simuliertes Katastrophenszenario beginnt, entwickelt zunehmend eine bedrohliche Eigendynamik.

Platz für exakt 2.366 Menschen

Die reale Geschichte des Drehorts ist kaum weniger beklemmend. Die Zivilschutzanlage wurde 1979 zusammen mit der Stadtbahn-Haltestelle Kalk Post errichtet. Im Ernstfall sollten dort exakt 2.366 Menschen unterkommen und nach den damaligen Planungen zwei Wochen lang von der Außenwelt abgeschottet überleben können. Die Anlage war zum Schutz vor den Folgen atomarer sowie biologischer und chemischer Angriffe gedacht.

Dafür entstand unter Köln gewissermaßen eine kleine Stadt. Zur Ausstattung gehörten unter anderem Luftfilter, ein Dieselaggregat, eine Zisterne, ein eigener Tiefbrunnen, Schlafmöglichkeiten sowie medizinische Räume. Gasdichte Abschlüsse und schwere gepanzerte Stahltüren sollten den Schutzraum von der Außenwelt abriegeln.

Allerdings hatte das Konzept laut "Kölner Stadt-Anzeiger" einen entscheidenden Haken: Die Anlage wurde nicht dauerhaft mit allem Notwendigen für mehr als 2.000 Menschen bestückt. Nach den damaligen Planungen hätten unter anderem im Notfall schnell Betten aufgebaut, Lebensmittel eingelagert und Öltanks befüllt werden müssen. Dafür wäre entsprechend Vorlauf nötig gewesen. Ein wahrscheinlich eher unrealistischer Plan im Fall eines überraschenden Angriffs.

Klaus J. Behrendt: "Sehr beklemmend, sehr kalt und dunkel"

Für die Schauspieler waren die Dreharbeiten an dem Originalschauplatz offenbar eine besondere Erfahrung. "Es war sehr beklemmend, sehr kalt und dunkel", erinnert sich Klaus J. Behrendt gegenüber dem WDR an die Zeit unter der Erde. Sein persönliches Fazit fällt eindeutig aus: "Ehrlich gesagt will ich gar nicht in so einem Teil landen."

Seit 2005 erfüllt die Anlage ihre ursprüngliche Aufgabe nicht mehr. Sie wurde offiziell außer Dienst gestellt und ist heute vor allem ein historisches Zeugnis des Kalten Krieges. Das Besondere: Von den damals geplanten und teilweise begonnenen Kölner Schutzanlagen ist Kalk Post die einzige vollständig erhaltene Zivilschutzanlage der Stadt.

Damit ist ausgerechnet einer der unheimlichsten Orte aus "Die letzten Menschen von Köln" einer der realsten Bestandteile des gesamten Films. Ballauf und Schenk verlassen den Bunker nach 90 Minuten wieder - für mehr als 2.000 Kölner sollte er einst im schlimmsten Fall für zwei Wochen die gesamte verbleibende Welt darstellen.