Eklat im FreibadBürgermeister holt Burkini-Trägerin aus dem Wasser

Im Kölner Stadionbad genießen Badegäste bei sommerlichen Temperaturen die Freibad-Saison. Das Rheinland ächzt unter einer Trockenheit: Seit Tagen hat es kaum geregnet. Das Stadionbad in Müngersdorf feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Köln, 21.06.2023
Freibäder haben derzeit Hochsaison (Symbol).
picture alliance / Panama Pictures / Christoph Hardt

Ein ganzes Land diskutiert.
Eigentlich wollte sie mit ihren Kindern einen Sommertag im Freibad verbringen. Doch kaum betritt eine Frau mit Burkini das Wasser, wird sie vom Bademeister wieder herausgeholt. Weil dieser zugleich Bürgermeister des Ortes ist, sorgt der Vorfall jetzt weit über Tirol hinaus für Diskussionen.

Badetag endet mit Streit und Tränen

Was als entspannter Freibadbesuch beginnt, soll für eine Familie in Tränen geendet haben. Im Naturbad Badino im österreichischen Vorderhornbach soll eine Frau mit türkischen Wurzeln am vergangenen Samstag aufgefordert worden sein, das Wasser zu verlassen. Der Bademeister, der zugleich Bürgermeister der Gemeinde ist, begründete sein Eingreifen laut der Tiroler Tageszeitung mit Hygienevorschriften.

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Die Frau war gemeinsam mit ihren beiden 17 und 18 Jahre alten Kindern ins Freibad gekommen. Während diese übliche Badebekleidung trugen, soll sie aus religiösen Gründen einen Burkini getragen haben. Nach ihren Angaben habe sie das Becken unmittelbar nach dem Betreten wieder verlassen müssen.

Die Betroffene zeigt sich fassungslos. Sie habe dem Bademeister erklärt, dass ihr Burkini aus demselben Material wie herkömmliche Badebekleidung bestehe. Dennoch habe dieser auf seiner Entscheidung bestanden. Die Frau sei daraufhin in Tränen ausgebrochen.

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Rassismus oder Hygieneregel?

Für die Betroffene ist der Vorfall eindeutig. „Diese Aussage war für mich reiner Rassismus”, sagt sie der Tiroler Tageszeitung. Die Verantwortlichen des Naturbades weisen diesen Vorwurf jedoch zurück. Nach ihrer Darstellung sei ausschließlich die Einhaltung der Hygienevorschriften ausschlaggebend gewesen. Demnach sei die Kleidung nicht mit den Regeln des Bades vereinbar gewesen.

Während des Streits soll der 18-jährige Sohn der Frau den Bademeister bedroht haben. Zu einer körperlichen Auseinandersetzung sei es aber nicht gekommen. Als die Familie das Freibad verließ, erhielt sie laut Bericht das Eintrittsgeld zurück. Die Frau erklärte anschließend, sie wolle den Vorfall öffentlich machen. Nach ihrer Darstellung habe der Bürgermeister ihr daraufhin doch noch erlaubt, ins Wasser zurückzukehren. „Als er meine Worte gehört hatte, war er plötzlich wie ausgewechselt und wollte mich doch wieder hineinlassen. Das sagt doch alles, woher der Wind hier weht.”

Der Bürgermeister bestreitet den Rassismus-Vorwurf entschieden: „Hier geht es nicht um Religion oder Hautfarbe. Alle sind herzlich willkommen. Aber das ist ein Naturbad, nicht vergleichbar mit allen anderen Bädern, in denen Chlor zum Einsatz kommt.”
Das Naturbad werde ausschließlich mit natürlichen Filtern und durch Pflanzen gereinigt. Auch ähnliche Ganzkörperanzüge seien dort nicht gestattet. Gerade bei einer Wassertemperatur von 25-26 Grad, wie an besagtem Samstag, könne das Wasser im Bad kippen und Algen bilden. Dies könne das behördliche Aus für das Bad bedeuten.

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Nach dem Vorfall reagierte das Naturbad und brachte am Eingang ein neues Hinweisschild an. Darauf heißt es, dass ausschließlich „übliche Badebekleidung“ erlaubt sei. Der Vorfall sorgt inzwischen in Österreich für eine kontroverse Debatte. Während die einen das Vorgehen des Bürgermeisters verteidigen und auf das Hausrecht sowie die Badeordnung verweisen, sehen andere darin eine ungerechtfertigte Benachteiligung der Frau wegen ihrer religiösen Kleidung.

Verwendete Quellen: Tiroler Tageszeitung