Sie lief von zu Hause weg und wurde überfahrenTamar (14) tot am Deich gefunden – jetzt muss ein Deutscher vor Gericht

Für die Ermittler sind weiterhin viele Fragen offen
Für die Ermittler sind weiterhin viele Fragen offen (Symbolbild)
picture alliance / ANP | -

„Ich dachte, ich wäre über ein Tier oder einen Stein gefahren.“
Eine 14-Jährige verschwindet nach einem Streit mit ihren Eltern spurlos. Am nächsten Morgen wird Tamar tot an einem Deich bei Amsterdam gefunden. Fast sechs Jahre später muss sich ein Deutscher vor Gericht verantworten – doch selbst heute gibt der Fall den Ermittlern noch etliche Rätsel auf.

Hat er während der Fahrt aufs Handy geschaut?

Es ist eine Nacht, die bis heute viele Menschen in den Niederlanden beschäftigt. Am 25. Juli 2020 läuft die damals 14-jährige Tamar nach einem Streit mit ihren Eltern von zu Hause weg. Stunden später verliert sich ihre Spur. Am nächsten Morgen entdecken Passanten das Mädchen tot an der Böschung eines Deiches, der die ehemalige Insel Marken (nordöstlich von Amsterdam) mit dem Festland verbindet.

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Nun, fast sechs Jahre später, muss sich ein heute 33-jähriger Mann aus Deutschland vor Gericht verantworten. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft soll er Tamar mit seinem Auto überfahren haben, weil er während der Fahrt auf sein Handy geschaut hat. Anschließend soll er weitergefahren sein.

Der Angeklagte weist die Vorwürfe zurück. „Ich dachte, ich wäre über ein Tier oder einen Stein gefahren.“ Er habe kurze Zeit später auf einem Parkplatz angehalten und sein Auto überprüft. Dieses sei nur leicht beschädigt gewesen.

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Warum lag Tamar nicht an der Unfallstelle?

Genau diese Frage beschäftigt die Ermittler bis heute. Denn die Spurensicherung ergab, dass die 14-Jährige nicht dort gefunden wurde, wo sie offenbar angefahren worden war. Wie Tamar an die Böschung gelangte, konnte bis heute nicht geklärt werden. Hinzu kommt ein weiteres Detail: An ihrem Körper fanden Ermittler keine DNA-Spuren des Angeklagten oder der drei weiteren Insassen seines Autos.

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Nach Erkenntnissen der Ermittler muss Tamar zum Zeitpunkt des Unfalls zudem auf der Fahrbahn gelegen haben. Darauf deute unter anderem hin, dass sie keine Verletzungen an den Beinen aufwies und das Fahrzeug nur leicht beschädigt wurde. Der Fall hatte die Niederlande damals tief erschüttert. Mithilfe von Überwachungskameras konnten die Ermittler den Fahrer zwar schnell identifizieren. Zunächst gingen die Behörden jedoch nicht von einer vorsätzlichen Fahrerflucht aus und verhängten lediglich eine Geldstrafe in Höhe von 1.500 Euro.

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Damit wollten sich Tamars Eltern nicht abfinden. Sie legten Rechtsmittel ein und kämpften jahrelang dafür, dass der Fall noch einmal umfassend untersucht wird. Mit Erfolg: Erst jetzt kommt es zu einem Strafprozess gegen den Deutschen. Wann das Gericht ein Urteil fällt, ist bislang offen. Sicher ist nur: Auch sechs Jahre nach Tamars Tod bleiben viele Fragen unbeantwortet.

Verwendete Quellen: dpa