Der Gipfel ist einfach zu voll!Im Rekordansturm: Zwei Bergsteiger sterben am Mount Everest

Noch nie erteilt Nepal so viele Genehmigungen für den Aufstieg zum Mount Everest. Der Rekord zeigt mittlerweile seine Schattenseite: Damit versuchen auch unerfahrene Bergsteiger, den 8000er zu erklimmen. Für zwei Inder endet das Abenteuer erst auf dem Rückweg tödlich.
Inmitten eines rekordverdächtigen Ansturms auf den Mount Everest sind zwei indische Bergsteiger am höchsten Berg der Welt ums Leben gekommen. Die beiden Inder seien am Mittwoch und Donnerstag beim Abstieg vom Gipfel gestorben, sagte der Chef des Expeditionsunternehmens Pioneer Adventures, Nivesh Karki. Der erfahrene nepalesische Bergsteiger Kami Rita Sherpa zeigte sich nach seinem 32. Aufstieg unterdessen besorgt über die mangelnde Erfahrung mancher Everest-Touristen.
Nach dem Tod der beiden Inder werde geprüft, wie deren Leichen von der Bergflanke geholt werden könnten, sagte Karki. Zuvor waren in dieser Saison bereits drei Nepalesen am Mount Everest ums Leben gekommen, zudem starben zwei Bergsteiger aus den USA und Tschechien am ebenfalls im Himalaya gelegenen Mount Makalu.
Der nepalesische Bergsteiger Kami Rita Sherpa, der vor wenigen Tagen seinen Everest-Rekord ausgebaut und das Dach der Welt zum 32. Mal bestiegen hatte, kehrte am heutigen Freitag in die Hauptstadt Kathmandu zurück. „Die Expedition dieses Mal fühlte sich ziemlich überfüllt an“, schilderte der als „Everest Man“ bekannte 56-Jährige. Fotos hatten zuvor Bergsteiger gezeigt, die in langen Schlangen darauf warteten, an Fixseilen in eisige Höhen hinaufzuklettern.
„Die Regierung sollte das regulieren“, sagte Kami Rita Sherpa. „Sie sollten nur qualifizierte Bergsteiger zulassen, und es sollte eine Begrenzung geben.“ Allein am Donnerstag hatte nach Angaben der nepalesischen Regierung eine Rekordzahl von 275 Bergsteigern den 8849 Meter hohen Gipfel des Mount Everest erreicht.

Am Freitag erreichte unterdessen der Brite Kenton Cool zum 20. Mal den Gipfel des höchsten Berges der Welt. Der 52-Jährige baute damit seinen Rekord für die meisten Everest-Besteigungen eines nicht-nepalesischen Bergsteigers aus.
Der Bergführer Cool hatte den Mount Everest im Jahr 2004 das erste Mal bezwungen und seither nahezu jedes Jahr zahlende Kunden auf den Gipfel geführt. Nachdem er sich 1996 bei einem Kletterunglück beide Fersenbeine gebrochen hatte, war ihm gesagt worden, er würde nie wieder ohne Hilfe gehen können - diese Prognose strafte er Lügen.
Bereits am Mittwoch erreichte der Australier Oliver Foran nach einer 50 Tage dauernden „Vom Meer zum Gipfel“-Rekordtour die Spitze des Mount Everest, wie sein Expeditionsteam berichtete. Der 27-Jährige war Anfang April von Indien aus per Fahrrad zum höchsten Berg der Welt aufgebrochen. Den bisherigen Rekord für die schnellste „Vom Meer zum Gipfel“-Tour unterbot er um 17 Tage.
Der Bergsteiger-Tourismus ist eine wichtige Einnahmequelle für Nepal. Es gibt aber immer wieder auch Kritik an einem zu großen Ansturm auf den Mount Everest. Für diese Saison hat das Land am Himalaya eine Rekordzahl von 492 Genehmigungen für das Erklimmen des höchsten Berges der Erde erteilt.
Verwendete Quellen: ses/AFP


