„Das ist er!”Lenkte Gina H. einen Freund gezielt zu Fabians (†8) Leiche?

12.06.2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte wird in den Saal des Landgerichts geführt vor der Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. Der Angeklagten wird vorgeworfen, am 10.10.2025 heimtückisch und aus sonst niedrigen Beweggründen den zur Tatzeit achtjährigen Fabian aus Güstrow getötet zu haben.
Gina H. stet unter Verdacht, Fabian (†8) ermordet zu haben.
Bernd Wüstneck/dpa

Gemeinsam mit Gina H. stieß er auf Fabians (†8) Leiche!
Am Freitag (12. Juni) sagt Christian D. als Zeuge vor dem Landgericht Rostock aus. Im Mordprozess um den Jungen aus Güstrow geht es dabei auch den Moment, in dem er mit der Angeklagten die verbrannte Leiche findet. Einige Aussagen machen skeptisch – und lassen vermuten, dass Gina H. als mutmaßliche Täterin genau wusste, wo sie zu suchen hatte.

Plötzlich rief Gina H. am Tümpel: „Das ist er!”

Am 13. Oktober 2025, drei Tage nach Fabians Verschwinden, habe Gina H. plötzlich vorgeschlagen, am Abend noch bei Klein Upahl zu suchen. So erzählt es Christian D. vor Gericht. Gina H. verschränkt dabei die Arme, wirkt verärgert, kommentiert ständig leise die Ausführungen des Zeugen. Sie ist heute im Vergleich zu den meisten anderen Prozesstagen nicht so entspannt. Ihr Blick geht die meiste Zeit nach unten.

Der 36-Jährige führt weiter aus: Zunächst habe er an einem Acker durch seine Wärmebildkamera geschaut und Schafe gesehen. Anschließend seien sie Richtung Tümpel gefahren. Dort habe er Büsche, Wasser und Steine gesehen. Und die Konturen eines Hochsitzes. D. habe dann ins Auto steigen wollen, bis Gina H. ihn aufgefordert habe: „Lass uns noch mal da unten reingucken. Weil durch die Büsche kann man nicht durchgucken mit dem Gerät”.

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Die Angeklagte sei drei Meter vor D. gelaufen. Er habe sich dort überhaupt nicht ausgekannt. Anfangs hätten sie an einer Stelle Schafe und ein Reh gesehen und seien weitergefahren. An einer Kreuzung mit einem anderen Tümpel hätten sie nicht gehalten, sondern seien weitergefahren. Gina H. habe die Anweisungen gegeben.

Sie hätten in der Nähe des Tümpels gehalten, an dem Fabian gefunden wurde. Gina H. habe den Weg mit ihrem Handylicht ausgeleuchtet. D. habe durch seine Wärmebildkamera geschaut. Er sei näher ans Ufer getreten, H. sei an der Böschung stehen geblieben. Durch seine Kamera, die nur Lebewesen anzeigen kann, habe er nichts gesehen. Auf einmal habe Gina H. gerufen: „Da ist was”. Und kurz danach aus der Entfernung: „Oh Gott, was ist das?”. Danach: „Das ist er!” Christian D. habe danach nur noch weggewollt und sei zum Auto gegangen.

Fall Fabian (†8) aus Güstrow – die Chronologie des Verbrechens

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Gina H. wollte nach dem Leichenfund die Polizei rufen

Der Richter will wissen, warum der Jäger nicht die Polizei gerufen hat. „Ich wollte da nicht mit reingezogen werden.” H. habe vorgeschlagen, die Polizei zu rufen. Er habe abgelehnt, weil sie nicht hätten erklären können, was sie um die Uhrzeit dort gemacht hätten. Im Auto herrschte danach eine „Totenstille”.

Nach dem Fund habe Christian D. Gina H. wieder nach Reimershagen gebracht und bei ihrem Nachbarn abgesetzt. „Es war dann eine sehr schnelle Verabschiedung”. In seinem Jagdrevier habe D. sich auf einen Hochsitz gesetzt und bis halb sechs ins Leere geschaut. Danach habe er nichts gemacht. Mittags sei in den Medien gewesen, dass „da jemand gefunden wurde”.

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„Irgendwie muss sie gewusst haben, wo sie hinwollte”

Doch warum wollte Gina H. dort, genau an dieser Stelle in Klein Upahl, suchen? Ihre Erklärung damals laut dem Zeugen: Gina H. sei dort mit Fabian häufiger Schlitten gefahren. Heute schätzt D. es so sein, dass sich das Gebiet nicht zum Schlittenfahren anbietet. „Wir haben Hügel vor der Haustür”. Und weiter: „In dem Moment habe ich das nicht hinterfragt, aber im Nachhinein war das schön blöd.”

Heute hadert D. mit seinem Verhalten und wirft sich vor, nicht die Polizei gerufen zu haben und nicht früher skeptisch geworden zu sein. Bezogen auf Gina H. sagt er: „Irgendwie muss sie gewusst haben, wo sie hinwollte”. Nachdem D. am 14. Oktober abends von der Polizei abgeholt wurde, habe er am Tag darauf den Kontakt zur Angeklagten abgebrochen. „Um meine Familie zu schützen”.

Gina H. steht seit April wegen Mordes vor Gericht

Fabian aus Güstrow verschwand am 10. Oktober 2025 spurlos. Vier Tage später meldete sich ausgerechnet Gina H. bei der Polizei. Sie will die verbrannte Leiche des Jungen an einem Tümpel in einem abgelegenen Waldstück gefunden haben.

Gina H., die Ex-Freundin von Fabians Vater, ist tatverdächtig.
Gina H. muss sich vor dem Landgericht Rostock verantworten.
dpa/Schwarck Media

Anfang November wird sie festgenommen und muss sich seit dem 27. April vor Gericht verantworten. Ihr mögliches Motiv laut Staatsanwaltschaft: Gina H. habe mit der Tat die Streitigkeiten mit Fabians Vater beenden wollen und gehofft, die Beziehung mit ihm so fortsetzen zu können.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche