Mordprozess um FabianDas verstörende Lügenleben der Gina H.

von Carsten Kulawik, Michael Statz und Anke Jonschker

Mehr und mehr Ungereimtheiten kommen ans Licht.
Immer neue Widersprüche, fragwürdige Behauptungen und schwere Vorwürfe: Im Prozess um den Tod des kleinen Fabian zeichnet sich vor Gericht das Bild einer Angeklagten, deren Aussagen immer wieder auf den Prüfstand geraten. Selbst Fabians Mutter soll Ziel ihrer Behauptungen gewesen sein.

Selbst Fabians Mutter wird zum Ziel

Während Gina H. beim Betreten des Gerichtssaals versucht, sich vor den Kameras zu verstecken, rücken im Saal neue Details in den Mittelpunkt. Gezeigte Chatverläufe und Telefonate sollen belegen, dass die wegen Mordes angeklagte Frau wiederholt schlecht über Fabians Mutter Dorina gesprochen haben soll. Nach den Erkenntnissen im Prozess habe sie sogar Gerüchte befeuert, die Mutter trage eine Mitschuld am Tod ihres Sohnes.

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„Wenn man von sich ablenken will, dann versucht man natürlich die nächstgelegene anzugreifen. Und das tut auf eine Sicht weh. Natürlich, weil so viele Menschen das geglaubt haben. Zu Anfang”, sagt Dorina L. im RTL-Interview.

Immer mehr Behauptungen geraten ins Wanken

RTL-Reporter Carsten Kulawik begleitet den Prozess seit Monaten. Nach seinen Recherchen soll Gina H. einer Gerichtshelferin erzählt haben, ihre Mutter sei drogenabhängig gewesen. Nach RTL-Informationen soll das jedoch nicht stimmen. Stattdessen sei die Frau schwer an Krebs erkrankt gewesen und habe starke Medikamente einnehmen müssen.

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Auch zahlreiche weitere Aussagen der Angeklagten beschäftigen das Gericht. So habe Gina H. unter anderem behauptet, an der Glasknochenkrankheit zu leiden. Fabians Vater soll sie von einem Hirntumor erzählt haben. Ihrem Psychotherapeuten habe sie wiederum gesagt, ihre Gebärmutter sei entfernt worden. Später habe sie gleichzeitig Angst vor einer Schwangerschaft geäußert. Auch Schilderungen über schwere Gewalterfahrungen in ihrer Schulzeit sollen sich nach bisherigen Erkenntnissen nicht bestätigt haben. Zudem soll Gina H. sogar Vergewaltigungen erfunden haben.

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Eine frühere Bekannte schildert ihre Erfahrungen

Auch eine ehemalige Bekannte erhebt schwere Vorwürfe. Marlis Möwe-Jarren kannte Gina H. von einem Reiterhof. Dort soll die Angeklagte ihr einen Pferdesattel gestohlen und den Diebstahl zunächst hartnäckig abgestritten haben. Erst später habe sie die Tat vor Gericht eingeräumt.

„Sie spielt sehr gerne mit Leuten. Das kann ich so jetzt schon sagen. Verdreht sich die Sachen gerne so hin, wie es bei ihr passt”, sagt die Reiterin. Selbst nachdem der Sattel bei ihr gefunden worden sei, habe Gina H. den Diebstahl zunächst weiter bestritten.

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Nach Einschätzung der Psychotherapeutin Rüya Kocalevent könnten sich manche Menschen in immer neue Geschichten verstricken, weil sie Aufmerksamkeit oder Unterstützung suchten. Wer nicht daran glaube, mit Ehrlichkeit Hilfe zu bekommen, versuche mitunter, Situationen zu konstruieren oder andere zu manipulieren. Ob die zahlreichen Widersprüche auch für die zentrale Frage des Prozesses eine Rolle spielen, muss nun das Gericht entscheiden: Ist Gina H. für den Tod des kleinen Fabian verantwortlich oder nicht?

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche