Erschreckende Vorgeschichte eines späteren DreifachmördersMarie überlebte den Heide-Killer: „Ich habe darum gebettelt, dass er aufhört!”
Sie sollte sein erstes Todesopfer sein.
Vor 28 Jahren wird die kleine Marie in einer Bremer Siedlung von einem elfjährigen Nachbarsjungen in ein Gebüsch gelockt, fast zu Tode gewürgt und wie Müll entsorgt. Jahrzehnte später spricht sie mit RTL über diesen Tag und über den Täter, der Jahre später eine ganze Familie auslöschte. Wie Ex-Profiler Axel Petermann den Fall jetzt in einem Buch aufarbeitet, seht ihr im Video.
Der Tag, an dem Marie fast starb
Es ist ein sonniger Tag, als die damals 5 Jahre alte Marie draußen spielt. Ein Nachbarsjunge, den der Profiler „Roger” nennt, spricht sie an. „Er sagte, er habe einen Hasen gefunden. Für mich als Kind war das natürlich das perfekte Lockmittel”, erzählt Marie heute im Gespräch mit RTL. „Ich habe ihm vertraut, weil ich ihn kannte.”
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„Ich erinnere mich, wie ich ins Gebüsch gekrabbelt bin, um nach dem Hasen zu schauen. Und den Schmerz, als ich gewürgt wurde. Dass ich darum gebettelt habe, dass er aufhört, weil es weh tut“, sagt sie. „Roger” drückt zu, bis Marie das Bewusstsein verliert. Er glaubt, sie getötet zu haben, rollt ihren kleinen Körper in einen Teppich ein und lässt sie zurück. Doch Marie wacht auf. „Ich war eingeengt. Ich war erdrückt, habe mich dann aus diesem Gegenstand rausgefummelt“, erinnert sie sich. „Ich war verwirrt und wollte einfach nur zu Mama.“
Axel Petermann: „Er wollte die Macht spüren”
Der Fall landet auf dem Schreibtisch von Axel Petermann, einem der bekanntesten Profiler Deutschlands. Damals arbeitet er noch in der Mordkommission. „Das war für mich wirklich völlig neu. Völlig ungewöhnlich, dass ein Kind ein anderes Kind töten wollte”, meint er im RTL-Interview. Als Petermann das Mädchen sieht, erkennt er sofort die Spuren der Gewat. „Marie zeigte die klassischen Verletzungen eines Angriffs gegen den Hals – Würgemale, Hämatome. Sie hatte eine Beule am Kopf und sogenannte Erstickungsblutungen in den Augen und im Wangenbereich.“

Jahre später spricht er für sein neues Buch mit dem Täter. „Als ich ‘Roger’ später auf sein damaliges Vorgehen ansprach, gab er mir nahezu andächtig zu verstehen, dass er die Macht gewollt habe“, berichtet er.
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Später wird er zum Dreifachmörder
Da „Roger” damals erst elf Jahre alt ist, bleibt er ohne Strafe – ein fataler Umstand. Für den Angriff auf die kleine Marie muss er sich vor Gericht nicht verantworten. „Ich habe später mitbekommen, dass „Roger” noch andere Mädchen auf dem Schulweg überfallen und gewürgt hatte“, sagt Axel Petermann.

Im Mai 2021 erdrosselt „Roger” seine Freundin Stefanie L. und ihren vierjährigen Sohn Luca und vergewaltigt und tötet die elf Jahre alte Tochter Lilli Marie im niedersächsischen Bispingen. Er sitzt mittlerweile lebenslänglich in Haft. Die Richter stellen die besondere Schwere der Schuld fest.
Marie hat ein lebenslanges Trauma
Für Marie beginnt danach ein jahrlanger Kampf. „Ich war als Kind extrem auffällig“, sagt sie. „Ich habe angefangen, Puppen zu begraben, weil ich ja selbst begraben wurde. Ich habe mich zurückgezogen und manchmal sogar gedacht: Wäre ich doch lieber gestorben.“

Mit Unterbrechungen ist sie 15 Jahre in Therapie. Noch heute lösen Gerüche oder das bloße Vorbeigehen an einem Gebüsch Panik in ihr aus. Dass sie ihre Geschichte nun öffentlich macht, hat einen Grund: „Weil ich ja meine Stimme da draußen haben möchte und mitteilen möchte, wie es Opfern dabei geht, wie es mir dabei geht und dass es nicht immer nur um die Täter geht.“ Ihr größter Wunsch für die Zukunft? „Stabilität. Ich kann stolz auf mich sein, dass ich noch hier bin.“
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche






























































