RTL News>Rtl Nord>

Familienmord von Bispingen: Lebenslange Haft für Maurice G.

Besondere Schwere der Schuld festgestellt

Familienmord von Bispingen: Lebenslange Haft für Maurice G.

Der Angeklagte erschien heute vor dem Gericht.
Der Angeklagte beim Prozessauftakt im November 2021
RTL Nord

Von Lisa Siewert und Metin Turan

Es ist ein Verbrechen, dass sich in seiner Grausamkeit kaum zusammenfassen lässt. Im Mai 2021 soll Maurice G. seine Lebensgefährtin und ihre Kinder im niedersächsischen Bispingen erdrosselt haben. Seit November muss er sich deswegen vor dem Landgericht Lüneburg verantworten. Am Dienstag verhängen die Richter eine lebenslange Freiheitsstrafe für den dreifachen Mord. Auch die besondere Schwere der Schuld wird dabei festgestellt.

Maurice G.: Schwere Kindheit, gestörte Sexualität

Kurz vor dem Urteil kommen noch einmal weitere Details über den Angeklagten ans Licht, unter anderem spricht ein Sachverständiger. So sollen die Eltern von Maurice G. sich getrennt haben, als er neun Jahre alt war. Bereits seit seiner Kindheit habe er aggressive, sexuelle Fantasien gehabt und soll auch gegenüber Mitschülern handgreiflich geworden sein. Als 11-Jähriger habe er eine 4-Jährige bewusstlos stranguliert. Elf Jahre saß er zudem seit seiner Jugend im Maßregelvollzug. Geregelte Arbeit fand er offenbar nur schwer: arbeitete unter anderem in Speditionen und Zeitarbeitsfirmen. Er hat selbst einen Sohn.

Zu den Tatvorwürfen soll der Angeklagte laut einem Gutachter gesagt haben, dass er sich nur daran erinnern könne, im Garten gewesen zu sein, Alkohol getrunken zu haben und dass die Kinder da gewesen seien. Es habe einen Streit mit seiner Freundin gegeben, die ihn aus Angst vor die Tür gesetzt habe. Er habe versucht im Auto zu schlafen – und sei dann erst wieder im Bett zu sich gekommen, kurz bevor die Polizei ihn verhaftet habe.

Staatsanwalt im Plädoyer: "Das Grauen ist kaum in Worte zu fassen"

Der Angeklagte habe laut Staatsanwaltschaft nicht nur die Mutter, sondern auch den Sohn getötet, weil ihn das fasziniert habe. Das wäre auch im Falle des Mädchens so gewesen, dass er auch missbraucht habe. Einer der beiden leiblichen Väter, der Kinder, die als Nebenkläger auftreten, findet deutliche Worte: „Ich wünsche ihm, dass er jeden Tag Angst (vor seinen Mithäftlingen, Anm. der Redaktion) in Haft hat.“ Die Staatsanwaltschaft fordert für alle drei Fälle eine lebenslange Haft, mit besonderer Schwere der Schuld. Ein Gutachter zweifelt zudem an, dass Maurice G. überhaupt therapierbar sei.

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Morde in Bispingen: Sexuelle Erregung durch Erdrosselung?

Privat
Am 16. Mai 2021 sterben eine Mutter und ihre beiden Kinder auf brutale Weise.
Privat

Maurice G. soll seine Lebensgefährtin Stefanie L. und deren Kinder in den frühen Morgenstunden des 16. Mai in Bispingen im Heidekreis stranguliert haben. Zunächst hatte es wohl einen Streit gegeben. Maurice G. soll danach in die Wohnung der Frau zurückgekehrt sein und sie laut Staatsanwaltschaft mit einer Strumpfhose erdrosselt haben, um sich sexuell zu erregen. Anschließend soll er den vierjährigen Luca ebenfalls stranguliert haben. Die elfjährige Lilli Marie soll er vergewaltigt und erstickt haben.

Dramatische Suche nach der kleinen Lilli Marie

Während die Leichen von Mutter und Sohn im Haus gefunden werden, bleibt die 11-jährige Tochter zunächst verschwunden. Mit einem Großaufgebot , darunter auch einem Hubschrauber und Drohnen, sucht die Polizei nach dem Mädchen. Zwei Tage nach ihrem Verschwinden wird die Leiche von einem Förster gefunden. Für seine Taten wird der Bremer nun wohl den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.