Der Mordprozess im Live-TickerGutachter kommt zu eindeutigem Ergebnis: Gina H. ist voll schuldfähig

Gina H. beteuert gegenüber ihrer Gefängnispsychologin immer wieder ihre Unschuld.
Gina H. ist laut dem psychiatrischen Gutachter voll schuldfähig.
Bernd Wüstneck/dpa

Psychiater sieht bei Gina H. „psychopathische Tendenzen“
Der Mordprozess im Fall des getöteten achtjährigen Fabians nähert sich dem Ende. Am 32. Verhandlungstag wird das psychiatrische Gutachten vorgestellt, das sich mit der Angeklagten befasst. Alle Entwicklungen rund um den Prozess lest ihr jederzeit hier im Live-Ticker auf RTL.de.

Alle Details zum Prozess im Live-Ticker

Wichtige Updates
Johanna Kroke

Richter ordnet Pause an

Damit beendete der psychiatrische Sachverständige seine Ausführungen. Richter Holger Schütt ordnet 15 Minuten Pause an – auch, damit sich Rechtsanwalt Thomas Löcker mit seinem Verteidigerkollegen Andreas Ohm telefonisch besprechen kann.
Johanna Kroke

Gutachter bescheinigt: Gina H. ist voll schuldfähig

Auch vor dem Hintergrund ihrer Lernbehinderung habe sie „das Unrecht der Tat erkennen können". Sollte sie die angeklagte Tat so begangen haben, würden mehrere Faktoren gegen eine eingeschränkte Steuerungsfähigkeit sprechen: zum einen die Tatvorbereitung und zum anderen die Vorsorge gegen Entdeckung. „Hinzu kommen ihre psychopathischen Persönlichkeitsanteile", fügt der Gutachter hinzu. 

Für diese Einschätzung erläutert Dr. Keiper einige Kriterien des PCL-R-Test zur Erfassung psychopathischer Merkmale. Mehrere davon würden laut dem Gutachter auf die Angeklagte zutreffen:
  • Notorisches Lügen und die offensichtliche Leichtigkeit zu lügen
  • Betrügerisch-manipulatives Verhalten
  • Mangel an Gewissensbissen und Schuldbewusstsein
  • Parasitärer Lebensstil 
Von 40 möglichen Punkten habe Gina H. 22 Punkte erreicht. Ab einem Wert von 25 Punkten (in Europa) spricht man von einer klinisch relevanten Ausprägung von Psychopathie. Gina H. hat mit 22 Punkten somit psychopathische Anteile. 
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Gutachter: Angeklagte hat „emotional-instabile Persönlichkeitsstörung"

Gina H. blickt während des Vortrags auf den Boden oder schaut ins Leere, während Gutachter Keiper ihr eine „emotional-instabile Persönlichkeitsstörung – vom impulsiven bzw. Borderline-Typen" bestätigt.

Zu ihrer Borderline-Störung würde die On-Off-Beziehung passen. „Es zeigen sich multiple Ängste im Selbstbild", so Keiper. Sie habe Somatisierungstendenzen. Also die Neigung, psychische Belastungen, Konflikte oder Stress in Form von körperlichen Beschwerden zu erleben und auszudrücken – ohne dass sich dafür eine ausreichende organische Ursache finden lässt. Gina H. hatte ihrem Umfeld mehrfach über verschiedene Beschwerden berichtet: Glasknochen, Tinnitus, Epilepsie, Hirntumor. 

Zur vorliegenden emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung erklärt Dr. Keiper: „Ich denke, dass die Persönlichkeitsstörung bei Frau H. allenfalls moderat ausgeprägt ist." Ein Eindruck, der sich in der Hauptverhandlung bestätigt habe.
„Sie hat auf alle Fragen in kurzer Zeit eine Antwort. Sie war ihren Anwälten gegenüber empathisch, zum Beispiel als sie Herrn Ohm mit Lutschbonbons versorgte, als er Husten bekam." Der Gutachter erkennt bei Gina H. auch gesunde Anteile in der Psyche. Das spreche aus seiner Sicht gegen eine schwere und damit psychosenahe Erkrankung.
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Untreu, gewalttätig, Alkoholproblem – Gina H. lässt vor Gutachter kein gutes Wort an Fabians Vater

Über die Trennung von Matthias R. im August 2025 habe Gina H. dem Gutachter Folgendes berichtet: „Er sei fremdgegangen, einmal habe er sie vor den Kindern geschlagen, er habe ein Alkoholproblem. Außerdem sei er ein Narzisst."

„Sie hätte eine normale Alltagsroutine geschaffen, die bis 2024 gut funktionierte", erläutert Gutachter Dr. Keiper aus dem Gespräch mit der Angeklagten. „Dann sei es zu denen, aus ihrer Sicht Schicksalsschlägen, gekommen – der Vater von Matthias R. starb, ihr Stiefvater starb, ihr Pferd starb." 

Fabian (8) aus Güstrow verschwand am 10. Oktober 2025. Vier Tage später wurde seine Leiche von der Angeklagten Gina H. an einem Tümpel in einem Waldstück bei Klein Upahl gefunden. Ermittler gehen von einem Gewaltverbrechen aus.

Hier findet ihr Hilfe in schwierigen Situationen

Hier findet ihr Hilfe in schwierigen Situationen

Solltet ihr selbst von Suizidgedanken betroffen sein, sucht euch bitte umgehend Hilfe. Versucht, mit anderen Menschen darüber zu sprechen! Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch die Möglichkeit, anonym mit anderen Menschen über eure Gedanken zu sprechen. Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich.

Wenn ihr schnell Hilfe braucht, dann findet ihr unter der kostenlosen Telefon-Hotline 0800 – 1110111 oder 0800 – 1110222 Menschen, die euch Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.

Laut der Anklage starb Fabian durch mehrere Messerstiche. Der Leichnam soll teilweise verbrannt worden sein, offenbar um Spuren zu verwischen.

Fall Fabian (†8) aus Güstrow – die Chronologie des Verbrechens

Mehr dazu in unserem Text: Fall Fabian (†8) aus Güstrow – die Chronologie des Verbrechens

Anfang November 2025 wurde Gina H., die ehemalige Partnerin von Fabians Vater, als Tatverdächtige festgenommen. Gegen sie wurde Haftbefehl wegen Mordes erlassen, seither befindet sie sich in Untersuchungshaft. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft soll sie Fabian am 10. Oktober 2025 aus der Wohnung seiner Mutter gelockt, mit ihm zu einem abgelegenen Tümpel nahe Klein Upahl gefahren und ihn dort mit mehreren Messerstichen getötet haben. Anschließend soll sie versucht haben, Spuren zu verwischen, indem sie den Leichnam in Brand setzte. Diese Vorwürfe sind bislang nicht rechtskräftig festgestellt.

In dem seit dem 28. April laufenden Indizienprozess wurden bereits Dutzende Zeugen gehört und zahlreiche Gutachten vorgelegt. Eigentlich sollte der letzte Verhandlungstag bereits am 10. September laufen. Durch neue Zeugenaussagen und die Befragung der Angeklagten zieht sich der Prozess aber nun weiter in die Länge.

Verwendente Quellen: eigene RTL-Recherche