Kinder- und JugendgewaltDiskussion um Strafmündigkeit – wenn Kinder Kinder töten und dafür nicht verurteilt werden

von Annalena Kirsten

Immer wieder wird über das Thema Strafmündigkeit diskutiert. Aktuell liegt die bei 14 Jahren. Schlagzeilen machen aber immer jüngere Tatverdächtige, mit immer schwereren Verbrechen und die Strafen bleiben aufgrund des Alters häufig aus.

Wenn Kinder Täter werden

Im Januar 2026 wurde der 14-jährige Yosef tot an einem See in Dormagen gefunden. Der mutmaßliche Täter ist ein 12-jähriger Mitschüler. Vor gut drei Wochen wird das Verfahren gegen den Jungen eingestellt. In Paderborn stach im August 2025 eine 13-Jährige in einer Psychiatrie auf eine Betreuerin ein. Das Mädchen wurde als Islamistin eingestuft, wird seitdem bewacht. Wohl ins kollektive Gedächtnis eingebrannt ist der Fall Luise. Die 12-Jährige wurde im März 2023 in Freudenberg im Kreis Siegen-Wittgenstein mit 74 Messerstichen getötet. Zwei gleichaltrige Mädchen gestanden die Tat später. Es sind drei schwerwiegende Beispiele, aber, dass Kinder zu Tätern werden, ist keine Seltenheit.

Im Video: Interview mit Burkhard Benecken, Strafverteidiger aus Marl

Anzeige:
Empfehlungen unserer Partner

Neues Alter für Strafmündigkeit

2025 wurden in NRW rund 20.500 Tatverdächtige unter 14 registriert. Das sind Zahlen aus der aktuellen Polizeilichen Kriminalstatistik, die im März 2026 veröffentlicht wurde. Kinder unter 14 Jahren sind nicht strafmündig, deshalb gibt es in der Regel keine strafrechtlichen Konsequenzen. Darüber müsse gesprochen werden, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul am Dienstag (06.10.) am Rande einer Veranstaltung in Wuppertal. Der CDU-Politiker betonte: „Wenn man gegen Regeln verstößt und wenn man sogar das Leben anderer Menschen gefährdet, dann muss man dafür geradestehen. Da muss man sich verantworten. Ob alt oder jung.“. Das sieht auch Strafverteidiger Burkhard Benecken aus Marl so. Er hat jetzt ein Buch über Kinder- und Jugendgewalt geschrieben. Darin fordert der Anwalt unter anderem, die Strafmündigkeit von 14 auf zehn Jahre herabzusetzen.