Der Mordprozess im Live-TickerGina H. über Fabians Leichenfund: „Natürlich weiß ich, dass ich gelogen habe”

Wird der 15. September zum Schicksalstag für Gina H.?
Die Angeklagte im Fall Fabian beantwortet heute, am 28. Prozesstag, erneut Fragen der Beteiligten. Bei ihrer letzten Befragung verstrickte sich die Angeklagte in Widersprüche. Gina H. ist wegen des Mordes an Fabian (†8) angeklagt. Alle Entwicklungen im Fabian-Prozess lest ihr jederzeit hier im Live-Ticker auf RTL.de.

Alle Details zum Prozess im Live-Ticker

Wichtige Updates
Emanuel Holz

Gina H.: "Ich war froh, dass ich nicht mehr lügen musste. Das war anstrengend"


11:18: "Olaf hatte so eine Riesen-Taschenlampe. Es war taghell", beschreibt Gina H. den zweiten Besuch am Tümpel mit Olaf K. Der nächste Widerspruch: Während Olaf K. angab, er sei mit Gina H. durch ein Waldstück zum Tümpel gefahren, sagt die Angeklagte heute, sie seien durch den Ort Klein Upahl gefahren.
Richter: "Das hat Olaf K. hier anders gesagt."
"Das ist Schwachsinn", betont Gina H.
Staatsanwalt Oliver Schley prustet Luft heraus. Oberstaatsanwalt Harald Nowack putzt seine Brille. Richter Schütt sagt, es gebe Kameraaufnahmen, die belegen, dass zu der Zeit ein Auto von der L11 durch ein Waldstück gefahren sei.
"Ich soll meine Schnauze halten und er möchte damit nichts zu tun haben", habe Olaf K. sie gebeten, nicht die Polizei zu rufen. Der Wortlaut ähnelt dem, was Christian D. gesagt haben soll.
11:22: Gina H. knetet in ihrer rechten Hand immer wieder den kleinen silberfarbenen Stressball, den ihr Verteidiger Ohm ihr vor jedem Verhandlungstag gibt.
"Olaf hat mich in der Situation auch alleingelassen. Ich war überfordert mit dem Ganzen."
"Warum haben Sie während der zweiten Aktion ihr Handy ausgeschaltet?"
"Weil Olaf mir das gesagt hat. Er hat sein Handy extra zu Hause gelassen."
"Olaf hat Ihnen das gesagt?"
"Ja, damit wir nicht geortet werden können. Was Schwachsinn ist, weil er ein neues Auto mit GPS hat. Oder hatte."
"Sie kommen nach Hause und rufen nicht Matthias an?"
"Nein, Olaf hat gesagt, ich soll das nicht machen."

"Olaf hat das auch gesagt?"
Gina H. bejaht die Frage. Daraufhin habe sie am nächsten Morgen Heike angerufen - danach gab es bekanntlich den offiziellen Leichenfund mit dem Polizeieinsatz.
11:26: Mit ihrer Freundin und früheren Nachbarin Heike M. sowie den beiden Hunden sei sie am 14.10. morgens erneut zum Tümpel gefahren. Sie hätten besprochen, was sie der Polizei über den Leichenfund sagen sollten. "Dass der Hund wegläuft und dass da Spuren sind, das kam von ihr. Dass das glaubwürdiger ist mit unserer Geschichte."
"Warum lügt sie hier?"
"Weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass es genau so gewesen ist."
"Wenn das Heikes Geschichte ist, warum knickt sie dann ein? Wenn Sie zunächst standhaft geblieben sind?"
"Natürlich weiß ich, dass ich gelogen habe. Ich wollte Christian und Olaf raushalten. Ich war dann froh, dass es rausgekommen ist. Ich war froh, dass ich nicht mehr lügen musste. Das war anstrengend.
Emanuel Holz

Der Prozess wird bis 13.15 Uhr pausiert

Bis jetzt wurden im Prozess 73 Zeugen und 8 Sachverständige gehört. Besonders aufschlussreich dürfte aber der heutige Tag und der vergangene Donnerstag bei Gina H.s erster Befragung sein. Anders als noch am Donnerstag wirkt sie heute deutlich ruhiger und gefasster, spricht leise. Sie sucht aber auch immer wieder nach Erklärungen - und passt ihre Aussage ständig neuen Erkenntnissen an. 
Emanuel Holz

Nach Widersprüchen und Lügen – Richter hat keine weiteren Fragen 

11:37: Der Richter setzt seine Befragung unbeirrt fort:
"Wann haben Sie Matthias R. erzählt, was Sie am 10. gemacht haben?"
"Das habe ich ihm auch an dem Abend erzählt."
"An dem Abend? Am 16.?"
"Nein, am Wochenende."
Gina H. erklärt, sie habe ihm [Matthias R.] dann den Tagesablauf geschildert, inklusive des Bankgeschäfts in Güstrow. Richter Schütt schreitet ein. Erst bei einem Haftbesuch von Matthias R. in der JVA Bützow habe Gina H. ihm von ihrem Zwischenstopp in Güstrow berichtet.
"Das Video kann ich Ihnen gleich gerne zeigen. Moment, Moment, Moment. Das ist der wichtigste Tag seines Lebens. Das Verschwinden seines Sohnes. Warum sagen Sie dem Vater des Vermissten, jetzt toten Sohnes, ich war den kompletten Freitag mit Olaf zusammen. Wenn Sie wissen, Sie wollten ein Bankgeschäft für die Oma erledigen?"
"Weiß ich nicht. Weil ich das der Polizei auch so erzählt habe."
"Auch wenn Sie sich an das Bankgeschäft nicht mehr erinnert haben sollten: Warum soll Olaf Ihnen ein falsches Alibi bis 11 geben?"
"Weiß ich nicht."
"Warum lügen Sie den Vater des toten Jungen an?"
"Habe ich eigentlich gar nicht. Weil ich am Anfang dieses Bankgeschäft einfach nicht mehr im Kopf hatte."
"Das fiel Ihnen ein, als das Überwachungsvideo aufgetaucht ist?"
"Ja, weil ich mit Herrn Ohm darüber gesprochen habe. (...) Ich habe nicht dran gedacht, dass ich in Güstrow gewesen bin."

11:45: Der nächste Widerspruch: Jetzt spielt Richter Schütt erneut einen Teil des Videos der Polizeivernehmung vom 14.10., dem Tag des offiziellen Leichenfunds, vor. Darin fragt Kommissar S.: "Warum haben Sie genau da gesucht?"
Gina H. antwortet: "Weil ich da früher mit den Kindern im Wald war."
"Ich habe da gelogen", sagt Gina H. heute kleinlaut.
"Warum?"
"Weiß ich nicht."
"Da sagen Sie nicht: Ich habe das im Internet gesehen bei Raffaela. Da wird überall gesucht. Und deswegen war ich da. Sie sagen, weil ich früher mit den Kindern im Wald war. Warum?"
"Weil ich Olaf und Christian raushalten wollte."
"Das hat damit nichts zu tun."
11:48: Während das Video läuft, presst Gina H. die Lippen aufeinander und schaut auf den Boden. Gestikulierend erklärt ihr Verteidiger Ohm nun etwas.

Weiter gezeigt wird das Video der Polizeivernehmung:
Kommissar: "Warum haben Sie da gesucht und nicht woanders?" Der Kommissar zählt mehrere Orte auf.
"Da kenne ich mich nicht aus."

"Stopp", ruft Richter Holger Schütt. Das Video wird unterbrochen. "Da kenne ich mich nicht aus - heißt das im Umkehrschluss: In Klein Upahl kennen Sie sich aus?"
"Nein", schmunzelt Gina H.
11:53: In ihrer Einlassung hat Gina H. formuliert, sie sei erleichtert gewesen, dass Heike M. der Polizei alles erzählt habe über die konstruierte Geschichte mit den Hunden - und sie ab dem Moment die Wahrheit sagen konnte.
"Warum wollten Sie mit Heike spazieren gehen?", fragte Kommissar S.
"Okay, ich weiß, was Sie meinen", sagte Gina H. in der Videovernehmung vom 14.10. in Richtung des Kommissars.

"Das, was die Stunde danach kam, war aber auch nicht die Wahrheit", stellt Schütt nun fest.
"Weil ich Olaf raushalten wollte. Das habe ich dann am nächsten Tag gesagt. Da war er stinkig auf mich."

In Bezug auf das Vernehmungsvideo: "Das schwören Sie gleich beim Leben Ihres Kindes, dass Sie JETZT die Wahrheit sagen", lehnt sich Richter Schütt nach vorne und wird besonders deutlich. "Das schwören Sie gleich und am Ende nochmal. Also doppelt". Sie habe aber nicht die komplette Wahrheit gesagt.  

11:57: Richter Schütt ist mit seinen Fragen fertig. Gina H. schaut auf die Uhr im Saal. Nun übernehmen die Berufsrichter und Schöffen. 
Emanuel Holz

Nach dem Leichenfund soll Christian D. zu Gina H. gesagt haben: "Nicht die Polizei rufen"


10:58: Die Verhandlung wird fortgesetzt. Richter Schütt eröffnet mit: "Woher sollte Christian D. wissen, wie eine Leiche aussieht?"
Gina H. antwortet unvermittelt: "Christian hat mir schon mal erzählt, wie bei einem Autounfall eine Person rausgeholt wurde. In dem Moment, wo er gesagt hat: 'Nicht die Polizei rufen', wusste ich, dass es keine Puppe sein kann. Ich wollte es nicht wahrhaben. Er wird vermisst. Und überall wird gesucht. Dann sagt Christian: Da ist eine Puppe. Das war alles sehr merkwürdig. Er war so hysterisch, so panisch, er war fast am Heulen", sagt die Angeklagte heute mit Verwunderung in der Stimme.
11:04: Richter Schütt fasst zusammen: "Fabian, der Ziehsohn, zu dem Sie so ein enges Verhältnis hatten. Matthias R., mit dem Sie sich angenähert haben. Auf der anderen Seite Christian D., den kennen Sie einen Monat. Der sagt Ihnen: 'Nicht die Polizei rufen'. Jetzt meine Frage: Warum rufen Sie nicht die Polizei?"
"Ja, berechtigte Frage. Ich habe immer wieder gesagt, Polizei rufen. Ich wollte sogar Matthias anrufen. Da hat er mich auch von abgehalten."
"Nochmal: Warum rufen Sie nicht die Polizei?" Schütt deutet mit seinen Händen eine Waage an, die zeigen soll, wie Gina H. die Bedeutung von Fabian und Matthias R. sowie die von Christian D. gewichtet hat.
"Zu Fabian hatte ich die letzten anderthalb Jahre keine enge Beziehung", gibt Gina H. an.
11:06: Auf dem Rückweg sei Christian D. mit Gina H. durch einen Wald gefahren und bei Lohmen herausgekommen. "Dann hat er erstmal zwei geraucht. Und gesagt, er will damit nichts zu tun haben."
Anschließend habe sie ihrem Nachbarn Olaf K. gesagt, wie der Fund mit Christian D. abgelaufen sei. "Dann hat er gesagt, wir gucken uns das nochmal genau an, ob das eine Puppe oder eine Leiche ist."
11:09: Schütt gibt jetzt eine Chatnachricht von Gina an den Bekannten Erik vom 13.10. abends wieder: "Wasserleichen haben keine DNA-Spuren. Auch keine Brandleichen".
"Das hat Olaf, äh Christian, äh Erik mir gesagt."
"Und anderthalb Stunden später finden Sie eine Brandleiche. War das Zufall?"
"Ja."
"Wenn Ihnen Erik das mit Brandleichen gesagt hat, warum sagen Sie ihm das selbst?"
"Ich habe mich falsch ausgedrückt."
11:13: Der nächste Chat-Beleg: Gina H. hat Matthias R. zum Zeitpunkt, als sie nach dem Leichenfund mit Christian D. bei Olaf K. gewesen ist, eifersüchtige Nachrichten mit Vorwürfen geschickt.
"Nein. Das habe ich vorher schon geschrieben."
"Sie haben die Nachricht vorher schon geschrieben und später abgeschickt? Ist das schon mal vorgekommen."
"Was weiß ich?"
"Das muss dann ja eine Dreiviertelstunde vorher gewesen sein?"
"Ich habe schon öfters Nachrichten geschrieben und vergessen abzuschicken." 

Fabian (8) aus Güstrow verschwand am 10. Oktober 2025. Vier Tage später wurde seine Leiche von der Angeklagten Gina H. an einem Tümpel in einem Waldstück bei Klein Upahl gefunden. Ermittler gehen von einem Gewaltverbrechen aus.

Hier findet ihr Hilfe in schwierigen Situationen

Hier findet ihr Hilfe in schwierigen Situationen

Solltet ihr selbst von Suizidgedanken betroffen sein, sucht euch bitte umgehend Hilfe. Versucht, mit anderen Menschen darüber zu sprechen! Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch die Möglichkeit, anonym mit anderen Menschen über eure Gedanken zu sprechen. Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich.

Wenn ihr schnell Hilfe braucht, dann findet ihr unter der kostenlosen Telefon-Hotline 0800 – 1110111 oder 0800 – 1110222 Menschen, die euch Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.

Laut der Anklage starb Fabian durch mehrere Messerstiche. Der Leichnam soll teilweise verbrannt worden sein, offenbar um Spuren zu verwischen.

Fall Fabian (†8) aus Güstrow – die Chronologie des Verbrechens

Mehr dazu in unserem Text: Fall Fabian (†8) aus Güstrow – die Chronologie des Verbrechens

Anfang November 2025 wurde Gina H., die ehemalige Partnerin von Fabians Vater, als Tatverdächtige festgenommen. Gegen sie wurde Haftbefehl wegen Mordes erlassen, seither befindet sie sich in Untersuchungshaft. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft soll sie Fabian am 10. Oktober 2025 aus der Wohnung seiner Mutter gelockt, mit ihm zu einem abgelegenen Tümpel nahe Klein Upahl gefahren und ihn dort mit mehreren Messerstichen getötet haben. Anschließend soll sie versucht haben, Spuren zu verwischen, indem sie den Leichnam in Brand setzte. Diese Vorwürfe sind bislang nicht rechtskräftig festgestellt.