Sorge vor der „Apokalypse“Krawall-Aufrufe im Netz! Drohen jetzt auch bei uns Unruhen wie in Frankreich?

Ausschreitungen in Paris
Straßenschlachten und Brände: Schwappt die Frankreich-Gewalt jetzt auch nach Deutschland?
picture alliance / Anadolu | Hesham Elsherif

Brennende Barrikaden, geplünderte Geschäfte und Straßenschlachten mit der Polizei!
Die Bilder der verheerenden Unruhen in Frankreich haben Europa im Atem gehalten. Jetzt wächst die Angst, dass die Gewaltwelle nach Deutschland überschwappt. In den sozialen Netzwerken formiert sich eine Bewegung, die den Protest auf die deutschen Straßen tragen will. Doch wie groß ist die Gefahr einer Eskalation wirklich?

Aufruf zum Protesttag am 31. Oktober

Unter dem Slogan „Gen Z regelt das“ formiert sich im Netz eine neue Bewegung, die für den 31. Oktober zu bundesweiten Protesten aufruft. Was als Protest gegen marode Schulen und soziale Ungerechtigkeit beginnt, bereitet den Sicherheitsbehörden zunehmend Kopfzerbrechen, berichtet Bild. In den einschlägigen Kanälen auf Telegram, Instagram, Reddit und X mischen sich demnach unter berechtigte Forderungen immer extremere Töne.

Besonders besorgniserregend sind die gezielten Aufrufe zur „Apokalypse“. In den sozialen Netzwerken verbreiten die Mobilisierenden Slogans wie „Apokalypse Vibez“ (Apokalypse-Stimmung) und teilen KI-generierte Flugblätter. Diese zeigen eine düstere Endzeit-Ästhetik mit brennenden Barrikaden und offener Gewalt.

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Einige Gruppierungen rufen so bereits indirekt zu Bränden und Straßenschlachten auf. Geplant sind Aktionen in neun deutschen Metropolen, darunter Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln und München. Ermittler nehmen die Drohungen sehr ernst.

Politik und Polizei in Alarmbereitschaft

Berlins Polizeisprecher Florian Nath sagte, es gebe Bestrebungen, die Thematik der Schülerproteste gezielt zu nutzen für eigene Interessen. „Das werden wir nicht zulassen“, sagte der Sprecher. „Wir werden genau hinschauen, ob es sich um legitime Schülerproteste handelt oder wer lediglich die Kulisse von Halloween nutzen will für eigene Interessen.“

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Berlin sprach von einer „Großdemolage“, auf die sich die Sicherheitsbehörden vorbereiteten. „Sie beschäftigen sich dabei mit denkbaren Szenarien, auch weil uns die Bilder aus Frankreich große Sorgen bereiten und wir über die Halloweennacht reden, bei der auf unseren Straßen eh gern mit Pyrotechnik hantiert wird“, erklärte GdP-Landeschef Stephan Weh.

Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) fand klare Worte und betonte, dass die Polizei konsequent handeln werde: „Wir werden nicht zulassen, dass linke Chaoten unser Stadtbild bestimmen und Sachwerte sowie menschliche Werte im wahrsten Sinne des Wortes in Flammen setzen.“

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Frustrierte Schüler kämpfen für ihre Zukunft

Abseits der extremen Ränder gibt es jedoch eine breite Masse an Jugendlichen, die völlig friedlich für ihre Interessen demonstrieren wollen. Der Frust der Generation Z ist real: Lehrkräftemangel, verfallene Schulgebäude, die Inflation und die Angst vor einer Rückkehr der Wehrpflicht belasten die jungen Menschen.

In München organisierte der 18-jährige Abiturient Steven Sedehi laut Stern bereits spontane Kundgebungen vor dem französischen Konsulat. Er betont, dass die gewaltvollen Ausschreitungen in Frankreich das eigentliche, legitime Anliegen der Jugend überschatten. Auch die Bundesschülerkonferenz solidarisiert sich mit den Grundforderungen nach besserer Bildung, distanziert sich jedoch ausdrücklich von Gewalt.

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In Hamburg und Berlin kam es bereits zu ersten friedlichen Blockaden von Schuleingängen. Ein 16-jähriger Schüler, der sich an den Schulstreiks beteiligt, erklärt: „Es motiviert uns natürlich, wenn wir die Erfolge aus Frankreich sehen. Aber unser Protest ist friedlich.“

Droht Deutschland das französische Szenario?

Ob die Situation am 31. Oktober tatsächlich eskaliert, bleibt abzuwarten. Jugendforscher Simon Schnetzer schätzt die generelle Gewaltbereitschaft unter deutschen Jugendlichen als gering ein und verweist auf die traditionell friedliche Protestkultur im Land, wie sie sich bei „Fridays for Future“ gezeigt hat. Dennoch warnt auch er vor einer sozialen „tickenden Zeitbombe“, wenn die Politik die Sorgen der Jugend weiterhin ignoriert.

Verwendete Quellen: Stern, Bild, dpa