Polizei kannte die GefahrBehörden haben CSD-Terrorist Abdul Ballout seit sechs Jahren im Visier

Der Attentäter vom Berliner CSD ist den Behörden seit Jahren bekannt - und dennoch konnte der 21 Jahre alte Abdul Ballout töten.
Er sei bereits als Jugendlicher in der islamistischen Szene Berlins aufgefallen und ab dem 16. Lebensjahr von Sicherheitsbehörden erfasst worden, berichteten „Süddeutsche Zeitung”, NDR und WDR am Sonntag.
Abdul Ballout wurde bereits verurteilt, aber auf „Vorbewährung” entlassen
Wegen der Vorbereitung einer terroristischen Straftat sei er im Mai 2026 zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und 10 Monaten verurteilt, aber auf „Vorbewährung” entlassen worden, hieß es weiter in dem Bericht. Ballout habe die Auflage erhalten, an einem Deradikalisierungsprogramm teilzunehmen. Das Urteil sei noch nicht rechtskräftig.
Ballout sei teilweise observiert worden, außerdem sei sein Telefon überwacht worden, berichteten „Süddeutsche Zeitung”, NDR und WDR. Die Sicherheitsbehörden schätzten ihn demnach als radikalisiert und gewaltbereit ein. Er solle versucht haben, nach Syrien auszureisen, um sich der Terrorgruppe „Islamischer Staat” anzuschließen. Nach einem Hinweis deutscher Behörden sei Ballout im vergangenen Jahr im Libanon festgenommen und zu einer dreimonatigen Haftstrafe verurteilt worden.
Lese-Tipp: Anschlag auf den Berliner CSD - alle Entwicklungen im Liveticker
Die auf Extremismusprävention und Deradikalisierung spezialisierte Organisation „Violence Prevention Network” bestätigte gegenüber der ARD, zwei Treffen mit B. abgehalten zu haben. Der Mann sei „nicht fassbar” und „undurchschaubar” gewesen, sagte Thomas Mücke, der Leiter der Organisation, dem ARD-Magazin „Report Mainz”.
„Der Tatverdächtigte ist als Beratungsfall geprüft worden, weil er eine gerichtliche Weisung erhalten hatte, an diesen Beratungsgesprächen teilzunehmen”, sagte Mücke. In dieser sogenannten Clearing-Phase sei geprüft worden, ob der Mann als Beratungsfall in Betracht komme. „Die Person wirkte in den bisherigen Gesprächen eher als angepasst und daher war nicht erkennbar gewesen, ob es wirklich zu einer Beratungssituation kommen wird”, sagte Mücke weiter. Das wäre abschließend erst in einem dritten Gespräch entschieden worden. Das soll für morgen geplant gewesen sein.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt spricht von islamistischem Terroranschlag

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (56, CSU) sagte am Sonntag, alles spreche dafür, dass es sich bei der Tat vom Samstagabend um einen islamistischen Terroranschlag gehandelt habe. Der mutmaßliche Täter sei ein 21 Jahre alter deutscher Staatsbürger mit libanesischem Familienhintergrund.

Lese-Tipp: Sarah Connor stand kurz vor dem CSD-Anschlag noch auf der Bühne
Nach bisherigen Erkenntnissen soll der Tatverdächtige mit einem gemieteten Citroen-Transporter in eine Menschenmenge am Rande des Berliner CSD gefahren sein. Anschließend soll er mehrere Menschen mit einer Machete angegriffen haben, bevor ihm die Flucht gelang. Eine Frau kam ums Leben, 29 Menschen wurden verletzt, mehrere von ihnen schwer.
Die Fahndung nach Abdul Ballout läuft weiter. Wer den Mann sieht, soll ihn nicht ansprechen, sondern sofort die 110 wählen.
Verwendete Quellen: AFP, eigene RTL-Recherche


