25 Jahre nach 9/11Schwester spricht über die schmerzhafte Wahrheit hinter dem „Falling Man“-Foto

Es ist eines der bekanntesten und traurigsten Bilder der jüngeren Geschichte:
Ein Mann stürzt kopfüber aus dem Nordturm des World Trade Centers, aufgenommen am Morgen des 11. September 2001. Das Foto ging als der „Falling Man“ um die Welt und wurde zum Symbol für die unfassbare Tragödie von 9/11. Jetzt spricht die Schwester von Jonathan Briley, der als möglicher ‚Falling Man‘ gilt, über das berühmte Foto und die Ungewissheit ihrer Familie.
Ein Bild als Symbol für fast 3.000 Opfer
Beim Anschlag von al-Qaida auf das World Trade Center starben 2.977 Menschen. Viele waren in den oberen Etagen des Nordturms eingeschlossen, einige sprangen in die Tiefe. Der „Falling Man“ wurde zum Sinnbild dieser Opfer. Das Foto stammt von AP-Fotograf Richard Drew. Eine Aufnahme zeigt ein später wichtiges Detail: Unter dem hochgewehten Hemd des Mannes ist ein auffälliges orangefarbenes T-Shirt zu erkennen.

Wer war der „Falling Man” vom 11. September?
Der Journalist Tom Junod vom Magazin Esquire kam bei seinen Recherchen zu dem Schluss, dass es sich bei dem „Falling Man“ um Jonathan Briley handeln könnte. Der 43-jährige Tontechniker arbeitete im Restaurant „Windows on the World“ im Nordturm.
Seine Schwester Gwen Briley-Strand erkannte ihn auf einer Fotoserie wieder. „Unsere Familie war sehr verletzt, als Jonathan als der Mann auf dem Foto vermutet wurde“, sagt sie der Daily Mail. Gewissheit habe sie nie gesucht. Doch sie räumt ein: „Die Wahrheit ist: Es sah tatsächlich aus wie er.“ Heute schaut sie sich das Bild nicht mehr an.
Glaube und letzte Entscheidungen
Die 72-Jährige stammt aus einer tief gläubigen Familie. Der Gedanke, Jonathan könnte gesprungen sein, war für viele Angehörige schwer zu ertragen. Gwen selbst sieht das anders: „Ich glaube nicht an eine unverzeihliche Sünde. Gott ist zu gütig.“ Sie ist überzeugt, dass die Menschen, die aus den Türmen sprangen, „aufgefangen“ wurden.
Jonathan war gläubiger Baptist und kurz vor seinem Tod zum Diakon ordiniert worden. Zudem litt er an Asthma. „Er wäre sehr schnell von der Hitze der schmelzenden Stahlträger und dem dichten, schwarzen Rauch der Brände betroffen gewesen“, sagt Gwen der Daily Mail.
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Eine letzte gemeinsame Reise vor 9/11
Trost findet Jonathans Schwester in einer Erinnerung, die nur wenige Tage vor der Katastrophe liegt. In der Woche vor den Anschlägen war sie mit ihrem Mann in Florida im Urlaub – Jonathan entschied sich spontan, sie zu besuchen. „Es war ein Geschenk Gottes, dass wir diese Zeit miteinander verbringen konnten“, erzählt sie. „Wir waren direkt am Meer, sind morgens aufgestanden, haben Kahlua und Kaffee getrunken und den Sonnenaufgang angeschaut. Es war wirklich etwas Besonderes, weil er sich erst in letzter Minute entschied, zu uns zu kommen.“ Diese ruhigen Morgende am Ozean stehen für Gwen heute im scharfen Kontrast zu den Bildern aus New York – und genau deshalb sind diese Erinnerungen so kostbar.
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25 Jahre später: „Es ist eine Welle der Trauer“
Ein Vierteljahrhundert nach den Anschlägen verfolgt Gwen jedes Jahr die Berichterstattung zum Jahrestag. „Manchmal fühlt es sich an wie 25 Jahre“, sagt sie, „aber dann wiederum gibt es Zeiten, in denen es sich anfühlt wie gestern.“ Sie beschreibt ihre Trauer als „Welle“, die kommt und geht: „Manche Jahre sind besser als andere.“ Die Öffentlichkeit mag den „Falling Man“ als ikonische Fotografie sehen – für Gwen bleibt er vor allem eine Erinnerung an ihren Bruder, an sein Leben vor dem 11. September und an alles, was danach nie mehr sein konnte.
Für Gwen ist die Frage nach der exakten Identität des „Falling Man“ heute zweitrangig. Ob auf dem Foto tatsächlich ihr Bruder Jonathan zu sehen ist, bleibt ungeklärt. „Er war ein Vertreter all jener fast 3.000 Menschen, die durch diesen furchtbaren Tag des 11. September gehen mussten“, sagt sie. Für Gwen erinnert das Bild damit nicht nur an ihren Bruder, sondern an all die Menschen und Familien, deren Leben durch die Anschläge für immer verändert wurde.
Verwendete Quellen: Daily Mail


