Prozessauftakt in PotsdamEigener Wille oder Totschlag? Arzt steht wegen Sterbehilfe vor Gericht

In einem Verhandlungssaal vom Landgericht Potsdam ist das Wappen von Brandenburg zu sehen. (zu dpa: «Sterbehilfe-Prozess: «Ich muss ihr jetzt helfen»») +++ dpa-Bildfunk +++
Der Angeklagte sagt, er würde rückblickend anders handeln.
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In Potsdam muss sich ein Mann wegen Sterbehilfe vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Totschlag vor – aus ihrer Sicht konnte die 39-jährige Frau ihren Willen zum Suizid nicht frei verantwortlich bilden. Der Angeklagte rechnet mit einem Freispruch.

Wegen Totschlags durch Sterbehilfe muss sich ein 77-jähriger Arzt vor dem Potsdamer Landgericht verantworten. Das Gericht muss klären, ob eine 39-jährige Frau ihren Willen zum Suizid frei verantwortlich bilden konnte. Der Angeklagte sagte, er würde rückblickend nicht mehr so handeln. Er rechnet mit einem Freispruch.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann Totschlag vor, hieß es von einer Gerichtssprecherin. Er soll einer 39-jährigen Frau im Jahr 2021 einen Zugang für ein tödlich wirkendes Narkosemittel gelegt haben. Die Frau habe „in Kenntnis der tödlichen Wirkung selbstständig die Infusion in Gang gesetzt“, um sich selbst zu töten.

Die Frau starb daraufhin tatsächlich. Dem Arzt mit deutscher Staatszugehörigkeit wird nun entgegengehalten, dass die Frau „an einer neurokognitiven Störung mit wahnhaften Symptomen und einer erheblichen Störung der Realitätskontrolle gelitten“ habe. Dadurch habe sie ihren Willen zum Suizid nicht frei verantwortlich bilden können. Der Arzt ist bereits 2024 vom Landgericht Berlin wegen Sterbehilfe zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt worden.

„Aus der damaligen Situation stehe ich zu meiner Entscheidung. Mein Gewissen sagte mir, ich muss der Frau jetzt helfen“, führte der Arzt vor dem Prozess aus. Er habe zwar gewollt, dass die Frau das über eine Sterbehilfeorganisation macht, aber ihre Not – so der 77-Jährige – habe binnen kürzester Zeit enorm zugenommen. „Und dann kam diese Aussage: Ich stand letzte Nacht wieder auf den Schienen“, betonte der ehemalige Arzt für Innere Medizin. Er habe daraufhin beschlossen: „Ich muss ihr jetzt helfen.“

Verwendete Quellen: are/dpa