Tödlicher Allergieschock!Schüler (11) stirbt auf Klassenfahrt – warum wurde sein EpiPen nicht benutzt?

Der tragische Vorfall ereignete sich am Donnerstag (18. Juni) im Schullandheim Riepenburg in Aerzen.
Der tragische Vorfall ereignete sich am Donnerstag (18. Juni) im Schullandheim Riepenburg in Aerzen.
von Lena Moustafa, Merle Upmann-Schiller und Lynn Michel

Sein Notfallmedikament war dabei – doch zum Einsatz kam es offenbar nicht.
Der Tod eines elfjährigen Schülers auf Klassenfahrt in Niedersachsen wirft auch Monate später Fragen auf. Der Junge litt unter einer starken Kuhmilchallergie und hatte für den Notfall einen EpiPen dabei. Als er nach dem gemeinsamen Mittagessen plötzlich keine Luft mehr bekam und zusammenbrach, wurde dieser jedoch offenbar nicht eingesetzt. Warum nicht? Genau das soll jetzt geklärt werden.

Elfjähriger bricht nach Mittagessen zusammen

Es sollte eine unbeschwerte Klassenfahrt werden. Im Juni reisen zwei vierte Klassen aus Hannover ins Schullandheim Riepenburg in Aerzen. Rund 50 Schülerinnen und Schüler werden von zwei Lehrkräften begleitet. Dann kommt es zur Tragödie.

„Es soll vor dem Zusammenbrechen des dann verstorbenen 11-jährigen Schülers ein gemeinsames Mittagessen gegeben haben”, sagt Samantha Zohri von der Staatsanwaltschaft Hannover im Gespräch mit RTL. Kurz darauf bekommt der Elfjährige Atemnot und verliert das Bewusstsein. Seine Lehrer versuchen noch, ihn zu reanimieren. Knapp zwei Stunden später stirbt das Kind.

Junge hatte EpiPen für den Notfall dabei

Der Elfjährige erlitt einen anaphylaktischen Schock. Er hatte eine starke Allergie gegen Kuhmilch – und für genau solche Notfälle einen EpiPen dabei. Das darin enthaltene Adrenalin ist bei einer Anaphylaxie das wichtigste Notfallmedikament. Es kann unter anderem den Blutdruck stabilisieren und lebensbedrohliche Reaktionen der Atemwege abschwächen.

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Doch der EpiPen soll bei dem Jungen nicht eingesetzt worden sein. Warum das Medikament nicht verabreicht wurde, ist Gegenstand der Ermittlungen. Unter anderem muss geklärt werden, was die beiden Lehrkräfte über die Allergie des Kindes wussten, welche Anweisungen es für einen Notfall gab und wo sich der EpiPen zum Zeitpunkt des Zusammenbruchs befand.

„Die Staatsanwaltschaft Hannover hat einen allergologisches Gutachten in Auftrag gegeben. Dieses Gutachten liegt bislang noch nicht vor. Für die beiden Lehrkräfte gilt die Unschuldsvermutung”, sagt Zohri.

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Tödliche Kuhmilchallergie ist äußerst selten

Eine Kuhmilchallergie ist nicht mit einer Laktoseintoleranz zu verwechseln. Während bei einer Laktoseintoleranz Milchzucker nicht richtig verdaut werden kann, reagiert bei einer Kuhmilchallergie das Immunsystem auf bestimmte Eiweiße der Milch. Schwere allergische Reaktionen können grundsätzlich lebensgefährlich werden – Todesfälle sind nach Einschätzung des Allergologen Dr. Thomas Buck allerdings selten.

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„Kuhmilchallergien treten besonders in den ersten zwei Lebensjahren auf. In vielen Fällen haben wir nur eine Hautreaktion. Sehr, sehr selten einen allergischen Schock”, sagt Dr. Thomas Buck, Facharzt für Allergologie. Auch dass ein Kind im Alter von elf Jahren noch derart stark auf Kuhmilch reagiert, sei ungewöhnlich. „Kuhmilchallergien mit elf Jahren sind sehr, sehr selten. Und es ist auch sehr, sehr selten, dass Kuhmilchallergie so tragisch enden”, sagt Buck.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherchen