Neue Studie zur Menopause Wechseljahre verändern den Körper viel früher als gedacht

15 Jahre! So lange vor der letzten Monatsblutung könnten die ersten hormonellen Veränderungen im weiblichen Körper bereits beginnen.
15 Jahre! So lange vor der letzten Monatsblutung könnten die ersten hormonellen Veränderungen im weiblichen Körper bereits beginnen. 
picture alliance / Zoonar | TITOVA ILONA

Hitzewallungen, Gewichtszunahme, schlechter Schlaf!
Die Wechseljahre können für Frauen eine große Belastung sein. Doch die hormonelle Umstellung betrifft offenbar noch viel mehr Bereiche des Körpers als bisher angenommen. Eine neue Studie zeigt jetzt, wie umfassend die Veränderungen sind – und dass sie bereits viele Jahre vor der letzten Monatsblutung beginnen können.

Erste Veränderungen schon 15 Jahre vor der letzten Periode

15 Jahre – so lange vor der letzten Monatsblutung könnten die ersten hormonellen Veränderungen im weiblichen Körper bereits beginnen. Das legt eine neue, in der Fachzeitschrift „Nature Medicine“ veröffentlichte Studie nahe über die tagesschau.de berichtet. Die Forschenden haben dafür rund 300 Millionen Laborwerte von mehr als einer Million Frauen aus den USA und Israel ausgewertet. Ihr überraschendes Ergebnis zeigt, dass die Wechseljahre offenbar deutlich früher Spuren im Körper hinterlassen als bislang angenommen. Besonders nach der letzten Regelblutung verändert sich einiges.

Die Wissenschaftler sprechen sogar von einer regelrechten „Klippe“. Was zunächst dramatisch klingt, lässt sich einfach erklären. Während viele Alterungsprozesse langsam und kontinuierlich ablaufen, verändern sich zahlreiche Körperfunktionen rund um die Menopause innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit besonders stark. Die Menopause bezeichnet dabei die letzte Monatsblutung einer Frau. Ob es tatsächlich die letzte war, lässt sich normalerweise erst zwölf Monate später feststellen.

Wie umfassend der Wandel ist, zeigen die Laborergebnisse. Bei 52 von insgesamt 90 untersuchten Werten stellten die Forschenden deutliche Veränderungen fest. Betroffen sind nicht nur die weiblichen Sexualhormone, sondern auch Werte, die Aufschluss über die Gesundheit von Knochen, Leber und Nieren sowie den Fettstoffwechsel geben.

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Warum die Wechseljahre auch Herz und Knochen betreffen

Was bedeutet das für die Gesundheit? Mit den hormonellen Veränderungen steigt bei Frauen unter anderem das Risiko für bestimmte Erkrankungen. Dazu gehört Osteoporose, bei der die Knochen an Stabilität verlieren und leichter brechen können. Auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkte und Schlaganfälle treten während und nach den Wechseljahren häufiger auf. Schlafprobleme und Depressionen können ebenfalls zunehmen.

Ein wichtiger Grund dafür ist der Rückgang des Hormons Östradiol, einer Form des Östrogens. Dieses Hormon spielt nicht nur für den weiblichen Zyklus eine Rolle, sondern beeinflusst zahlreiche Vorgänge im Körper. Allerdings bedeutet das nicht, dass jede Frau automatisch gesundheitliche Probleme entwickelt. Wie stark die Veränderungen ausfallen und welche Beschwerden auftreten, unterscheidet sich von Frau zu Frau erheblich.

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Es gibt auch eine gute Nachricht für Frauen

Bei all den möglichen gesundheitlichen Folgen haben die Forschenden auch einen positiven Effekt festgestellt. Nach der Menopause verbessern sich häufig die Eisenwerte im Blut. Der Grund ist einfach. Weil die monatliche Regelblutung ausbleibt, verliert der Körper weniger Eisen. Für Frauen, die zuvor unter starken Monatsblutungen und Eisenmangel gelitten haben, kann das eine deutliche Verbesserung bedeuten.

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Könnten Frauen künftig schon früher behandelt werden? Besonders spannend finden Mediziner die Hinweise darauf, dass der hormonelle Umbau möglicherweise schon 15 Jahre vor der letzten Monatsblutung beginnt. „Das muss jetzt noch in weiteren Studien bestätigt werden“, erklärt Peyman Hadji, Leiter des Frankfurter Hormon- und Osteoporosezentrums und Professor an der Universität Marburg laut tagesschau.de-Bericht.

Sollten sich die Ergebnisse bestätigen, könnte das für die Früherkennung und Vorbeugung bestimmter Krankheiten wichtig werden. Auch die Hormonersatztherapie rückt dadurch stärker in den Fokus. Dabei erhalten Frauen Hormone, um den natürlichen Rückgang der körpereigenen Sexualhormone auszugleichen und Beschwerden zu lindern. Die neue Studie zeigt, dass die körperlichen Veränderungen nach der Menopause bei Frauen mit einer solchen Behandlung weniger stark ausfielen.

Allerdings ist eine Hormonersatztherapie nicht für jede Frau geeignet. Je nach Behandlung und individuellen Risikofaktoren können beispielsweise Thrombosen oder Schlaganfälle begünstigt werden. Deshalb müssen Ärzte Nutzen und Risiken sorgfältig abwägen. Ob eine frühere Behandlung sogar Krankheiten verhindern könnte, ist bislang nicht geklärt. Genau das wollen Fachleute nun weiter untersuchen.

Wechseljahre sind noch immer zu wenig erforscht

Die Menopause betrifft weit mehr als nur den Hormonhaushalt. „Sie verdeutlicht eindrucksvoll, dass die Menopause weit mehr ist als eine hormonelle Umstellung“, zitiert der Bericht Wissenschaftlerin Katja Brenk-Franz von der Uniklinik Jena. Trotzdem gebe es noch immer große Wissenslücken. Vor allem darüber, warum manche Frauen kaum Beschwerden haben, während andere jahrelang darunter leiden. Auch die langfristigen Auswirkungen auf die psychische und sexuelle Gesundheit seien noch nicht ausreichend untersucht.

Die neue Studie könnte deshalb ein wichtiger Schritt sein, um Frauen künftig gezielter zu begleiten. Denn je früher Mediziner mögliche gesundheitliche Risiken erkennen, desto besser könnten sie vorbeugende Maßnahmen auf die einzelne Frau abstimmen.

Verwendete Quellen: tagesschau.de, Nature Medicine