Psychologie-Professorin erklärt VorteileNicht nur ein Abschied! So macht ihr die Wechseljahre zum Neustart

Entspannen, weil's mir guttut: Das sollten wir in den Alltag einbauen.
Die Wechseljahre bringen viele Turbulenzen mit sich – aber auch positive Veränderungen.
Christin Klose/dpa-tmn

Klar, die Wechseljahre bedeuten: Abschied nehmen.
Aber – für viele eine ungewohnte Perspektive – sie sind auf vielen Ebenen auch eine Befreiung und ein neuer Anfang! Eine Psychologie-Expertin verrät, wie Frauen ihren Blick auf die Menopause verändern und mit kleinen Veränderungen für mehr Leichtigkeit sorgen können.

Neue Belastungen, alte To-dos

Wechseljahre, Menopause und alles drumherum: Das gilt oft als etwas Unangenehmes. Nach dem Motto: Da muss man durch, der Körper verändert sich eben. Und klar: Hitzewallungen, Schlafstörungen und Co. nerven einfach. Gleichzeitig laufen Job und Familie oft ungebremst weiter. Bei einigen Frauen kommt außerdem dazu, dass die Eltern oder andere ältere Angehörige mehr Aufmerksamkeit fordern oder sogar gepflegt werden müssen. Ganz schön viel also – auch emotional.

Aber sind die Wechseljahre wirklich nur ein Abschied von Jugend, Fruchtbarkeit und Faltenfreiheit? Können sie nicht auch ein Aufbruch sein – und damit etwas Positives? Die Ärztin Prof. Petra Beschoner sagt: Ganz klar können sie das.

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Tschüss Periode, tschüss Verhütungsdruck!

Dabei kommt es darauf an, wie wir ihnen begegnen. Denn vieles, was vor der Menopause für Stress sorgt, fällt mit ihr weg. Prof. Beschoner ermuntert Frauen, „diese Zeit nicht als Ende der Weiblichkeit zu betrachten, sondern als Beginn einer Phase ohne biologische Zwänge – frei von Menstruation, Verhütungsdruck und hormonellen Achterbahnfahrten”.

Außerdem sollten Frauen sich bewusst machen, wie weit sie in ihrem Leben schon gekommen sind: Mit den Jahren wächst meist die Fähigkeit, Grenzen zu setzen und die eigenen Bedürfnisse klarer wahrzunehmen. Jugendliche Unsicherheiten gegen innere Stärke einzutauschen, stärkt das Selbstbild. Viele Frauen spüren, dass sich nun ein Raum für neue Projekte, Beziehungen oder Selbstverwirklichung öffnet.

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Tipp: Einen Willkommensbrief schreiben

Doch wie gestaltet man diese Lebensphase aktiv und selbstbestimmt? Prof. Beschoner rät zu einer bewussten Reflexion. Ihr Vorschlag: der alten Lebensphase einen Abschiedsbrief und der neuen einen Willkommensbrief schreiben. Was will ich? Und was darf gehen?

Noch ein Tipp: „ein strukturierter Selbstfürsorge-Plan, der kleine Schritte für jeden Lebensbereich umfass”, so die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. Wichtig: Er sollte realistisch in den Alltag eingebaut werden können. Hier kommen ein paar Beispiele, was in so einem Plan stehen könnte:

Im Job:

  • Erwartungen realistisch anpassen, gegebenenfalls Prioritäten neu verhandeln

  • Mikropausen einplanen und auch wirklich machen

  • Aufgaben delegieren, statt sämtliche Verantwortung stillschweigend zu tragen

In Partnerschaften:

  • Veränderungen offen ansprechen, etwa mit Sätzen wie: „Ich bin schneller gereizt, das liegt an meiner Situation, nicht an dir.”

  • Gemeinsame Rituale pflegen und Intimität neu definieren, wobei letzteres bedeutet: Druck herausnehmen und Zärtlichkeit sowie emotionale Nähe in den Vordergrund stellen.

  • Auch in der Care-Arbeit: Unterstützung einfordern, also Partner, Kinder oder Angehörige aktiv einbeziehen, externe Hilfe prüfen, Perfektionismus loslassen, ein „Gut genug” akzeptieren.

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Strategien für mehr innere Stärke in den Wechseljahren

Um innere Stärke in den Wechseljahren zu finden, hilft alles, was die Stimmung stabilisiert und die eigene Resilienz, also die psychische Widerstandskraft, fördert.. Zum Beispiel: „regelmäßige moderate Bewegung, gute Schlafhygiene, Achtsamkeit und Stressabbau durch Meditation, Atemübungen oder Journaling. Auch der Austausch mit anderen Frauen in einer ähnlichen Lebensphase wirkt oft enorm entlastend”, so Prof. Beschoner, die die Akutklinik Bad Saulgau leitet.

Kurz: Die Wechseljahre lassen sich nicht verhindern, aber sie lassen sich gestalten. Wenn wir sie als Übergang begreifen, fällt es leichter, Dinge neu zu sortieren, Grenzen zu ziehen und eigene Bedürfnisse ernster zu nehmen. So kann etwas beginnen, das vielleicht oft zu kurz kam: ein Leben mit mehr Selbstbestimmung, Gelassenheit und innerer Stärke. (rka)

Verwendete Quelle: dpa