Gefährliche TiereWieso auf Mallorca jetzt auf Bäume geschossen wird
Ballermänner abseits des Ballermanns!
Es sieht skurril aus, was da gerade auf der Lieblingsinsel der Deutschen passiert: Männer mit Gewehren patrouillieren durch die Straßen, den Blick hoch in die Bäume gerichtet. Harte Geschütze im Kampf gegen giftige Insekten. Warum Mallorca jetzt zu solch drastischen Mitteln greift und ob das auch in Deutschland denkbar wäre, seht ihr im Video.
Prozessionsspinner auf Mallorca wird mit Gewehren bekämpft
Alle Jahre wieder sorgen die Raupen des Prozessionsspinners mit ihren Gifthaaren im Frühjahr für Ärger – nicht nur bei uns in Deutschland. Denn für Menschen kann der Kontakt mit den Raupen böse enden, ihr Gift kann schwere Hautreizungen und Allergien verursachen. Auf Mallorca sind die Nachkommen des Falters bereits Anfang Februar gesichtet worden. Deswegen schießen nun Männer in Calvia, im Westen der Insel, mit Knallpatronen auf Bäume. Ihr Ziel: Die Nester der Raupen, die übrigens so groß wie ein Fußball werden können
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Christian Dienst, Abteilungsleiter der Grünflächenunterhaltung Frankfurt, findet diese Methode nicht besonders effektiv: „Es prallt ja eine unheimliche Wucht auf diese Nester und die zerspringen so und das sind in diesen Nestern sind halt diese Raupen mit ihren Haaren und die werden dann halt vom Wind überall hin verteilt”, so der Experte im RTL-Interview, und „wenn die zu Boden rieseln und man diese Nester aufsammelt oder mit denen in Kontakt kommt, dann kann man sich genauso infizieren wie vorher mit diesem Nesselgift“
Prozessionsspinner in Deutschland weit verbreitet
Die spanische Taktik der Bekämpfung ist weit entfernt vom deutschen Weg. Hier setzt man auf Prävention, erklärt Christian Dienst vom Grünflächenamt in Frankfurt: Zum Beispiel werden durch Hubschrauber oder Sprühkanonen, die an Traktoren befestigt werden, Bakterien verteilt. Wenn die Raupen diese fressen, vermehren sie sich im Darm und das Tier stirbt.
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Alternativ können Nester des Prozessionsspinners auch mit speziellen Saugern entfernt werden. Der Landkreis Lüneburg setzt mit Erfolg sogenannte Nematoden ein. Diese winzigen Fadenwürmer werden lebendig auf die Baumkronen gespritzt und bekämpfen die bis zu drei Zentimeter langen Raupen.
Die gefährlichen Tiere sind mittlerweile in den meisten deutschen Bundesländern beheimatet. Den Namen haben die Tiere übrigens ihrer Lebensweise zu verdanken: Sie leben in Kolonien und reihen sich bei Ortswechseln wie bei einer Prozession auf. (lha)
Verwendete Quellen: NABU, Mallorca Zeitung, Saarbrücker Zeitung, dpa


