Sensationeller Fund! Wissenschaftler entdecken Hefe im Darm von Gletscher-Mumie Ötzi – und backen ein Brot daraus

Mumie Ötzi sorgt erneut für eine Sensation!
Der Gletschermann ist bereits seit mehr als 5.000 Jahren tot, aber er ist immer noch für Überraschungen gut. Nun haben Wissenschaftler in seinen Überresten mehrere (lebende) Hefearten entdeckt – und daraus sogar Brot gebacken.
Hefen mit gut erhaltener, also jüngerer DNA
Ötzi lebt – beziehungsweise ein Teil seiner Mikroben. In seinem Gewebe hat ein Forschungsteam Hinweise auf Leben gefunden, obwohl die Gletschermumie mehr als 5.000 Jahre lang in eisiger Kälte lag. Hefestämme mit moderner DNA seien gefunden worden ‒ sie müssen sich also in jüngerer Zeit vermehrt haben, berichten die Forschenden um Mohamed Sarhan vom Bozener Institut für Mumienforschung im Fachjournal Microbiome.
Insgesamt entdeckten die Wissenschaftler vier verschiedene Hefen, die Minustemperaturen überleben können: in Ötzis Darm, auf seiner Haut und in dem Wasser, das von seinem Körper abtropfte, als er teilweise auftaute. Diese Hefearten leben nur unter sehr kalten Bedingungen wie in der Antarktis oder in den Alpen. Daher wird angenommen, dass sie nach dem Tod in Ötzis Körper gelangt sind. Im Rahmen ihrer Erforschung war die Mumie zwischenzeitlich stundenweise aufgetaut worden, um Proben zu entnehmen. „Diese Hefen haben Ötzi sozusagen auf seiner langen Reise durch die Jahrtausende begleitet”, sagte Institutsdirektor und Co-Autor Frank Maixner. Die Mumie sei „kein statisches Relikt, sondern ein dynamisches biologisches System”.
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Die Wissenschaftler vermehrten die Darmhefe anschließend in einem Kühlschrank. „Wenn man jemandem erzählt, dass man Hefe hat, wird sofort gefragt: Kann man damit Brot backen?“, so Studienleiter Mohamed Sarhan. Daher versuchten die Wissenschaftler, ein Sauerteigbrot zu backen. Zu Beginn habe dies nicht funktioniert, sagte der Forscher. Doch nach drei Monaten Bemühungen „hatten wir einen sehr, sehr guten Sauerteig”. Auf die Frage, ob die Wissenschaftler erwägen, die Hefe zum Bierbrauen zu verwenden, antwortete Sarhan: „Das steht auf der Liste.“
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Konservierung könnte bestimmte Mikroorganismen begünstigt haben
Die Konservierung der Mumie, die einerseits ausgetrocknet, andererseits durch den Gletscher feucht gehalten worden war, war nach dem Fund zur wichtigsten Herausforderung geworden. Der Anatom Othmar Gaber aus Innsbruck entwickelte für Ötzi ein Mehrschichten-System: Er ließ ihn in ein steriles OP-Tuch einwickeln, viel Eis dazugeben, dann kam eine Plastikfolie, noch mehr Eis und eine Raumtemperatur von minus 6 Grad – wie im Gletscher.
Die Konservierung könnte der Studie zufolge bestimmte Mikroorganismen begünstigt haben: Drei der vier entdeckten Hefen haben dem Team zufolge die genetischen Voraussetzungen dafür, den Wirkstoff Phenol abzubauen. Dieser sei nach der Bergung eingesetzt worden, um die Oberfläche der Mumie von Pilzbefall zu befreien, und könne den Hefen als Nahrung gedient haben.
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„Die Konservierungsbedingungen der Mumie sind heute sehr stabil”, betonte Elisabeth Vallazza, die Direktorin des Südtiroler Archäologiemuseums, die nicht an der Studie beteiligt war. „Ein engmaschiges mikrobiologisches Monitoring stellt sicher, dass die Mumie keinen Schaden nimmt. Aber es benötigt sicher weitere Forschung und vollen konservatorischen Einsatz, um sie für viele weitere Generationen zu erhalten.”
Ein Glücksfall für die Wissenschaft
Ötzi war im September 1991 in den Ötztaler Alpen an der österreichisch-italienischen Grenze entdeckt worden. Der Fund auf dem 3.200 Meter hohen Tisenjoch bekam weltweite Aufmerksamkeit. Eine so gut erhaltene Mumie samt Bogen und Kupferbeil sowie vielen anderen steinzeitlichen Ausrüstungsgegenständen war ein Glücksfall für die Wissenschaft.
Aufbewahrt wird Ötzi im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen in einer Kühlkammer bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit. Mittlerweile weiß man sehr viel über den Gletschermann, der vor 5.300 Jahren lebte – etwa seine Blutgruppe, seine Augenfarbe und dass er tätowiert war.

In den jüngsten Erkenntnissen sieht das Team aus Bozen auch einen Nutzen über den Erhalt des Ötzi hinaus. So könnten an Kälte angepasste Mikroorganismen etwa für energieeffiziente Prozesse in der Industrie nutzbar gemacht werden, etwa bei der Fermentation bei niedrigen Temperaturen.
Verwendete Quellen: Microbiome, dpa, afp






























