Mediziner im GesundheitstalkPille statt Pieks! Die wichtigsten Fragen und Antworten zur neuen Abnehmpille

Abnehmen ohne Pieks? Seit heute gibt es die Abnehmspritze auch als Pille!
Für viele dürfte die Tablette deutlich angenehmer sein als der regelmäßige Griff zur Spritze – der Effekt soll trotzdem vergleichbar sein. Doch kann sich jetzt jeder die Abnehmpille verschreiben lassen? Wo liegen die Unterschiede zur Spritze? Und wie sieht es aus mit der Langzeitwirkung? Ernährungsmediziner Dr. Thomas Kurscheid beantwortet die wichtigsten Fragen zur Einnahme, Nebenwirkungen und Kosten.

Wer kann die Abnehmpille kaufen?

„Die Indikation ist genau wie auch bei der Spritze, sie muss verordnet werden”, erklärt Ernährungsmediziner Dr. Thomas Kurscheid bei Punkt 12. Verordnet werden könne die Abnehmpille in zwei Fällen:

  • wenn man adipös sei, das heißt einen Body-Mass-Index (BMI) von 30 oder höher habe

  • oder man einen BMI von 27 habe und zusätzlich dazu eine Begleiterkrankung der Adipositas, also zum Beispiel Bluthochdruck oder Diabetes.

Wie teuer ist die Abnehmpille?

Seit dem 1. September 2026 ist die erste Abnehmpille vom Hersteller Wegovy mit dem Wirkstoff Semaglutid erhältlich. Unter den oben genannten Bedingungen darf die Abnehmpille zwar verschrieben werden, bezahlt werde sie aber nicht von den Krankenkassen, erklärt Kurscheid.

Aktuell belaufen sich die Kosten für die Einstiegsdosierung bei der Abnehmspritze auf 171 Euro, die Abnehmpille werde 172 Euro im Monat kosten. „Das wird aber nachher mehr”, sagt der Mediziner. „Die meisten brauchen höhere Dosierungen. Das heißt, man landet bei Wegovy zum Beispiel bei 250 Euro und bei Mounjaro dann durchaus auch bei 400 bis 500 Euro im Monat. Wenn diese Patente auslaufen, dann ist sicherlich damit zu rechnen, dass es günstiger wird.”

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Wie wird die Abnehmpille eingenommen?

„Die Abnehmpille ist komplizierter einzunehmen”, sagt der Mediziner. „Man muss erstmal acht Stunden vorher nichts gegessen haben. Dann mit einem kleinen Glas Wasser schlucken, dann eine halbe Stunde nichts essen, nichts trinken, auch keine weiteren Tabletten zu sich nehmen, auch keine Schilddrüsentabletten. Da gibt es nämlich dann durch die verzögerte Magenentleerung eine Überwirksamkeit dieser Schilddrüsentablette. Deswegen muss da ein Abstand sein.” Einfacher als die Spritze sei es im Vergleich nicht, die Abnehmpille einzunehmen, findet Kurscheid: „Wenn ich vergleiche: ein Pieks pro Woche oder jeden Morgen dieses Theater.”

Welche Nebenwirkungen gibt es bei der Abnehmpille?

„Als allgemeine Nebenwirkungen sehen wir bei uns im Adipositaszentrum regelmäßig bei 70 Prozent ungefähr leichte Übelkeit. Es kann mal Erbrechen sein, es kann Durchfall sein, es kann aber auch Verstopfung sein.” Das man vermehrt Bauchspeicheldrüsenentzündungen sehe, habe sich in Statistiken nicht gezeigt. „Aber tatsächlich Gallensteine werden etwas häufiger festgestellt und auch eine mangelhafte Durchblutung bei einem von 10.000 am Sehnerv.” Dies könne sich zeigen, indem man unscharf, verschwommen, neblig sehe. Dann müsse man auf jeden Fall aufhören mit der Tablette und sofort einen Augenarzt aufsuchen.

Was kann passieren, wenn man die Abnehmspritze oder -pille absetzt?

„Da haben wir Erfahrungen und die Statistiken zeigen: Es ist wie nach jeder Diät: Wenn die Patienten absetzen, kommt es stark zum Jojoeffekt. Nach einem Jahr haben die Patienten 70 Prozent ihres Übergewichts wieder drauf. Und wenn man noch ein halbes Jahr wartet, ist dann alles wieder drauf und meistens schießt es sogar noch höher”, sagt Kurscheid. „Deswegen ist die Betreuung in einem Adipositaszentrum oder mit Profis inklusive Psychotherapie wegen des emotionalen Essens, also Essen aus Lust, Frust, Stress, Langeweile, immens wichtig.”

Verwendete Quellen: RTL