Zurück zur Normalität nach dem Lockdown

Virologe Hendrik Streeck wagt einen Ausblick

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck wagt einen Blick in die Zukunft.
© dpa, Federico Gambarini, fg gfh tba jai gfh

23. Februar 2021 - 10:36 Uhr

Wie kommen wir aus dem Lockdown raus?

Schulen und Friseure dürfen langsam wieder öffnen, ein Stück Normalität zeigt sich am Horizont – und die Hoffnung auf mehr wächst. Viele sehnen sich nach Öffnungen von Geschäften und Restaurants, nach der Rückkehr in Büros, in Schulen und Kitas und mehr sozialen Kontakten. Einige Experten warnen allerdings davor, dass sich im Hintergrund längst eine neue Welle aufschaukelt, die wieder deutlich höhere Werte bringen könnte. Schuld ist vor allem die Virus-Mutation B.1.1.7. Dürfen wir trotzdem auf ein baldiges Ende des Lockdowns hoffen? Wie könnten die nächsten Schritte Richtung Normalität aussehen? Und worauf müssen wir jetzt achten? Virologe Prof. Hendrik Streeck von der Universität Bonn wagt im RTL-Interview einen Blick in die Zukunft.

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Streeck: "Wir müssen die Mutationen ernst nehmen"

"Um das vorauszusagen: Ich habe keine Glaskugel und kann auch nicht vorhersehen, wie sich das Infektionsgeschehen verhält. Wir müssen die Mutationen ernst nehmen, da sie potenziell eine höhere Übertragung haben. Auch wir in Bonn in der Diagnostik haben Tage, wo 40 Prozent unserer Proben aus einer neuen Variante bestehen. Das ist jetzt nicht systematisch erfasst, darum ist es nicht etwas, was jeden Tag in dieser Weise auftritt. Aber uns fällt auch auf, dass diese Variante doch häufig mittlerweile auftaucht. Es ist wichtig, diese Variante ernst zu nehmen."

Eine Perspektive ist wichtig

Gleichzeitig spricht sich Streeck für einen langfristigen Plan aus, um aus dem Lockdown herauszukommen. Genauso wichtig, wie die Mutationen ernst zu nehmen, sei es, "eine Perspektive zu erstellen, ein Stufenplan, wo man sehen kann, wohin man sich entwickelt mit dem Lockdown, mit potentiellen Öffnungen, aber auch gleichzeitig die angemahnte Vorsicht, dass wir diese Mutation nicht außer Acht lassen. [...] Es gibt keine Politiker oder Experten, die nicht im Team Vorsicht sind, aber es geht hier auch um eine Abwägung."

Der Virologe plädiert darum für Stufenpläne, wie sie auch schon von verschiedenen Parteien wie der FDP, aber auch aus Thüringen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein vorgeschlagen wurden. Hier soll anhand von Infektionszahlen und anderen Parametern wie zum Beispiel der Hospitalisierungsrate und dem R-Wert entschieden werden, welche Bereiche geöffnet werden können.

"Das schafft Perspektive", so Streeck. "Man sollte wahrscheinlich im Moment mit der unklaren Datenlage von den Mutationen die Stufenpläne weiter runtersetzen, also bei einer niedrigeren Inzidenz. Aber man kann jetzt schon Vorschläge machen, wie diese Stufenpläne aussehen können. Da wurden ja von der FDP und den Ministerpräsidenten schon sehr gute Vorschläge gemacht."