Die Viruslast ist entscheidend

Zum zweiten Mal Corona - bin ich dann weniger ansteckend?

Eine junge Frau sitzt krank auf ihrem Sofa, um sie herum sind unter anderem ganz viele Taschentücher verteilt.
Manche erkranken auch mehrfach an Corona. Doch wie ansteckend sind diejenigen dann noch?
Tero Vesalainen

Das Corona-Karussell dreht sich weiter. Erst sinkt die Inzidenz rapide, dann steigt sie wieder etwas an – wie Freitagmorgen auf 733,4 im Vergleich zu 720.6 am Vortag (Stand 22.04). Ein Anstieg der Inzidenz heißt aber auch zugleich ein Anstieg der Neuinfektionen, die in Deutschland bei mittlerweile über 24 Millionen liegen. Doch sind das tatsächlich alles Erstinfektionen oder sind auch Personen darunter, die zum zweiten oder dritten Mal an Corona erkranken? Und wie infektiös ist man eigentlich, wenn man bereits zum zweiten Mal infiziert ist?

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Niemand weiß, wie viele Reinfektionen es wirklich gibt

Momentan gibt es keine Möglichkeit Corona-Reinfektionen in Deutschland zu messen. Wie das Robert Koch-Institut (RKI) auf eine Frage auf der Website „fragdenstaat.de“ schreibt, werden nur nicht-namentliche Meldefälle ans RKI übermittelt, „sodass eine Reinfektion zu bereits gemeldeten Infektionen im RKI nicht möglich ist“. Heißt: Selbst wer zum viertel Mal an Corona erkrankt, gilt immer wieder als Neuinfektion und nicht als erneute Infektion.

Eine grobe Einordnung von möglichen Reinfektionen nimmt jedoch die internationale Nachrichtenagentur „BNO News“ vor – mit dem so genannten „Reinfektionen-Ticker“. Seit Beginn der Pandemie versucht „BNO News“ hier weltweit Corona-Reinfektionen aufzuzählen. Demnach gebe es aktuell nur 500 bestätigte und mehr als 1.042.000 mögliche Reinfektionen. Diese Zahlen sind laut Medizinjournalist Dr. Christoph Specht jedoch weniger realistisch. „Das ist extrem wenig“, sagt er im RTL-Interview, „da gibt es sicher mehr.“ Schon allein, weil noch immer eine Dunkelziffer bei den Meldefällen vorliege.

Studie zeigt: Immunität nach einer Infektion ist sehr gut

Dennoch sieht es danach aus, als sei die Immunität von bereits Infizierten durchaus gut. Das belegt auch eine neue Studie aus Dänemark. Dort hat ein Forschungsteam des Statens Serum Instituts in Kopenhagen über 1,8 Millionen Corona-Infizierte untersucht, von denen nur knapp 1.739 zum zweiten Mal infiziert sind. Im Fokus der Untersuchung, die bisher nur in einer Preprint-Version vorliegt, liegen vor allem die Omikron-Varianten BA.1 und BA.2. Wer demnach mit BA.1 infiziert sei, habe eine geringere Wahrscheinlichkeit an BA.2 zu erkranken, so die Forschenden. Diejenigen, die sich dennoch anstecken, haben einen milderen Verlauf und laufen nicht Gefahr ins Krankenhaus zu kommen oder an der Variante zu sterben. Doch eine gute Immunität bedeutet nicht, dass man im Falle einer Infektion weniger ansteckend ist.

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Wie ansteckend sind Reinfizierte wirklich?

Denn laut Specht hat die Infektiosität eigentlich nichts mit der Variante oder der Immunität zu tun. „Ich könnte mich aus dem Fenster lehnen und sagen, wer an der gleichen Variante erkrankt, ist weniger infektiös, weil man eine geringere Viruslast hat“, sagt der Allgemeinmediziner. Selbst Geimpfte, die zwar weniger stark erkranken, können eine sehr hohe Viruslast haben und damit hoch ansteckend sein. „Doch ich kann mich immer wieder infizieren, jedes Mal mit einer anderen Variante, und trotzdem infektiöser sein“, so Specht. (jbü)

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