Die Stelle der Verletzung ist entscheidend

Wirbelsäulenbruch: Ist eine Heilung möglich?

14. November 2019 - 14:47 Uhr

Nicht immer kommt es nach einem Wirbelsäulenbruch zur Lähmung

Der Fall des verunglückten "Wetten dass...?"-Kandidaten Samuel Koch hat im Jahr 2011 ganz Deutschland in Atem gehalten. Er war bei dem Versuch, mehrere fahrende Autos zu überspringen, schwer gestürzt und ist seither gelähmt. Schauspielerin Ursula Karven hat sich 2015 bei einem Reitunfall das Genick gebrochen, entkam damals nur knapp einer Querschnittslähmung. Heute geht es ihr wieder gut. Stellt sich die Frage: Wie stehen die Chancen auf Heilung bei schwerwiegenden Wirbelsäulenverletzungen?

Halswirbelbrüche sind gar nicht so selten

Laut dem Orthopäden Fritz Uwe Niethard sind Halswirbelbrüche gar nicht selten. Allein durch missglückte Kopfsprünge in Schwimmbecken oder Badeseen erleiden jährlich 50 bis 100 Menschen Halswirbelbrüche. Zu den Patienten mit schweren Verletzungen im Hals- und Nackenbereich gehören laut Niethard aber auch Sportler, Fahrrad- und Motorradfahrer. Doch warum gehen manche dieser Unfälle glimpflich aus, während andere Menschen fortan gelähmt sind?

Komplette oder inkomplette Querschnittslähmung

Tatsache ist, dass bei einer Halswirbelverletzung wenige Millimeter einen großen Unterschied ausmachen können. In der Wirbelsäule des Menschen befindet sich der Wirbelkanal. Dieser wiederum umschließt und schützt das Rückenmark und die Nerven, die für die Reizweiterleitung vom Gehirn zu den Muskeln und damit auch für die Bewegung verantwortlich sind. Wird das Rückenmark durch den Bruch eines Wirbelkörpers teilweise oder komplett durchtrennt, so verursacht dies eine Lähmung.

Wird das Rückenmark nur teilweise durchtrennt, handelt es sich um eine "inkomplette Querschnittslähmung", bei der vollständigen Durchtrennung sprechen die Ärzte von einer "kompletten Querschnittslähmung". Je mehr Rückenmark durchtrennt wurde, desto schlimmer die Folgen. Im günstigsten Fall drückt nur ein gebrochener Wirbel auf das Rückenmark, ohne dass es verletzt ist. In dem Fall bildet sich die Lähmung nach der Operation des Bruchs meist wieder zurück.

Stelle der Verletzung kann entscheidend sein

Die Halswirbelsäule besteht aus sieben Wirbeln. Wenn die unteren, also der sechste und siebte Wirbel gebrochen sind, bleiben laut Niethard noch relativ viele Funktionen übrig.

Generell kann man sagen, dass die Teile des Körpers unterhalb der Verletzungsstelle von der Querschnittslähmung betroffen sind. Bei einer Verletzung der Lendenwirbelsäule sind darum die Beine gelähmt, bei Verletzungen oberhalb des vierten Brustwirbels kann auch das Zwerchfell gelähmt sein, sodass Patienten auf künstliche Beatmung angewiesen sind.

Dies war beispielsweise bei dem US-Schauspieler Christopher Reeve (Superman) der Fall. Die Verletzung der oberen Halswirbel zieht meist auch eine Querschnittslähmung nach sich. Schaupielerin Ursula Karven hatte unglaubliches Glück. Sie hatte dieselbe Verletzung wie Reeve, wie sie im Video oben erzählt, war aber nach ihrem Unfall nicht gelähmt.

Wirbelsäulenbruch: Behandlung und Therapie

Meist gibt eine Computertomographie Auskunft darüber, an welcher Stelle die Wirbelsäule genau gebrochen oder verletzt ist. Doch so schockierend und trostlos die Diagnose "Querschnittslähmung" auch klingt: Sie muss kein unabänderliches Schicksal sein. Eine Querschnittslähmung kann zwar lebenslang andauern, aber sie kann auch nur vorübergehend sein.

Neben einem Unfall kann eine Querschnittslähmung auch andere Ursachen haben. Sie kann auch durch einen Bandscheibenvorfall, Kinderlähmung oder Multiple Sklerose ausgelöst werden. In diesen Fällen ist sie meist behandelbar.

Ist die Querschnittslähmung Folge eines Unfalls, werden die gebrochenen Wirbelkörper in der Regel in einer Operation mit Metall verstärkt und stabilisiert. Ist der Wirbelkörper gesplittet, werden die Knochensplitter aus dem Rückenmark entfernt. Mit Metallstangen wird der Wirbelsäule wieder mehr Halt verliehen. Im Anschluss an den stationären Aufenthalt im Krankenhaus wird die Behandlung dann meist in einer Rehabilitationsklinik fortgesetzt.

Die Rehabilitation dauert oft mehrere Monate. Dabei werden physiotherapeutische und motorische Übungen durchgeführt, durch die der Patient langsam wieder die Bewegung von Fingern, Armen und Beinen erlernt. Allerdings ist ein komplette Heilung nur selten möglich.

Im Video: Genickbruch ohne es zu merken

Dass man auch einen Genickbruch haben kann, ohne ihn zu bemerken, zeigt der Fall von Natalia Osipova. Im Video erzählt sie ihre Geschichte.