Trockene Scheide aufgrund der kalten Temperaturen

Winter-Vagina – gibt es sie wirklich?

© iStockphoto

7. Oktober 2019 - 12:31 Uhr

Eisige Temperaturen machen Lippen rissig – angeblich nicht nur obenrum

Wenn die Temperaturen in den Keller purzeln, leiden wir unter trockener Haut, kalten Händen und rissigen Lippen. Aber nicht nur das: Auch unser Intimbereich wird laut einer britischen Hebamme von der Kälte in Mitleidenschaft gezogen. Die Rede ist von der Winter-Vagina. Angeblich hat unser kostbarstes Stück - ebenso wie der Winter-Penis - mit den frostigen Monaten zu kämpfen. Die Folge: Eiszeit - nicht nur draußen, sondern auch in unserem Schlafzimmer. Was ist dran am Mythos Winter-Vagina?

Baby, it’s cold outside (und inside?)

Trockene und rissige Lippen, nicht nur oben- sonden auch unten herum? Wenn man der britischen Hebamme Mary Burke Glauben schenkt, gibt es das Phänomen: Wie sie der britischen Zeitung "The Sun" erklärte, gibt es viele Frauen, die während der kalten Monate unter einer extremen Scheidentrockenheit leiden – die Folge davon: Schmerzen beim Sex und sexuelle Unlust.

"Trockene Herbst- und Winterluft entzieht unserem Körper Feuchtigkeit, unsere Haut ist dehydriert und rissig, und unsere Nasennebenhöhlen sind ausgetrocknet", erklärt sie. "Und obwohl es ein Thema ist, über das nur wenige offen sprechen möchten, können unsere Vaginas in dieser Zeit ebenfalls in den Dürremodus wechseln."

Dürremodus, das klingt nicht schön. Und auch nicht angenehm. Aber ist an der Theorie was dran? Die Gynäkologin Sheila de Liz aus Wiesbaden kann über den Mythos Winter-Vagina nur den Koipf schütteln. Ihrer Ansicht nach ist die Theorie wissenschaftlich nicht haltbar. "Die Schamlippen haben ein ganz eigenes Befeuchtungssytem, das völlig autonom arbeitet. Und das hat garantiert nichts mit der Außentemperatur zu tun."

Die Kälte draußen hat also definitiv keinen Einfluss darauf, ob wir Lust auf Sex haben oder nicht. Vielleicht ist es ja doch eher eine Wintermüdigkeit, die uns daran hindert, im Bett übereinander herzufallen.

Scheidentrockenheit - das hilft

Ob Frauen also unter Scheidentrockenheit leiden, hängt von zahlreichen anderen Ursachen ab, aber nicht von den kälteren Temperaturen, da ist sich Gynäkologin Sheila de Liz sicher. Die häufigsten Gründe für eine trockene Scheide sind nach Einschätzung der Expertin:

  • Hormon-Mangel

Besonders Frauen in den Wechseljahren leiden häufig unter Scheidentrockenheit. Die Ursache dafür ist der sinkende Östrogenspiegel.

  • Eine zu niedrig dosierte Pille

Ein Aspekt, der laut Sheila de Liz häufig unterschätzt wird. "Wenn Frauen über Jahre hinweg die Pille nehmen, kommt es häufig wegen einer zu niedrigen Dosierung zu Scheidentrockenheit." Ihr Rat: eine Pillenpause über drei bis vier Monate. Und danach der Wechsel auf ein höher dosiertes Präparat.

  • Antidepressiva

Auch die Einnahme von Antidepressiva kann sich negativ auf die Scheidenfeuchtigkeit auswirken. Möglicherweise hilft auch hier ein Präparat-Wechsel. 

Der Tipp der Expertin: Wer unter Scheidentrockenheit leidet, kann durch hormonhaltige Vaginalzäpfchen Abhilfe schaffen. Sie gleichen den lokalen Hormonhaushalt der Scheide aus und sorgen so für eine ausreichende Befeuchtung.

Im Video: 5 Gründe für Schmerzen beim Sex

Sex tut weh, statt Spaß zu machen? Das sind fünf mögliche Gründe!