Konsequenzen gefordert, Ende der Gemeinnützigkeit für Greenpeace?

Entsetzen nach Greenpeace-Aktion: Von Scharfschützen-Einsatz in letzter Sekunde abgesehen

18. Juni 2021 - 9:49 Uhr

Vor EM-Partie Deutschland-Frankreich: Gleitschirmflieger muss notlanden

Geht's noch? Das fragen sich nach der missglückten Greenpeace-Aktion viele Menschen in Deutschland, die gestern das Deutschland-Spiel im Fernsehen verfolgten: Alle freuen sich auf einen schönen Fußball-Abend und dann der Schock: Ein Greenpeace-Aktivist muss kurz vor Anpfiff des EM-Spiels mit einem Motorschirm mitten im Stadion notlanden. Zwei Männer werden verletzt, müssen ins Krankenhaus. Mehr dazu im Video.

Es hagelt Kritik von allen Seiten - und nun wohl auch Konsequenzen, denn denken wir die Situation mal weiter: Das hätte auch weit schlimmer ausgehen können. Was, wenn es nicht eine eher harmlose Protestaktion gewesen wäre, sondern jemand, der mit Absicht Menschenleben gefährden hätte wollen? Die Scharfschützen hatten den Mann auf jeden Fall bereits im Visier...

Herrmann (CSU): Wegen "Greenpeace"-Schriftzug von Scharfschützen-Einsatz abgesehen

Die Polizei ermittelt inzwischen wegen verschiedener Delikte nach dem Strafgesetzbuch - und dem Luftverkehrsgesetz. Der 38-jährige Pilot aus Baden-Württemberg wurde festgenommen, sein Flieger sichergestellt. "Das Polizeipräsidium München betont, dass es keinerlei Verständnis für solche unverantwortlichen Aktionen gibt, bei denen eine erhebliche Gefährdung von Menschenleben in Kauf genommen wird", hieß es in der Mitteilung der Polizei. Die Aktion löst auch eine Diskussion um die Sicherheit während der EM aus: "Ich möchte nicht ausschließen, dass wir den Einsatz von Hubschraubern nochmal bewerten", sagte der Sprecher des Polizeipräsidiums München, Andreas Franken. "Das ist etwas, das man sich unter dem Gesichtspunkt nochmal anschauen kann."

Die Polizei hat nach Darstellung des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann bewusst nicht auf den Motorschirmflieger geschossen, der mitten auf dem Spielfeld gelandet war. "Die Scharfschützen hätten ihn stoppen können. Sie haben allerdings gerade mal eine gute MinuteZeit für die Entscheidung. Weil Greenpeace zu lesen war und es mehr nach einer politischen Demonstration aussah, haben sie in letzter Sekunde davon Abstand genommen, das Feuer zu eröffnen", so Herrmann im RTL-Interview. Weiter sagt er: "Aber ich will Ihnen nochmal klar sagen: Wir haben rund um das Stadion auch Scharfschützen positioniert und ich kann nur dringend davor warnen, wenn jemand auf die Idee käme, so etwas nochmal nachzuahmen. Um Haaresbreite hätte es vielleicht so sein können, dass die Polizei das Feuer eröffnet." Die Gefahr bei einer solchen Aktion getötet zu werden bestünde. (Mehr dazu im Video)

Greenpeace sagte, die Polizei sei über die Aktion informiert worden. Unmittelbar vor der Aktion sei Beamten innerhalb und außerhalb des Stadions Bescheid gegeben worden, sagte Greenpeace-Sprecher Benjamin Stephan der Deutschen Presse-Agentur. Die Münchner Polizei konnte dies zunächst nicht bestätigen.

Es hagelt also scharfe Kritik an der missglückten Aktion der Umweltorganisation Greenpeace, die als Protest gegen den Sponsor Volkswagen geplant war.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der auch im Stadion war, kündigte Konsequenzen an. "Das wird genau behandelt, das sind klare Verstöße", sagte er dem Bayerischen Rundfunk. "Das ist kein Kavaliersdelikt."

Friedrich Merz fordert in einem Tweet, Greenpeace wegen dieser Aktion sogar die Gemeinnützigkeit abzusprechen.

Grünen-Bundesgeschäftsführer Michael Kellner hat die riskante Protestaktion der Umweltschutzorganisation Greenpeace im Münchner EM-Stadion kritisiert. "Aktionen, die die Gesundheit anderer gefährden, gehen gar nicht. Das gilt selbstverständlich auch für @Greenpeace", erklärte Kellner auf Twitter. Zugleich betonte Kellner aber auch: "Die Forderungen gegenüber #Greenpeace, jetzt die Gemeinnützigkeit abzuerkennen, sind völlig überzogen."

Die Europäische Fußball-Union UEFA sprach von einer "rücksichtslosen und gefährlichen Aktion", die schwerwiegende Folgen für viele Menschen hätte haben können. Auch der Deutsche Fußball-Bund verurteilte den Protest.

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Greenpeace: „Das tut uns wahnsinnig leid"

Eigentlich hätte laut Greenpeace alles ganz anders ablaufen sollen. Die Umweltorganisation forderte bei Twitter von Volkswagen, keine klimaschädlichen Diesel- und Benzinautos mehr zu verkaufen. Dazu sollte der Pilot vor Spielbeginn einen großen gelben Ball in die Arena sinken lassen. Dabei geriet er in eine Stahlseilkonstruktion am Stadiondach und kam ins Trudeln, so dass er ins Stadion herabsank.

Ein Sprecher räumte noch während des laufenden Spiels ein, dass die Aktion missglückt sei - und entschuldigte sich. "Das tut uns wahnsinnig leid", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Auf dem Twitteraccount von Greenpeace hieß es: "Dieser Protest hatte nie die Absicht das Spiel zu stören oder Menschen zu verletzten." Greenpeace-Aktionen seien immer friedlich und gewaltfrei.

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