Schmerz aushalten, um Schmerz zu verarbeiten

Trauer, die unter die Haut geht: Trauer-Tattoos

05. Februar 2020 - 10:05 Uhr

Ein Tattoo als Zeichen der Trauer

René Lewejohann ist ein großer, muskulöser Mann mit kurzgeschorenen Haaren und über und über mit Tattoos verziert. Ein harter Mann - doch wenn er von seinem verstorbenen Papa spricht, wird der große Kerl ganz weich. Ihm zu Ehren lässt sich René ein großflächiges Tattoo auf den Unterarm stechen. Vater und ein Sohn auf dem Weg ins Fußballstadion - für ihr eine Erinnerung an seinen geliebten Vater, die "ihn glücklich und stolz" macht.

Für den Tätowierer Pascal Kurz vom "Lucky Tattoo"-Studio in Dorsten ist das Stechen von Trauer-Tattoos mittlerweile zum Alltag geworden: "Die Anfragen haben sich verdreifacht." Aber was sind die häufigsten Motive? Und wie hilft uns ein Tattoo dabei unsere Trauer zu verarbeiten? Die Antworten - im Video.

Tattoos - so unterschiedlich wie die Trauer selbst

Der eigenen Trauer mit einer Tätowierung Ausdruck zu verleihen ist heute immer gängiger. Doch können eine Nadel und etwas Tinte unter der Haut den Schmerz über den Verlust eines geliebten Menschen oder eines Haustiers überwinden helfen? "Dinge, die in unserer Kultur früher üblich waren, wie schwarze Trauerkleidung, sind von Tattoos abgelöst worden", sagt Norbert Mucksch vom Bundesverband Trauerbegleitung. Tattoos können ihm zufolge in der Trauer helfen und signalisieren: Ich trauere um einen Menschen und möchte das nicht nur zeigen, sondern möglicherweise auch körperlich spüren, durch den Schmerz beim Stechen des Tattoos.

Ob es das Porträt des verstorbenen Hundes, ein Unendlichkeitssymbol für den Partner oder Engelsflügel für die Mutter sind: Trauer-Tattoos sind so verschieden wie die Trauer selbst. Jedes Tattoo ein ganz persönliches, individuelles Liebesbekenntnis. Und eine Erinnerung, die man nicht nur in seinem Herzen, sondern eben auch auf der Haut trägt.

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Morgen sind es vier Jahre ohne dich. Eine Zeit lang habe ich mir vorgemacht, du seist irgendwo unterwegs, auf Reisen. Und du würdest irgendwann wieder vor mir stehen - mit diesen entzückenden Sommersprossen auf der Nase, mit deiner kleinen Narbe unter dem Kinn... Doch irgendwann merkt man, dass dieser Platz auf dem Friedhof wirklich dein Platz ist. Dass du wirklich nie wieder kommen wirst. Zu vieles ist geschehen das du nicht mitbekommen hast. Und oft genug verzweifle ich daran, an diesem unfairen Leben. Daran, dass ich ohne dich leben muss. Dass du dieses Leben, welches du so geliebt hast, nicht zu Ende leben durftest. Das sind die Tage an denen ich schreie, weine. Tage an denen ich wütend bin. Auf alles und auf jeden. Aber diese Wut führt nirgendwo hin. Sie ist ohne Ende und ohne Ausweg. Ich versuche diese Wut in Liebe zu wandeln. Ich versuche mit Liebe durchs Leben zu gehen. Du hast mich demütig gemacht. Und auch wenn du nicht mehr greifbar bist, lehrst du mich jeden Tag neue Dinge. Du prägst mich noch immer am meisten. Du bleibst auf ewig. Und irgendwie bist du doch auf Reisen: Irgendwann sehen wir uns wieder - die ersten vier Jahre von vielen sind vergangen. Bis dahin werde ich dich jeden Tag vermissen, jeden Tag lieben; ich werde für dich atmen, für dich lachen. Damit du gut durch diese Reise kommst, gebe ich dir etwas. Ich gebe dir Flügel, Anka. Und nun flieg voran...👼 #liebedieunterdiehautgeht #trauertattoo #wings #ichtragdichuntermeinerhaut #undermyskin #skin #angel #tattoo #tat #inked #inkedgirls #black #lace #sexy #forever #sister #siblings #l4l #mafflumomente #februarfantasie #imissyou #missing #zeitfürgedanken #thoughts #new #potd #ankermädchen #ankermädchengedanken #sad #saturday

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Sprüche und Bilder, so unterschiedlich wie die Verstorbenen selbst

Eine Tätowierung, die ein Leben lang an die gemeinsamen Momente mit dem Verstorbenen erinnert, ist für viele eine ganz eine besondere Form der Wertschätzung.