Luis Riollano bemerkt kaum Symptome

Wegen unentdeckter Diabetes: 31-Jähriger plötzlich blind - kann das jedem passieren?

Luis Riollano ist an Diabetes erkrankt.
Luis Riollano sieht von heute auf morgen schlechter und trinkt viel mehr als gewöhnlich. Was dahinter steckt? Eine unerkannte Diabetes-Erkrankung.
Instagram Luis Riollano

von Vera Dünnwald

Luis Riollano ist 31 Jahre alt, aktiv und kerngesund. Doch von jetzt auf gleich bemerkt er, dass er mehr Durst hat und einen vermehrten Harndrang verspürt. Als Brillenträger wundert er sich zudem, dass seine Sicht immer trüber wird. Dann der Schock: Innerhalb eines Monats erblindet er fast vollkommen. Die Ursache? Eine nicht diagnostizierte Diabetes-Typ-2-Erkrankung. Wie kann das sein, dass man so schnell zuckerkrank wird? Kann mir das auch passieren? Wir haben den Allgemeinmediziner und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht befragt.

Sehkraft nimmt immer weiter ab: Luis Riollano erkrankt am Grauen Star und erblindet

Anfang September 2021, als Luis Riollano 31 Jahre alt ist, verändert sich sein Leben von jetzt auf gleich. Weil er eine Sehschwäche hat, ist er auf seine Brille angewiesen, um Entfernungen besser erkennen zu können. Er bemerkt, dass seine Umgebung trüber aussieht als sonst und geht der Sache auf den Grund. Hat sich etwa seine Sehstärke verändert? Nach kurzer Zeit verschlechtert sich seine Sehkraft so sehr, dass er kaum noch Formen und Bewegungen ausmachen kann, wie „Today“ berichtet: Er ist so gut wie blind. Beim Augenarzt erfährt er schließlich die Ursache für die plötzliche Erblindung: „Als bei mir fortgeschrittener Grauer Star diagnostiziert wurde, war ich wirklich sehr erschrocken“, sagt der heute 32-Jährige aus Brooklyn, New York (USA). „Aufgrund meines Alters sagte mir der Arzt, dass er vermutete, dass vielleicht Diabetes im Spiel war.“

Und der Arzt sollte recht behalten. Denn vor allem die verschlechterte Sehkraft sei ein „klassisches Indiz“ dafür, wie Dr. Specht im RTL-Interview erklärt: „Diabetes kann zur Eintrübung der Linse, also zum Grauen Star, führen. Die Linse ist der vorgelagerte Teil des Auges. Sie ist Biomaterial und kann sich durch Einlagerung von gewissen Stoffen eintrüben. Im Fall von Riollano, der Diabetes hat, ist zu viel Glukose im Blut, die aber irgendwohin muss. Dummerweise wird die Glukose auch in der Linse eingelagert, weswegen der junge Mann letztendlich die Seheintrübung verspürt.“ Es sei also nicht ungewöhnlich, dass der Amerikaner weniger Kontraste und weniger Farbe sehen kann. „Das ist dann, als ob man durch eine dicke Milchglasscheibe gucken würde.“

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Arzt diagnostiziert Luis Riollano Diabetes

Riollano Gesundheitszustand verschlechtert sich zunehmend: Bereits nach vier Wochen erkennt er nur noch schemenhafte Umrisse. Seine Sehkraft lässt so stark nach, dass er nicht mal mehr für sich selbst sorgen kann. „Ich war bereits völlig blind“, sagt er gegenüber dem US-Fernsehsender.

Dr. Tommaso Vagaggini, Facharzt für Augenheilkunde am Mount-Sinai-Krankenhaus, zählt eins und eins zusammen und stellt die Diabetes-Diagnose: „Als ich mir die Katarakte, also den Grauen Star, bei der Untersuchung ansah, kam mir der Gedanke, dass es sich um Diabetes handeln könnte, weil sehr viel Flüssigkeit im Auge war.“ Der Arzt ermittelt schließlich Riollanos Blutzuckerspiegel – die Werte sind erschreckend. Der Zuckerwert des damals 31-Jährigen liegt bei 465 Milligramm und damit weit über dem normalen Blutzuckerspiegel, der nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC bei 200 Milligramm oder darunter liegt. „Sein Blutzuckerwert ging durch die Decke und bestätigte unseren Verdacht“, sagt Vagaggini. „Das ist ein Punkt, an dem es für jemanden lebensgefährlich werden kann.“

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Diabetes-Anzeichen: Plötzlich Riesen-Durst und vermehrter Harndrang

Luis Riollano ist schockiert, denn obwohl seine Mutter auch an Diabetes-Typ-2 erkrankt ist, bemerkt er bis dato kaum Symptome, ist weiterhin aktiv und es geht ihm soweit gut. Wäre da nicht sein vermehrter Durst und der damit verbundene vermehrte Harndrang.

Denn auch das seien, so der Allgemeinmediziner Dr. Specht, klassische Symptome für Diabetes: „Harndrang und Durst – vor allem wenn man Durst auf süße Getränke hat – das sind die gängigsten Anzeichen. Also wenn jemand auf einmal viel trinkt und viel auf Toilette muss, könnte es gut sein, dass ein Diabetes-Verdacht besteht. Wenn es dann weitergeht, kommen andere Schäden hinzu wie eben die Sehverschlechterung oder aber auch schlechtere Haut oder mehr Infektionen. Aber dann ist der Diabetes schon lange zugange gewesen.“

Riollano bekommt seinen Blutzucker in den Griff, nimmt Insulin ein und stellt seine Ernährung um. Anschließend wird er an den Augen operiert. Seine alte Linse wird durch eine neue Kunstlinse ersetzt. Mit dem Eingriff ist der heute 32-Jährige zufrieden, da er einen Teil seiner Lebensqualität zurückbekommt. Er kann jetzt nicht nur wieder gut sehen, sondern fühlt sich viel energiegeladener, weil sein Blutzuckerspiegel zum ersten Mal richtig eingestellt ist.

Dr. Specht: "Ungewöhnlich, dass es so schnell ging"

Trotz allem, so Dr. Specht, sei es mehr als ungewöhnlich, dass sich die Augen von Luis Riollano so schnell verschlechtert haben sollen: „Dass es schon so früh und im so jungen Alter zu so großen Schäden am Auge gekommen ist, dass letztendlich die Linsen ersetzt werden mussten – das kommt nicht so häufig vor. Ich gehe davon aus, dass der Mann das schon länger gehabt hat, so etwas entwickelt sich nämlich nicht gerade in einem Monat. Wenn tatsächlich der Diabetes die einzige Ursache für die Linseneintrübung gewesen sein soll, dann ist das über längere Zeit geschehen.“

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Letztendlich lässt sich also festhalten: Diabetes schädigt auch die Linsen. Die Zuckerkrankheit kann zur Seheintrübung führen – allerdings sei das ein längerer Prozess, wie Dr. Specht erklärt. „Mir ist kein Fall bekannt, wo das innerhalb eines Monats geschehen ist. Der Mann wird nicht bemerkt haben, dass irgendetwas nicht stimmt.“

Luis Riollano geht es zumindest besser und ist dankbar dafür, dass er endlich wieder gut sehen kann. Er appelliert an andere, sich regelmäßig beim Arzt durchchecken zu lassen: „Man weiß erst, was Sache ist, wenn man endlich zum Arzt geht.“