Proppevolle Stadien trotz Corona

Müssen wir den EM-Wahnsinn stoppen?

Dicht gedrängt verlassen Fußballfans das Wembley-Stadion nach dem Spiel Deutschland gegen England
Dicht gedrängt verlassen Fußballfans das Wembley-Stadion nach dem Spiel Deutschland gegen England
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01. Juli 2021 - 18:37 Uhr

Viele Fans infizieren sich bei EM

In Schottland haben sich fast 2000 Fans bei EM-Besuchen mit Corona angesteckt, dutzende finnische Fans infizierten sich bei Spielen in St. Petersburg. Ist es vernünftig, in Zeiten einer Pandemie Fans durch ganz Europa zu Massenveranstaltungen in vollen Stadien reisen zu lassen? Die Weltgesundheitsorganisation ist besorgt und auch Innenminister Horst Seehofer attackiert die UEFA scharf. Versaut uns die EM unseren Sommerurlaub und den Schulstart?

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Lauterbach: "Die UEFA ist für den Tod von vielen Menschen verantwortlich."

SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hatte die UEFA nach dem Spiel Deutschland gegen England heftig kritisiert. Der Grund: Volle Stadien, viele Menschen, dicht an dicht. Seiner Meinung nach ist die UEFA sogar für den Tod von vielen Menschen verantwortlich. Schleppen deutsche Fußballfans das Virus zurück nach Deutschland? Da gibt Karl Lauterbach im RTL-Interview vorsichtige Entwarnung: "Die paar Deutschen, die jetzt da gewesen sind, das wird in Deutschland überhaupt keine Rolle spielen. Das hat für Deutschland keine Konsequenzen." In erster Linie habe das Konsequenzen für Großbritannien. Doch durch Reisen könnte sich das Virus zu einem späteren Zeitpunkt trotzdem weiter in Europa ausbreiten. Falls Großbritannien nämlich den Status eines Variantengebiets verliert und nur noch zum Risikogebiet erklärt wird, werde die Reisetätigkeit wieder zunehmen, sagt Lauterbach.

WHO ist besorgt und Seehofer schießt gegen UEFA

Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) tragen die Zuschauermengen der EM zu einer schnelleren Verbreitung der Delta-Variante des Corona-Erregers bei. "Ja natürlich, wir sind eindeutig besorgt", sagte der WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Kluge. Nach einem zehnwöchigen Rückgang nehmen die Infektionszahlen jetzt wieder zu. Durch "Reisen, Zusammenkünfte und Lockerungen der sozialen Beschränkungen" sei die Fallzahl vergangene Woche um 10 Prozent gestiegen.

Auch Bundesinnenminister Horst Seehofer Seehofer kritisierte die UEFA scharf: "Ich halte diese Position der UEFA für absolut verantwortungslos", sagte er bei der Bundespressekonferenz. Er könne sich nicht erklären, warum der europäische Fußballverband nicht "einer Linie der Vernunft" folge, habe aber den Verdacht, "dass es da um Kommerz geht".

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Bei der 0:2-Niederlage der deutschen Nationalelf im EM-Achtelfinale gegen England am Dienstag waren rund 42.000 Zuschauer im Londoner Wembley-Stadion. Für die Halbfinals und das Endspiel sollen sogar 60.000 Zuschauer zugelassen werden.

UEFA sieht bei sich keine Schuld

Die UEFA wiegelt ab und sieht bei sich selbst keine Schuld. Stattdessen nimmt sie die lokalen Behörden in Verantwortung: "Die endgültigen Entscheidungen in Bezug auf die Anzahl der Fans, die zu den Spielen kommen, und die Einreisebestimmungen für jedes der Austragungsländer und Austragungsstadien liegen in der Verantwortung der zuständigen lokalen Behörden, und die UEFA hält sich strikt an solche Maßnahmen", sagte der Verband auf RTL-Anfrage.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Medienberichten zufolge hatte der Verband damit gedroht, die wichtigsten Spiele im letzten Moment an Budapest zu vergeben, sollte London die Zahl der zugelassenen Fans nicht erhöhen. Die Regierung folgte dem Druck, seitdem sind 60.000 Fans im Stadion zugelassen. Ursprünglich hat die Regierung nur mit 21.000 Fans geplant. Für ebenso scharfe Kritik hatte gesorgt, dass die UEFA unbedingt 2500 VIP-Gäste bei den Spielen haben wollte, für die die strengen Corona-Regeln nicht gelten sollen.

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