Virologe zu aktuellen Corona-Neuinfektionen

Prof. Hendrik Streeck: „Das Virus wird nicht vollkommen verschwinden“

Virologe Streeck zu den aktuellen Corona-Zahlen.
Virologe Streeck zu den aktuellen Corona-Zahlen.
© dpa, Oliver Berg, obe gfh

05. Mai 2021 - 11:14 Uhr

Virologe Streeck: Trendwende kommt verspätet

Der tägliche Blick auf die Zahlen, ob in den Nachrichten, am Küchentisch oder bei der Arbeit, kaum einer kommt drum herum. Und seit Kurzem lohnt sich der Blick besonders, denn die neuesten Zahlen lassen die Menschen in Deutschland allmählich aufatmen: 18.034 Corona-Neuinfektionen meldet das Robert-Koch-Institut am Mittwoch. Noch vor einer Woche waren es ca. 4.200 mehr. Damit liegt die Sieben-Tage-Inzidenz nun bundesweit bei 132,8 (Vortagswert: 141,4!). Selbst 285 Todesfälle lesen sich paradoxerweise positiver als die 312 in der Vorwoche. Die Tendenz ist derzeit rückläufig und das freut natürlich viele.

Aber was sind diese Zahlen wirklich wert? Können wir uns Hoffnung auf ein unbeschwertes Leben oder zumindest einen Sommerurlaub machen? Tatsächlich kommen die Zahlen nicht überraschend, so der Virologe Prof. Hendrik Streeck zu RTL: "SARS2 ist ein Coronavirus, das sich wie alle anderen Coronaviren saisonal verhält. Die Trendwende kommt dieses Jahr etwas verspätet, was wahrscheinlich daran liegt, dass Deutschland seit 40 Jahren den kältesten April hatte. Der Rückgang der Infektionen sinkt in allen Altersgruppen ähnlich. Zudem wirkt der Impfeffekt."

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Streeck warnt davor, das Virus zu unterschätzen

Fast ein Drittel (29,5 %) Menschen in Deutschland hat bisher mindestens eine Erstimpfung erhalten, 8,3 % sind immerhin schon vollständig geimpft. Hier nimmt das "Impftempo" zwar Fahrt auf, dennoch ist Streeck nur vorsichtig optimistisch und warnt sogar davor, das Virus zu unterschätzen:

"In Israel sehen wir deutlich, dass wir durch eine breite Impfkampagne sehr niedrige Infektionszahlen erreichen können. Das Virus wird aber nicht vollkommen verschwinden. Bereits jetzt gibt es vereinzelt Fälle, wo wir bei vollständig Geimpften auch Virus im Rachen nachweisen können. Die Frage ist, ob diese Infektionen noch relevant sind. Die infizierten Personen haben aber keine Symptome und können weniger wahrscheinlich das Virus weitergeben."

Zumal eine Infektion nur durch einen entsprechenden Test valide nachgewiesen werden kann. Der wird aber in Zukunft für Geimpfte wegfallen.

"Daher wird es immer wichtiger werden, dass wir die Pandemie anhand anderer Parameter bemessen und daran dann auch Entscheidungen treffen", so Streeck. Eine Erkenntnis und Forderung, die für den Chef der Virologie am Universitätsklinikum in Bonn nicht neu ist: "Bereits letzten Sommer habe ich vorgeschlagen, sowohl die stationäre Belegung, intensivmedizinische Belegung in die Überlegungen mit einzubeziehen."

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