Wie werden wir wirklich langfristig immun?

Virologe Drosten: Mein Ziel ist eine Infektion nach der Impfung

Laut Virologe Christian Drosten kann eine Corona-Infektion nach der doppelten Impfung die Immunität steigern.
Laut Virologe Christian Drosten kann eine Corona-Infektion nach der doppelten Impfung die Immunität steigern.
© deutsche presse agentur

08. September 2021 - 8:49 Uhr

Kann man als Geimpfter einer Infektion langfristig nicht aus dem Weg gehen?

Experten sind sich sicher: Corona werden wir nicht mehr los! Und während wir uns durch die bisher zugelassenen Corona-Impfstoffe vor aktuellen Varianten gut schützen können, mutiert das Virus immer wieder. Dabei können auch Escape-Varianten entstehen, gegen die die aktuellen Impfstoffe nicht genug ausrichten können. Das Resultat: Wir können uns – trotz Impfung – anstecken. Heißt das, man kann als Geimpfter einer Infektion langfristig nicht aus dem Weg gehen? Virologe Christian Drosten geht sogar einen Schritt weiter: Er hält eine Ansteckung nach der Impfung sogar für sinnvoll.

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Echte Immunität nur durch Impfung UND Infektion?

Immer wieder nachimpfen, um einen Immunbooster gegen die aktuellsten Varianten des Coronavirus zu erhalten? Laut dem Charité-Virologen Christian Drosten könne dieses Szenario nicht das Ziel in der Corona-Pandemie sein. Nur durch immer wiederkehrende Kontakte mit dem Coronavirus lasse sich eine belastastbare Immunität der Bevölkerung erzielen, erklärt der Experte in der neuen Folge des NDR-Podcasts "Coronavirus Update". "Mein Ziel - sagen wir mal: als Virologe Drosten – wie ich jetzt gerne immun werden will, ist: Ich will eine Impfimmunität haben und darauf aufsattelnd will ich dann aber durchaus meine erste Allgemeininfektion und die zweite und auch die dritte haben." Mit dieser Tatsache habe er sich schon lange abgefunden, so Drosten weiter. "Und dann weiß ich, bin ich richtig langhaltig belastbar immun und werde nur noch alle paar Jahre überhaupt mal dieses Virus sehen."

Zur Gefahr einer Infektion nach der Impfung erklärt der Virologe: Er selbst – als gesunder, zweifach gegen das Virus geimpfter Erwachsener – könne das Risiko für sich verantworten. Für andere Bevölkerungsgruppen gelte das hingegen nicht.

Infektion als Booster nach der Impfung: Das sagt Dr. Zinn

Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor des Hygienezentrums Bioscientia
Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor des Hygienezentrums Bioscientia, setzt weiterhin auf Booster-Impfungen.
© RTL

Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor des Hygienezentrums Bioscientia, sieht Christian Drostens Vorschlag einer Booster-Infektion kritisch: "Wir haben dazu noch keine Studien. Man weiß aus der Vergangenheit, dass eine Infektion auf eine Impfung drauf - [das passiert] meistens unbewusst - zu einer Boosterung der Antikörperbildung führt", erklärt Dr. Zinn im Gespräch mit RTL. "Dass man das aber bewusst macht, ist eher unüblich, und wir haben dazu keine Daten."

Der Hygieniker empfiehlt daher, statt einer Booster-Infektion lieber eine Booster-Impfung in Anspruch zu nehmen. Denn gerade bei älteren und immunsupprimierten Menschen habe sich die gesundheitliche Gefahr einer Infektion nach der Impfung durch die selten vorkommenden Durchbruchs-Infektionen bereits gezeigt.

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Drosten: Im Herbst wieder Kontaktbeschränkungen möglich

Auch wenn der Kontakt zum Virus Christian Drosten zufolge eine wichtige Rolle im weiteren endemischen Verlauf spielen könnte: Der Virologe sieht den Schlüssel zur erfolgreichen Bekämpfung des Virus auch weiterhin im flächendeckenden Impfen der Bevölkerung. "Man könnte diese Pandemie wegimpfen", betont Drosten im "Coronavirus Update". Dafür hält der Forscher eine Impfquote von über 90 Prozent für nötig - was derzeit utopisch scheint. Denn nach den aktuellen Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) sind in Deutschland bislang erst 61 Prozent der Gesamtbevölkerung vollständig geimpft. Deutschland werde deshalb im Herbst "mit Sicherheit" wieder Kontaktbegrenzungen brauchen, lautet die Einschätzung des Chef-Virologen. (dhe)

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