"Mit der Impfquote können wir nicht in den Herbst gehen"

Virologe Drosten rechnet mit erneuten Kontaktbeschränkungen

Wegen des schleppenden Impftempos in Deutschland, erwartet Virologe Christian Drosten im Herbst wieder Kontaktbeschränkungen.
Wegen des schleppenden Impftempos in Deutschland, erwartet Virologe Christian Drosten im Herbst wieder Kontaktbeschränkungen.
© dpa, Kay Nietfeld, nie kde tba

07. September 2021 - 11:15 Uhr

Ab Oktober wieder Kontakbeschränkungen?

Das Impftempo in Deutschland ist aktuell eher schleppend. Deshalb würden wir im Herbst "mit Sicherheit" wieder Kontaktbegrenzungen brauchen, sagte Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité im Podcast "Das Coronavirus-Update" von NDR Info. Der Wissenschaftler betont: "Gelassen in den Herbst zu gehen, ist eine gewagte Vorstellung."

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Steigende Krankenhausaufenthalte

Auch mit Blick auf die Zahl von Corona-Patienten in Krankenhäusern zeigte sich Drosten wenig optimistisch. Er rechnet im Herbst mit einer höheren Belastung – sowohl auf den Intensivstationen als auch anderen Stationen und in Notaufnahmen. Laut des Virologen sei es für Ungeimpfte über 60 Jahre ein "riesiges Risiko", ungeimpft in diesen Herbst zu gehen.

Ziel sei es die Impfquote deutlich zu verbessern. Allerdings sagte Drosten dem Sender, er glaube nicht daran, dass Deutschland über Ansprache der Bevölkerung mit der Impfquote noch viel weiter komme. "Und darum glaube ich, dass die Politik eine schwere Aufgabe vor sich hat und konsequent auch Entscheidungen treffen muss bald." Gefragt worden war Drosten in diesem Zusammenhang auch nach einer Impfpflicht als Option.

Impfquote in Deutschland immer noch zu niedrig

Nach den aktuellen Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) sind in Deutschland bislang erst 61 Prozent der Gesamtbevölkerung vollständig geimpft. Nach RKI-Berechnungen müssen aber mindestens 85 Prozent der 12- bis 59-Jährigen und 90 Prozent der Senioren ab 60 Jahren vollständig geimpft sein. Nur dadurch sei eine ausgeprägte neue Welle mit vollen Intensivstationen im Herbst und Winter unwahrscheinlich.

"Es ist leider nicht gelungen, diese Impfquote zu erzielen", resümierte Drosten. Er selbst hatte auf 80 Prozent gehofft. Theoretisch könne man sich aus einer Pandemie quasi herausimpfen, sagte Drosten. Dafür hält der Forscher eine gesamtgesellschaftliche Impfquote von über 90 Prozent für nötig - was derzeit utopisch scheint. (dpa/dbö)