Mutter sieht Sohn Marvin erstmals nach mehr als zwei Jahren wieder

Stiefvater: "Seine Mutter hat Marvin kaum wiedererkannt“

23. Dezember 2019 - 9:39 Uhr

Vermisster Marvin in Recklinghausen gefunden - "Letzter Stand: Er war nicht freiwillig dort"

Was ist mit Marvin (15) in den mehr als zwei Jahren passiert, in denen der Junge vermisst wurde? Der Fall steht noch ganz am Anfang der Aufklärung, viele Fragen sind offen, viele Details sind unklar. Am Samstag hat der Teenager erstmals seine Mutter wiedergesehen, für zehn Minuten. Sein Stiefvater Michael B. hat unseren Reportern Dominique Fleckinger und Klaus Felder von der Begegnung berichtet.

Marvin durfte nicht allein mit seiner Mutter sprechen

Marvins Stiefvater Michael B.
Marvins Stiefvater Michael B.

Zum ersten Kontakt seiner Frau mit ihrem Sohn sagt er: "Marvin hat nicht viel geredet." Weder mit seiner Mutter noch mit der Polizei. Mutter Michaela sei sehr aufgewühlt von dem Treffen. "Sie hat ihn kaum wiedererkannt", sagt Michael B. Marvin sei "stabiler" geworden. Außerdem sei er "ziemlich verwahrlost" gewesen.

Michael B. sagt auch, dass Marvin gegen seinen Willen in der Wohnung war. "Jetziger Stand: er war nicht freiwillig dort", so B. Diese Auskunft steht im Widerspruch zu Angaben eines Polizeisprechers, der am Freitag gesagt hatte: "Hinweise, dass der Junge gegen seinen Willen in der Wohnung festgehalten wurde, liegen zurzeit nicht vor."

Sein Stiefvater macht deutlich: "Marvin geht es nicht gut." Zwar sei er körperlich in Ordnung, aber psychisch nicht. Gestern hat der Jugendliche nach über zwei Jahren erstmals seine Mutter getroffen, für wenige Minuten. "Zehn Minuten", so sein Stiefvater, der bei der Begegnung nicht dabei sein durfte. "Nur die Mutter und eine Therapeutin." Marvin habe nicht viel erzählt. Der Wunsch des Jungen, allein mit seiner Mutter zu sprechen, wurde abgelehnt. "Die Therapeutin sagte, der erste Kontakt sollte mit ihr zusammen sein."

Er hat Tränen in den Augen, als er unseren Reportern vom Besuch der Mutter in einer Klinik in Datteln erzählt. "Zweieinhalb Jahre ohne Kontakt, das geht nicht spurlos an einem vorbei", erklärt Michael B., was er nicht erklären muss. Er rechnet mit einer "langen Prozedur", bis klar sei, was in dieser langen Zeit passiert sei.

Video: Durchsuchungen in Recklinghausen

Am Samstag wurde die Wohnung des 44-Jährigen erneut durchsucht. Offenbar eine Messie-Wohnung, wie RTL-Reporter Jan Heikrodt berichtet. "Im ganzen Haus stinkt es nach Urin." Ermittler tragen triefende Kartons mit Kinderwindeln aus der Wohnung.

Haftbefehl gegen mutmaßlichen Kinderschänder Lars H. erlassen

21.12.2019, Nordrhein-Westfalen, Recklinghausen: Beamte der Spurensicherung gehen in ein Mehrfamilienhaus. Bei der Durchsuchung einer Wohnung wegen Kinderpornografie-Verdachts hat die Polizei einen seit längerem vermissten 15-Jährigen entdeckt. Foto:
15-Jähriger bei Durchsuchung im Schrank gefunden
© dpa, Marcel Kusch, mku htf

Unterdessen wurde Haftbefehl gegen den Lars B. erlassen. Der Richter habe Haftbefehl wegen einer schwerwiegenden Sexualstraftat erlassen, teilte die Polizei in Recklinghausen mit.

Der seit über zwei Jahren vermisste Jugendliche war am Freitag in der Wohnung des 44-Jährigen in einem Schrank gefunden worden, als Ermittler diese nach Abbildungen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs durchsuchten. Die verwahrloste Wohnung wurde geräumt, die Polizei stellte viele Kisten mit Beweismaterial sicher.